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Gründer im Saarland finden Hilfe im Inkubator The House of Intelligence

The House of Intelligence : Ein Brutkasten für saarländische Unternehmer

Venoth Nagarajah hat das Start-Up Tunu gegründet. Weil sich das als äußerst kompliziert erwiesen hat, bietet er anderen Unternehmern in The House of Intelligence sein Wissen an - und erzeugt dabei Synergieeffekte.

Der Anfang als Unternehmer ist schwer. In der Regel fehlt es an Geld, an Erfahrung, an Kontakten und an Personal. Auch der Saarbrücker Betriebswirtschafts-Student Venoth Nagarajah hatte mit diesen Widrigkeiten zu kämpfen, als er sein erstes Unternehmen gründete. Es heißt Tunu. Dahinter steht ein Konzept für „intelligente Verkaufsautomaten“, das Nagarajah in Zusammenarbeit mit der St. Wendeler Warenhausgruppe Globus entwickelt hat (wir berichteten). Seine Erfahrungen auf dem beschwerlichen Weg in die Selbstständigkeit bewogen den jungen Saarbrücker zur Gründung eines weiteren Unternehmens, des House of Intelligence (Infobox). Das ist gewissermaßen ein Brutkasten, ein sogenannter Inkubator, für Neugründungen. Gründer schulen andere Gründer und helfen ihnen, ihre Produkte oder Dienstleistungen auf den Markt zu bringen.

„Die Gründerszene im Saarland ist sehr überschaubar“, sagt Nagarajah. Unterstützung habe er bei der Tunu-Gründung nur sporadisch erhalten. „Es war die reinste Ochsentour. Also habe ich mir das Know-how selbst angeeignet und bin vom Studenten zum Founder (Gründerberater) geworden, ohne es zu merken.“

Solche Hilfen seien dringend nötig. Zum Beispiel „dauert es ewig, Fördermittel von offizieller Stelle zu bekommen“, sagt der 26-Jährige. „Da ziehen gerne mal sechs Monate ins Land, nachdem man alle Anträge eingereicht und den Businessplan geschrieben hat.“ Das größte Problem sei jedoch, dass sich ein junges Unternehmen ständig verändere. Auch Investoren an Land zu ziehen sei schwierig. „Da besteht das Henne-Ei-Problem. Ein potenzieller Investor will einen Prototypen sehen, bevor er Geld investiert. Um aber einen Prototypen bauen zu können, brauchst du Geld“, erklärt Nagarajah.

All diesen Problemen soll das House of Intelligence entgegenwirken. Dessen Organisation folge Vorbildern aus dem amerikanischen Hightech-Standort Silicon Valley, sagt Nagarajah. Der Saarbrücker Firmen-Brutkasten verknüpft Unternehmer aus der Start-up-Szene miteinander und bringt deren technologisches, wirtschaftliches und juristisches Wissen zusammen. Hat beispielsweise eines der Start-ups ein Produkt entwickelt und braucht noch eine Website, um es zu vermarkten, ist ein entsprechender Fachmann im Haus, der beim Aufbau des Online-Auftritts hilft. Braucht ein Jungunternehmer eine Rechtsberatung, sitzt ein Rechtsanwalt im Büro nebenan. Durch diese gegenseitige und unentgeltliche Hilfe profitieren alle Beteiligten voneinander.

Zum House of Intelligence gehören neben dem Firmen-Inkubator noch eine sogenannte Web-Agency und ein Event-Team. Erstere ist dafür zuständig, externe Aufträge von Firmen an Land zu ziehen, diese zu beraten und Projekte gegebenenfalls selbst umzusetzen. Dafür stellen die im House of Intelligence angesiedelten Start-ups Mitarbeiter zur Verfügung. Sind diese gerade nicht mit ihrem eigenen Projekt oder dem eines Kollegen aus dem Haus beschäftigt, nutzen sie ihre freien Kapazitäten, um diese Aufträge abzuarbeiten und so Geld für die gemeinsame Kasse zu verdienen. Sieben Unternehmen mit etwa 50 Fachkräften arbeiten derzeit unter Nagarajahs Dach. „Wir können auf bombastische Kompetenzen zurückgreifen, vom Juristen bis zum Informatiker für künstliche Intelligenz“, schwärmt der Student.

Das Event-Team ist dafür zuständig, Veranstaltungen im ­House of Intelligence zu organisieren. Die erste Veranstaltung ist für Ende August geplant. Die Formate dieser Events sind nicht festgelegt, sie sollen aber „zur Weiterbildung, Wissensvermittlung, Networking, Werbung oder Gemeinschaftsstärkung“ dienen, heißt es in der Konzeptbeschreibung des House of Intelligence. Wenn dadurch Einnahmen entstehen, sollen auch diese in die Gemeinschaftskasse fließen.

Das House of Intelligence hält als Dachgesellschaft Anteile an allen beteiligten Unternehmen. Ein Kern-Team verwaltet die Finanzen. Wer in den Kreis der beteiligten Jungunternehmen kommt, entscheidet eine vierköpfige Jury. „Das ist fast so wie in der Fernsehsendung ‚Die Höhle der Löwen’“, sagt Nagarajah lachend. „Leute stellen ihre Ideen vor, und das Kern-Team entscheidet, ob sie ins House of Intelligence aufgenommen werden.“

Wer einmal dabei sei, wolle auch nicht wieder gehen, sagt er. „Hier kann jeder seinen kleinen Traum verwirklichen und sich frei entfalten.“ Die gemeinsame Finanzierung habe den Vorteil, das Personal angemessen bezahlen zu können, damit niemand einen Nebenjob brauche. Denn „wer nebenbei arbeiten muss, den verlieren wir vor Ort und für andere Projekte“, erklärt Nagarajah. Zusätzliches Geld von Investoren sei trotzdem willkommen.

Für die Zukunft hat sich Nagarajah hohe Ziele gesteckt. „Ich stelle mir vor, einen Start-up-Tower im Saarland aufzubauen, wo Kreative und Gründer gemeinsam intelligente Innovationen entwickeln.“