IG Metall verzichtet in Industriekrise auf konkrete Lohnforderung

Industriekrise : Metaller verzichten auf konkrete Lohnforderung

Die Metall-Industrie im Saarland und anderen Regionen steckt in der Krise. Die Gewerkschaft setzt auf Job-Sicherung.

Die IG Metall reagiert auf die großen Probleme der Metall- und Elektroindustrie, die nicht zuletzt das Saarland massiv betreffen. Sie will bundesweit in der anstehenden Tarifrunde auf konkret bezifferte Lohnforderungen verzichten – anders als in den Vorjahren. Schwerpunkt solle die Beschäftigungssicherung sein, erläuterte Lars Desgranges, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Völklingen, gestern gegenüber der SZ die Pläne seiner Gewerkschaft. Höhere Entgelte für die bundesweit rund vier Millionen Beschäftigten der Branche sollten zwar ebenfalls durchgesetzt werden, stünden aber nicht allein im Mittelpunkt. „Wir möchten die Stärkung der Einkommen mit der Sicherung der Arbeitsplätze verbinden“, sagte Desgranges, in dessen Bereich Saarstahl und Dillinger Hütte fallen. Dort waren angesichts der Stahlkrise bereits massive Stellenstreichungen angekündigt worden.

Nach Vorstellung des IG-Metall-Bundesvorstandes soll mit den Arbeitgebern ein „Zukunftspaket“ ausgehandelt werden, in dem die tarifgebundenen Firmen sich bereiterklären, keine einseitigen Jobstreichungen oder Produktionsverlagerungen zu veranlassen. Stattdessen sollen kürzere Arbeitszeiten, Kurzarbeit und Weiterbildung greifen.

Bei der IG Metall Homburg-Saarpfalz erhofft man sich vom „Zukunftspaket“ Investitions- und Produktperspektiven für Standorte und Beschäftigte, sagte der 2. Bevollmächtigte Peter Vollmar. Die Homburger Betriebe seien stark von der Transformation der Automobilindustrie betroffen. Bosch, Schaeffler und Thyssenkrupp Gerlach produzieren dort vor allem Teile für Verbrennungsmotoren.

Lars Dresgranges, erster Bevollmächtigter der IG Metall Völklingen. Foto: Ruppenthal

Auf Arbeitgeberseite begrüßte der Verband der Metall- und Elektroindustrie des Saarlands (ME Saar) das Gesprächsangebot der IG Metall-Führung. „Es ist gut zu sehen, dass die IG Metall den Ernst der Lage anerkennt“, sagte ME Saar-Hauptgeschäftsführer Martin Schlechter.