Industrie in der Krise Massiver Stellenabbau in Homburg: Warum Michelin erst der Anfang ist

Meinung · Diese Woche wurde bekannt, dass im Michelin-Werk in Homburg über 800 Arbeitsplätze abgebaut werden. Eine Entscheidung, die leider nicht überrascht – und bei der es im Saarland nicht bleiben wird.

Homburg: Massiver Stellenabbau bei Michelin ist erst der Anfang
Foto: BeckerBredel

Es gibt eine bekannte Reifenmarke, da hüpft als Symbol ein hannoversches Pferdchen herum, Continental genannt und ehemals urdeutsch. In Deutschland produziert Conti schon lange nicht mehr, in einem Hauruck-Verfahren wurde schon vor über 15 Jahren die komplette Produktion ins billigere Ausland verlegt. Wer in Deutschland noch großflächig Reifen produziert, ist hingegen das französische Unternehmen Michelin.

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Die verschiedenen Werksleiter in Homburg machten nie einen Hehl daraus: der Spagat war schwierig, in einem Hochlohnland wie Deutschland mit seinen immer schon hohen Energiepreisen noch irgendwie einen Gewinn einzufahren. Das ging, weil die Mitarbeiter tipptopp und die Energiepreise noch zu bewältigen waren.

Doch nun nützt auch die beste Belegschaft nichts mehr, die deutschen Energiekosten brechen Unternehmen reihenweise das Genick. Das wissen auch die Mitarbeiter bei Michelin, denn sie wüten nicht gegen das Unternehmen, sie haben es kommen sehen. Sie sind damit weiter als so manche Politiker, die jetzt die alte Klassenkampf-Karte ziehen und Michelin als kapitalistisches Unternehmen darstellen wollen, das nur billig produzieren wolle.

Dass Michelin bis jetzt überhaupt noch Reifen in Deutschland produziert hat, fällt dabei gerne unter den Tisch. Ford ist weg, ZF baut ab, jetzt geht Michelin. Das Saarland war im 19. Jahrhundert eine der ersten Industrie-Regionen in Deutschland, nun ist es wohl das erste beim Abstieg in ein deindustrialisiertes Paradies. Die Bedeutung der Industrie-Arbeitsplätze für unseren Wohlstand werden so manche erst erkennen, wenn sie alle weg sind. Michelin ist erst der Anfang.

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