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Hendrik Haller aus Riegelsberg macht eine Ausbildung bei der Bundesagentur für Arbeit in Saarbrücken

Hendrik Haller aus Riegelsberg macht eine Ausbildung bei der Bundesagentur für Arbeit : Über den Tipp der Mutter zum Traumjob

Eigentlich wollte Hendrik Haller Kfz-Mechatroniker werden. Doch wegen seiner Sehbehinderung war das nicht möglich. Jetzt macht der Riegelsberger eine Ausbildung bei der Bundesagentur für Arbeit – die richtige Entscheidung, wie er sagt.

Er stellt sich auch schwierigen Herausforderungen. Selbst dann, wenn sich Menschen ungerecht behandelt fühlen und dabei ziemlich laut werden. Hendrik Haller (19) aus Riegelsberg versucht selbst in solch heiklen, schwierigen Situationen gelassen zu bleiben. Ein Training, wie man in Konfliktsituationen beruhigend und deeskalierend auftreten kann, hat er auch schon von seinem Arbeitgeber bekommen. Dabei steht der junge Mann erst am Anfang seines Berufslebens inmitten des ersten Lehrjahres zum Fachangestellten für Arbeitsmarkt-Dienstleistungen bei der Regionaldirektion Rheinland-Pfalz-Saarland der Bundesagentur für Arbeit (BA) in Saarbrücken.

Sein Chef, Walter Hüther, stellvertretender Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion, hält große Stücke auf Hendrik Haller. „Wir brauchen ihn“, sagt Hüther, zumal die Anforderungen immer weiter steigen, im menschlichen wie im fachlichen Bereich. „Wir erleben unter unseren Kunden alle denkbaren Verhaltensweisen: von aggressiv bis überfreundlich“, betont Hüther.

Hendrik Haller hat für sich beschlossen, sich allen Herausforderungen zu stellen. Zumal er selbst sich schon zahlreichen schwierigen Situationen stellen musste. Haller ist schwerbehindert, bedingt durch eine starke Sehschwäche. Was ihn nicht daran hindert, seine Aufgaben mit großem Engagement anzugehen. Haller wirft so schnell nichts aus der Bahn, hat er doch auch schon jahrelang ein besonderes Hobby gepflegt: Ringen. Auch das gibt Selbstbewusstsein. Ursprünglich wollte er ins Handwerk, Kfz-Mechatroniker werden, das war eine große Leidenschaft. Doch die Sehschwäche bremste diesen Berufswunsch aus. Und so wurde daheim gemeinsam überlegt, was eine erfüllende berufliche Perspektive sein könnte, zumal er die Mittlere Reife und einen kaufmännischen Abschluss von der Handelsschule mitbringt.

Schließlich hatte seine Mutter einen entscheidenden Tipp: eine Beschäftigung im öffentlichen Dienst könnte es doch sein. Haller wagt sich an die neue berufliche Herausforderung heran, bewirbt sich, wird eingeladen und überzeugt. „Ich habe gerne mit Menschen zu tun, helfe weiter, wo ich kann“, sagt der junge Mann. Und das ist gar nicht so einfach, denn die Bundesagentur für Arbeit sieht sich nahezu ständig mit neuen Gesetzen, Anforderungen und Regeln konfrontiert, die von allen Beschäftgen eine hohe Flexibilität verlangen.

Hendrik Haller bekommt im Laufe seiner dreijährigen Ausbildung Einblick in alle relevanten Abteilungen: Zwischen zwei Wochen und drei Monaten hält man sich jeweils an einer Station auf, beginnend an der Eingangzone als erstem Kundenkontakt, „die Visitenkarte des Hauses“, wie es Walter Hüther ausdrückt. Oder „mit ähnlichen Verhaltensweisen wie am Empfang eines Hotels“. Das sieht auch Haller so, der zugibt, vor jedem Gespräch etwas aufgeregt zu sein. „Jeder Mensch reagiert anders.“ Auch müsse man berücksichtigen, dass es vielen Betroffenen nicht einfach fällt, sich bei der Bundesagentur zu melden, um etwa Arbeitslosengeld zu beantragen. „Man muss als Mitarbeiter eine hohe Sozialkompetenz haben“, sagt Hüther. Zumal man dazu verpflichtet sei, Recht und Gesetz durchzusetzen. „Im Zweifelsfall muss man beim Auftreten auch klare Grenzen setzen. Es kommt schon mal vor, dass wir Leute dazu auffordern müssen, das Haus zu verlassen“, sagt Hüther.

Hendrik Haller hat nach eigenen Worten die richtige berufliche Herausforderung für sich gefunden. Er will nach der Ausbildung bleiben. Und wird offensichtlich auch innerhalb des Teams geschätzt. „Man hilft sich gegenseitig“, sagt Haller. Und man arbeitet auch gemeinsam daran, dass sich die Schwerbehinderung möglichst wenig in der praktischen Arbeit auswirkt. So nutzt Hendrik Haller zum Studium der Gesetzestexte eine Lupe. Und an seinem Computer wurde eine Vergrößerungs-Software installiert. Momentan durchläuft er die Leistungsabteilung, bekommt Kenntnisse vermittelt über Art und Umfang der Auszahlung von Arbeitslosen-oder Kurzarbeitergeld.

Und noch etwas ist sehr wertvoll, was Hendrik Haller zusätzlichen Auftrieb gibt: „Wir geben unseren Auszubildenden beim Bestehen der Prüfung eine Übernahmegarantie“, sagt Hüther. Nicht nur das. Auf den späteren Stufen des beruflichen Werdegangs folgt auch ein prüfungsfreier Aufstieg. Mit einer Quote von 8,7 Prozent an Schwerbehinderten am gesamten Personal liegt die Regionaldirektion Rheinland-Pfalz-Saarland noch über der gesetzlich geforderten Pflichtquote von sechs Prozent.

Walter Hüther verweist darauf, dass immer mehr Betriebe an der Saar Schwerbehinderte einstellen. Man setzt auf sie in nahezu allen Branchen: besonders häufig im Verarbeitenden Gewerbe (32,3 Prozent), in der Öffentlichen Verwaltung (18,3 Prozent), im Gesundheits- und Sozialwesen (14,3 Prozent) sowie im Handel (8,3 Prozent).

Unternehmen, die Schwerbehinderte beschäftigen, bekommen eine Vielzahl an Fördermöglichkeiten. Dazu gehören zum Beispiel bei Auszubildenden ein Zuschuss zur Ausbildungsvergütung oder auch ausbildungsbegleitende Hilfen. Weiterhin können sie zur Eingliederung von Frauen und Männern, die eine spezielle Einarbeitung benötigen, einen Zuschuss zum Arbeitsentgeld erhalten. Förderhöhe und Förderdauer richten sich nach der individuellen Situation der Beschäftigten und des jeweiligen Arbeitsplatzes. 2020 waren im Schnitt 2100 schwerbehinderte Mneschen auf der Suche nach einem Arbeitsplatz.

Wer einen schwerbehinderen Menschen einstellen will, bekommt Hilfe und Tipps unter der kostenlosen Hotline (08 00) 4 55 55 20. Schwerbehinderte können unter der kostenfreien Servicenummer (08 00) 4 55 55 00 Kontakt mit der zuständigen Agentur für Arbeit aufnehmen.