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Gusswerken Saarbrücken (Halberg Guss) bleibt kaum noch Zeit

Kostenpflichtiger Inhalt: Gießerei im Überlebenskampf : Läuft den Gusswerken Saarbrücken die Zeit davon?

Der Saarbrücker Gießerei bleiben noch drei Wochen, um Investoren an Land zu ziehen. Andernfalls gehen die Lichter endgültig aus. Das sagt Insolvenzverwalter Abel zur Lage der Traditionsfirma.

Die Uhr tickt bei den insolventen Gusswerken Saarbrücken. Die Zeit für eine Rettung der ehemaligen Halberg Guss wird immer knapper. Von Tag zu Tag steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die Brebacher Traditionsgießerei am 31. März nach mehr als 260 Jahren schließen muss. „Bis allerspätestens 15. März“ müsse Klarheit herrschen, ob genügend Aufträge da sind, damit der bereitstehende Investor, die Neunkircher Ferraro Group, einsteigt, sagte Insolvenzverwalter Franz Abel auf Anfrage. „Der Stand der Dinge ist unverändert“, fügte er hinzu. Das heißt, unverändert bedrohlich für die noch rund 400 Beschäftigten. Das Werben um Aufträge der früheren Großkunden VW, Daimler und General Motors (GM) geht weiter. Zusagen sind bislang aber ausgeblieben.

„Man muss vom Schlimmsten ausgehen“, sagte Abel, doch aufgeben will er nach wie vor nicht. „Die Hoffnung stirbt zuletzt, manchmal geschehen Wunder.“ Wenn das Wunder ausbleibt, wird die Produktion zum 31. März auslaufen. Danach würde das Werk abgewickelt und abgewrackt. Dafür müsste Abel eine Rumpfmannschaft zusammenstellen, die diese Aufgabe übernimmt.

Seit Mitte Dezember ist das Unternehmen in dieser brisanten Lage. Der Insolvenzverwalter hatte allen Mitarbeitern zum 31. März gekündigt, sowohl den 400 Beschäftigten, die noch gebraucht wurden, als auch den 600, die zuvor schon freigestellt worden waren und nicht mehr zur Arbeit kommen durften. Ende November hatte Insolvenzverwalter Abel einen Job-Kahlschlag verkündet und 600 Beschäftigte freigestellt. Auslöser dafür war der Ausstieg des größten Kunden, des US-Autobauers GM.

Kurz zuvor hatte es noch besser ausgesehen. Alle wichtigen Kunden schienen gewonnen. Mit der Ferraro Group, einem großen Abrissunternehmen aus Neunkirchen, war auch ein Investor gefunden. Die Gießerei wäre in der Lage gewesen, schwarze Zahlen zu schreiben, hatte Abel gesagt. Dann wäre nach seiner Einschätzung nur der Abbau von etwa 100 Arbeitsplätzen nötig gewesen. Doch der Rückzug von GM machte die Pläne zunichte.

Auch die Landesregierung hatte eine Beteiligung an einer Rettung zugesichert. Wirtschaftsstaatssekretär Jürgen Barke (SPD) hatte dies Anfang des Jahres präzisiert. Das Engagement könne Bürgschaften umfassen, aber darüber hinaus auch den Kauf von Immobilien und Anlagen, die Ferraro dann zum Beispiel mieten könnte.

Seit langem kämpfen die Gusswerke ums Überleben. 2009 war die Gießerei schon einmal in der Insolvenz. Dann schien es dauerhaft aufwärts zu gehen. Kurz nach dem Einstieg der Prevent-Gruppe Anfang 2018 begann die große Krise und eine immer weiter eskalierende Auseinandersetzung zwischen Belegschaft und Geschäftsführung. Die Arbeitnehmer warfen Prevent vor, mit überzogenen Preisen Kunden zu vergraulen. Ende 2018 keimte große Hoffnung auf, als One Square Advisors die Geschäfte übernahmen. Die neue Geschäftsführung wollte die Großkunden VW, GM und Deutz für ein gemeinsam finanziertes Sanierungskonzept gewinnen. Das Vorhaben scheiterte. Im September meldete die Geschäftsführung Insolvenz an. Im vergangenen Sommer hatten die Gusswerke noch 1200 Mitarbeiter.