Gute Prognose für Saar-Betriebe in Herbstumfrage der Handwerkskammer

Solide Auftragslage : Saar-Handwerk weiterhin gut ausgelastet

Die saarländischen Betriebe haben volle Auftragsbücher, finden aber kaum Fachkräfte. Beim Umsatz gab es leichte Einbußen.

Das saarländische Handwerk ist nach wie vor gut ausgelastet. Doch die Konjunktur läuft bei den etwa 12 000 Betrieben nicht mehr ganz so rund wie vor einem Jahr. Auch die Aussichten für die nähere Zukunft beurteilt eine wachsende Zahl von Betriebsinhabern nicht mehr so rosig wie bisher. Das geht aus der Herbstumfrage der Saar-Handwerkskammer (HWK) hervor, die das dritte Quartal umfasst. Sowohl bei der Umsatzentwicklung als auch beim Auftragsbestand gab es im Vergleich zum Herbst 2018 einen leichten Dämpfer – allerdings auf hohem Niveau.

Über einen Zuwachs an Aufträgen berichteten 30 Prozent der Betriebe (Vorjahr 39 Prozent). Dünner gewordene Orderbücher vermelden 22 Prozent. Ein Jahr zuvor waren es erst 17 Prozent. Verhaltener als im Herbst 2018 verlief auch die Umsatzentwicklung. 27 Prozent der befragten Firmen schlossen die Monate Juli bis September mit einem Umsatzplus ab (Herbst 2018: 32 Prozent). 23 Prozent mussten sinkende Erlöse verbuchen – gegenüber 16 Prozent vor einem Jahr. Insgesamt erwirtschaftet das saarländische Handwerk Umsatzerlöse von rund 6,5 Milliarden Euro.

Die Betriebe haben immer noch gut zu tun. Ihre Auslastung liegt derzeit bei durchschnittlich 83 Prozent „und damit nur einen Prozentpunkt unter dem Höchstwert des Vorjahres“, heißt es in der Konjunkturanalyse. Die Unternehmen haben im Durchschnitt für 8,5 Wochen Aufträge in den Büchern und damit etwas weniger als noch im Herbst 2018, wo der Auftragsbestand bei 8,7 Wochen lag. Daher „erlebt die Handwerkskonjunktur derzeit einen goldenen Herbst“, zieht HWK-Präsident Bernd Wegner das Fazit.

Die Beschäftigung im saarländischen Handwerk verharrt weiterhin auf einem hohen Niveau. 19 Prozent der Unternehmen gaben an, zusätzliches Personal eingestellt zu haben – gegenüber 17 Prozent ein Jahr zuvor. 68 Prozent (Herbst 2018: 73 Prozent) beschäftigten noch die gleiche Zahl an Mitarbeitern wie vor einem Jahr. Im saarländischen Handwerk arbeiten rund 68 000 Frauen und Männer.

Mit Blick auf die nächsten Monate sind die Erwartungen der Unternehmen nicht mehr so optimistisch wie bisher. 18 Prozent gehen davon aus, dass sich ihre Geschäftslage verbessert. Ein Jahr zuvor waren es noch 28 Prozent. Ihnen stehen 17 Prozent (Vorjahr acht Prozent) gegenüber, die damit rechnen, dass sich die Aussichten eintrüben. Unverändert hoch bleibt hingegen die Nachfrage nach Mitarbeitern. Jeder zehnte Betrieb gab an, noch zusätzliche Leute einstellen zu wollen. 83 Prozent (Vorjahr 82 Prozent) wollen mit der gleichen Mannschaftsstärke die Aufträge der kommenden Monate abarbeiten.

„Wir müssen weiterhin mit einem Mangel an Facharbeitern leben“, sagte HWK-Hauptgeschäftsführer Arnd Klein-Zirbes. Ein Hochschul-Studium sei für 60 Prozent eines Jahrgangs nach wie vor die erste Option, „auch wenn wir eine wachsende Zahl junger Menschen davon überzeugen können, dass eine solide Handwerksausbildung womöglich die bessere Alternative ist“, meint Wegner. Darüber hinaus sei feststellbar, dass die Sogwirkung in die Industriebetriebe nachgelassen habe. In den vergangenen Jahren hätten die Handwerksunternehmen ihr Ausbildungsniveau zwar hochgehalten, „doch am Ende lockte die bessere Bezahlung in der Industrie“, erinnerte der HWK-Präsident. Seitdem sich vor allem die Autokonjunktur eintrübe und sich Nachrichten häuften, dass Arbeitsplätze in größerer Zahl abgebaut werden, „hat die Attraktivität nachgelassen“. Um die Mitarbeiter dauerhaft im Handwerk zu halten, „muss aber auch deren Bezahlung besser werden“, meint Klein-Zirbes. Dies sei jetzt schon zu beobachten. Mehr Entgelt schlage sich wiederum in höheren Handwerkerrechnungen nieder, „da viele Gewerke nach wie vor sehr personalintensiv sind“.

Bernd Wegner, Präsident der Handwerkskammer des Saarlandes. Foto: Carsten Simon/+49.171.5239700

Auf der anderen Seite ist das Handwerk auch nicht mehr das Auffangbecken für Leute mit einem fehlenden Schulabschluss – obwohl deren Zahl weiter steigt und zuletzt bundesweit bei 52 000 pro Jahrgang lag. „Wir sind nicht der Reparaturbetrieb für schulische und gesellschaftliche Fehlentwicklungen“, machte Klein-Zirbes deutlich. Denn die Ansprüche an die künftigen Gesellen würden auch im Handwerk allein durch die Digitalisierung immer höher, einfache Tätigkeiten immer seltener. HWK-Präsident Wegner setzte sich dafür ein, dass die jungen Leute wesentlich früher und intensiver als bisher an die Arbeitswelt herangeführt werden müssten.