Gusswerke Saarbrücken nicht insolvent, Abfindungen werden gezahlt

Kostenpflichtiger Inhalt: Drohende Insolvenz abgewendet : Gusswerke Saarbrücken wohl gerettet

Der Konzern konnte sich mit den wichtigsten Kunden einigen, ausstehende Abfindung sollen bald gezahlt werden.

Die Gusswerke Saarbrücken und auch die Schwesterwerke in Leipzig sind offenbar gerettet. Die möglicherweise drohende Insolvenz ist abgewendet. Die wichtigen Großkunden Volkswagen und General Motors (GM), von denen das Wohl und Wehe der früheren Gießerei Neue Halberg Guss abhängt, haben sich geeinigt. Das sagte Frank Günther, Geschäftsführer der Gießerei-Muttergesellschaft Avir Guss Holding, der SZ am Dienstagabend. „Die Finanzierung ist nach der heutigen Vereinbarung gesichert und damit auch die mittelfristige Zukunft der Standorte Saarbrücken und Leipzig.“ Damit ist die akute Bedrohung von noch 1000 Arbeitsplätzen in Saarbrücken und mehr als 500 in Leipzig vom Tisch. „Es ist Dienstag, der 10., und nicht Freitag der 13.“, sagte Günther erleichtert. Die Gießerei stellt Motorblöcke und andere Gussteile vor allem für die Auto- und Motorenindustrie her.

Die neuerliche Existenzkrise war dadurch ausgelost worden, dass ausgeschiedenen Mitarbeitern nicht, wie zugesagt, im August Abfindungen überwiesen wurden. „In den nächsten Tagen werden die Abfindungen gezahlt“, versprach Günther nun. Einen genauen Termin nannte er nicht. Knapp 200 Mitarbeiter hatten Ende Juli im Zuge des vom Management angekündigten Stellenabbaus einer Auflösung ihres Arbeitsvertrags zugestimmt. Über 90 Beschäftigten, die in eine Transfergesellschaft wechselten, sowie 26 Grenzgängern stand die Abfindung bereits im August zu. Insgesamt ging es um rund vier Millionen Euro.

Die Einigung der Großkunden betrifft aber nicht nur die Abfindungen, sondern die gesamte Verteilung der Kosten für eine nachhaltige Sanierung des Unternehmens. Dabei geht es nach SZ-Informationen um einen zweistelligen Millionenbetrag. Nun können nach Auffassung des Geschäftsführers die weiteren geplanten Schritte folgen, um die Traditionsgießerei neu aufzustellen. Günther rechnet damit, dass in den kommenden Tagen auch das Gutachten der Düsseldorfer Prüfungsgesellschaft Mazars fertiggestellt wird, das die Zukunftsfähigkeit der Gusswerke bestätigen soll. Der Avir-Guss-Geschäftsführer geht davon aus, dass dieses Gutachten positiv ausfällt. Es ist die Voraussetzung dafür, dass die Bundesländer Saarland und Sachsen die Sanierung der Gusswerke unterstützen – vor allem in Form von Bürgschaften für Zukunftsinvestitionen. Das Saarland hatte Hilfen im Umfang von bis zu 50 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Günther rechnet nun damit, dass Schritt für Schritt der Weg frei gemacht wird, um die Investitionen anzustoßen. Nach der derzeitigen Auftragslage sei es seiner Ansicht nach möglich, die rund 1000 Arbeitsplätze in Saarbrücken auch dauerhaft zu erhalten. Doch „steht das Ganze unter dem Vorbehalt, dass die Konjunktur nicht völlig einbricht“, sagte Günther. Inzwischen hänge die Auftragslage aber nicht nur von den angestammten Auftraggebern ab, darüber hinaus „gibt es positive Signale von Neukunden, die nach Saarbrücken kommen wollen“. Er hält an der schon bei der Übernahme der Gießerei gemachten Zusage fest, möglichst viele Arbeitsplätze erhalten zu wollen.

Günther und sein Team von den Sanierungsberatern One Square Advisors waren Ende November vergangenen Jahres von der Belegschaft als Retter gefeiert worden. Sie hatten die Gießerei mit Unterstützung von Kunden, vor allem des Motorenherstellers Deutz und des US-Autokonzerns GM, übernommen. Damit war die nervenaufreibende Zeit unter dem früheren umstrittenen Eigentümer Prevent beendet, die von erbitterten Auseinandersetzungen zwischen Belegschaft und Geschäftsführung geprägt war und in der lange der Ruin des Unternehmens drohte. Günther hatte damals eine umfassende Sanierung angekündigt – und Investitionen in die Zukunft der Gießerei. Eigentlich sollte bis April das Konzept zur Neuausrichtung inklusive Finanzierung stehen. Das hatte sich immer weiter verzögert. Anfang Juli stellte Avir-Guss-Geschäftsführer Günther eine baldige Lösung in Aussicht. Damals hatte das Handelsblatt über eine Insolvenz spekuliert, weil rund 20 Millionen zur Sanierung fehlten. Und dann kamen vor einigen Tagen die Sorgen wegen ausstehender Abfindungen hinzu. Und wieder hatten die Beschäftigten Existenzängste. Die dürften jetzt aber ausgestanden sein.

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