"Grüner Bon": Saarländer bieten Alternative zum Kassenzettel aus Papier

Kassenzettel digital aufs Handy : „Grüner Bon“: Saarlands Antwort auf die Bonpflicht

Nach Ansicht von Kritikern entstehen jährlich Milliarden Belege aus Papier durch die neue Bonpflicht. Im Saarland gibt es nun eine umweltfreundliche Alternative.

„Digitaler Bon oder gedruckter Bon?“, fragt Marion Adam, Mitinhaberin der Bäckerei und Konditorei Adam in Saarbrücken-Fechingen. „Digital“, antwortet Landesfinanzminister Peter Strobel (CDU) und hält sogleich das Smartphone vor einen Scanner auf der Ladentheke. Kurz darauf hat Strobel seinen Einkaufsbeleg digital auf dem Handy. Ein Szenario, das künftig beim Einkauf in der Bäckerei normal sein soll, wenn es nach der Saarbrücker Firma Fortiter UG geht. Gemeinsam mit den Partnern K.Saar.Nova GmbH und portvier GmbH hat Fortiter die App „Grüner Bon“ ins Leben gerufen. Mit deren Hilfe sollen elektronische Belege die gedruckten Einkaufsbons langfristig ersetzen. Und zugleich soll der seit Januar in Deutschland geltenden Bonpflicht umweltfreundlich begegnet werden. Denn mit deren Beginn stieg auch in der Bäckerei und Konditorei Adam der Papierverbrauch stark an. Sei vormals etwa eine Rolle im Monat gebraucht worden, seien es nun etwa eineinhalb pro Tag, schätzt Mitinhaber Dirk Adam.

Hat ein Kunde die App „Grüner Bon“ auf seinem Smartphone installiert – sie soll ab nächster Woche in den Stores von Google und Apple verfügbar sein – und ein Händler ein entsprechendes Kassensystem, kann der Kunde sein Smartphone an einen Scanner halten. Er bekommt dann seinen Einkaufsbeleg digital aufs Handy. Zu Beginn werden nur Kassen von Vectron unterstützt.

Dabei ermöglicht „Grüner Bon“ drei Wege, um einen Digitalbon zu erhalten. Verkäufer können, wie dargelegt, den Digitalbon mit einer an der Kasse angeschlossenen Vorrichtung nach gescanntem Handy-QR-Code ausgeben lassen. Verkäufer können auch einen QR-Code auf dem Kassendisplay anzeigen lassen, den dann der Kunde mit seinem Handy scannt. Zudem kann die App auch mit Kundenkarten verbunden werden. „Der digitale Bon enthält eins zu eins alle Kassendaten und ist damit ein abgeschlossenes, rechtskräftiges Dokument“, erklärt Guido Anterist, Geschäftsführer von Fortiter. Hauptaugenmerk bei der App-Entwicklung sei der Umweltschutz gewesen, sagt Karl-Theodor Elig, Mitbegründer von Fortiter. Aber auch die Einfachheit der App sei wichtig gewesen: „Es ist keine Registrierung per Mail notwendig und personenbezogene Daten werden auch nicht erhoben.“

Laut Elig begann Fortiter im September 2019 mit drei Personen die Entwicklung von „Grüner Bon“. Die Kosten für Verkäufer, die das System an ihren Vectron-Kassen nutzen möchten, sollen sich laut Anterist auf voraussichtlich 9,90 Euro je Monat belaufen.

„Die App kann Kunden auch direkt erreichen“, erklärt Timo Brixius, der bei K.Saar.Nova die Schnittstelle zwischen Kasse und App programmiert hat. So können Händler etwa auf Gutscheinaktionen aufmerksam machen. Brixius spricht dabei von „Channeling“ (Kanälen). Nutzern stehen Informationskanäle (etwa zum Stand eingesparten Papiers oder Sonderaktionen von Händlern) in der App offen, die auf Wunsch auch blockiert werden können.

Finanzminister Strobel zeigte sich nach seinem Probekauf überzeugt von der App „Grüner Bon“: „Der elektronische Beleg ist eine echte Alternative zum Papierbeleg.“ Auch Staatssekretärin Anja Wagner-Scheid (CDU) lobte die Entwicklung der App als „wegweisend“. Sie sei „eine handliche und einfache Lösung zur Bonpflicht made in Saarland“. Fortiter will laut Anterist „Grüner Bon“ jetzt auf der Messe für Hotellerie und Gastronomie Intergastra in Stuttgart und auf der Messe Internorga in Hamburg vorstellen. Vorerst konzentriere man sich auf den deutschen Markt, Anfragen aus der Schweiz lägen aber bereits vor.