IG-Metall-Chef Hofmann lobt ZF-Strategie

Technologie : IG-Metall-Chef Hofmann lobt ZF-Strategie

Jörg Hofmann, Chef der Gewerkschaft IG-Metall, sieht das ZF-Werk in Saarbrücken bei der Hybrid-Antriebs-Technik auf dem richtigen Weg.

In einer Werkshalle der ZF in Saarbrücken steht ein Mitarbeiter an einer Montagestelle. Mithilfe eines Greifarms, der ein wenig an die Latzugmaschine im Fitnessstudio erinnert, greift er einen Rotor aus einer blauen Kiste. Die Hände überm Kopf führt er den Arm mit der Last ein paar Meter nach rechts, wo ein Getriebegehäuse bereit steht. Dort setzt er es Hand in Hand mit der Maschine ein. Scannt das verbaute Teil noch kurz, dann geht er zurück zur blauen Kiste.

Führungen durch das weltweit größte Werk des Automobilzulieferers ZF in Saarbrücken gibt es nicht häufig. Für Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger und den ersten Vorsitzenden der IG Metall, Jörg Hofmann, öffnen sich die Werkstore jedoch. Besucher müssen sich an die blau markierten Wege halten. Auf den unmarkierten Betonstraßen wuseln Mitarbeiter auf Stapelfahrern und Lastenfahrrädern von A nach B. Einige der gelben Fahrzeuge, die die 600 Teile, aus denen sich ein einzelnes Getriebe zusammensetzt, durch die Werkshallen zu den Montagestellen bringen, sind nicht besetzt. Wie von Geisterhand bewegen sie sich. Die Digitalisierung ist hier bereits gut zu beobachten.

Während Gewerkschaft und Arbeitgeber sich sonst eher streitlustig gegenüberstehen, herrscht heute in Saarbrücken Einigkeit. Denn will Europa das Ziel der EU-Klimapoltik, die CO2-Emissionen bis 2030 um 40 Prozent zu reduzieren, einhalten, „muss jedes zweite neu zugelassene Fahrzeug in Deutschland elektrisch oder ein Hybrid sein“, sagt Hofmann und spielt damit dem Zulieferer zu. ZF setzt nämlich auf den Hybridantrieb: die Mischung aus Elektro- und Verbrennungsantrieb. Vorteil für den Zulieferer aus Friedrichshafen: Hybrid- und Verbrennungsgetriebe sind im Grundaufbau fast identisch. Statt eines Wandlers und der Ölzufuhr, setzen die Mitarbeiter jetzt lediglich Elektronik in das Gehäuse ein. Die Elektro-Komponenten kommen ebenfalls aus dem eigenen Hause, nämlich aus dem Werk in Schweinfurt, erläutert der Leiter des Standorts Saarbrücken, Hermann Becker.

Wie Becker ausführt, werden hier zurzeit Hybridgetriebe der sogenannten dritten Generation gefertigt. Die nächste, vierte, Generation ist aber bereits entwickelt. Sie wird ab 2022 in Autos der Marke BMW verbaut. Denn der bayerische Automobilhersteller schloss mit ZF, wie bereits berichtet, einen Vertrag über ein zweistelliges Milliardenvolumen ab. Damit sei der Standort etwa bis 2030 ausgelastet, sagt Becker.

Dass das Unternehmen sich dem Transformationsprozess stellt und sich mit der Hybridlösung technologieoffen zeigt, also nicht nur auf reine Elektromotoren setzt, begrüßt auch Wirtschaftsministerin Rehlinger. „Hybrid ist mindestens eine Brückentechnologie“, sagt sie. Am Ende werden viele verschiedene Technologien am Markt sein. Man müsse es als Prozess betrachten. Sie sichert ihre Unterstützung zu.

Aktuell macht VW-Chef Herbert Diess allerdings Schlagzeilen, weil er die Politik auffordert, auf den reinen Elektroantrieb zu setzen. Für Stephan von Schuckmann, Divisionsleiter der ZF Pkw-Antriebstechnik, ist klar, dass sich die Märkte hin zum Elektroantrieb entwickeln werden. Noch, so sagt er, gebe es aber zu große Probleme. Unter anderem sei das Netz für Ladestationen nicht weit genug ausgebaut. Deshalb werde ZF wie bereits angekündigt rund drei Millionen Euro in die Weiterentwicklung der Hybrid-Technologie investieren. Und sollte die von VW gewünschte schnellere Wende kommen? „Die Kundenresonanz bestätigt, dass wir auf dem richtigen Pfad sind“, sagt von Schuckmann. „Ich bin zuversichtlich, in absehbarer Zeit den nächsten Großauftrag verkünden zu können.“

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