Gewerkschaft Verdi kritisiert Globus wegen niedrigen Löhnen

Kostenpflichtiger Inhalt: Weniger Lohn als branchenüblich : Verdi erneuert Kritik an Globus wegen Tarifflucht

Seit Globus den Flächentarif verlassen hat, ist die Diskrepanz zu den Löhnen bei anderen Anbietern der Branche gewachsen. Das sagt der saarländische Verdi-Gewerkschaftssekretär Alex Sauer, der damit die Kritik am Ausstieg aus der Tarifbindung erneuert.

Die Kluft zwischen den Entgelten der Mitarbeiter bei Globus und den Branchenlöhnen tarifgebundener Unternehmen hat sich seit 2013 kontinuerlich vergrößert. Damals war der St. Wendeler Konzern aus dem Flächentarif ausgestiegen.

Auch wenn es äußerst unwahrscheinlich erscheint: Sollte er sich heute dazu entscheiden, wieder zurückzukehren und die entsprechenden Branchenlöhne der Fläche anzubieten, dann würde dies einen finanziellen Kraftakt bedeuten. Davon ist Alex Sauer überzeugt. Der Gewerkschaftssekretär bei Verdi für die Region Trier-Saar: „Wenn alle Jobs von heute auf morgen bei Globus wieder nach dem Flächentarif zu bezahlen wären, dann haben wir ein Problem: Das wäre im Durchschnitt ein Plus von zehn Prozent.“ Im Hinblick darauf erneuert Sauer die Kritik seitens der Dienstleistungsgewerkschaft an der Tarifflucht allgemein und von Globus im Konkreten. Dies führe zu ungleichen Bedingungen der Beschäftigten.

Olaf Schomaker hingegen verteidigt den Schritt von vor sechs Jahren. Er ist bei Globus als Geschäftsführer für den Bereich Mitarbeiter verantwortlich und gibt Verdi eine Mitschuld daran, dass es bis heute zu keiner gemeinsamen Lösung gekommen ist. „Der Flächentarifvertrag ist in seinen Grundfesten mehr als 70 Jahre alt. Seit über 18 Jahren wird auf Seiten der Gewerkschaft Verdi und dem Einzelhandelsverband ohne Ergebnis an der Modernisierung dieser Tarifstruktur verhandelt“, lässt er auf Anfrage schriftlich wissen.

Globus ist aus dem Flächentarifvertrag ausgetreten, weil die Verantwortlichen „den Glauben an die Realisierung der notwendigen Strukturreform verloren“ hätten. Ähnlich würden es Konkurrenten sehen.

So würden heute nur noch 30 Prozent der Mitarbeiter nach dem Flächentarif einheitlich bezahlt, sagt Schomaker. Dabei sieht er Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertreter bei Globus im Schulterschluss. Der Globus-Geschäftsführung und den Betriebsräten sei es wichtig, „eine attraktive, marktgerechte und wettbewerbsorientierte Vergütungsstruktur zu schaffen“, um den veränderten Gegebenheiten im deutschen Einzelhandel gerecht zu werden, schreibt der Geschäftsführer auf SZ-Anfrage in einer Stellungnahme.

Indes kritisieren Mitarbeiter, dass im Betriebsrat Führungskräfte sitzen und damit eine Doppelfunktion wahrnehmen. Gewerkschafter Sauer bestätigt das, verweist allerdings darauf, dass es sich bei den Betroffenen nicht um leitende Angestellte handle. Darum sei rein rechtlich daran nichts zu beanstanden. Schulungen könnten den betreffenden Kollegen helfen, die unterschiedlichen Funktionen als Teamleiter und als Arbeitnehmervertreter im Betriebsrat gleichermaßen zu erfüllen.

Zurück zur Bezahlung: Seit 2014 gelte in allen deutschen Warenhäusern des St. Wendeler Unternehmens die „Globus-eigene Entgeltstruktur“, kurz: GLENS. Ziel sei es, damit nicht nur die Produktionsbereiche bei Bäckerei, Metzgerei und Gastronomie abzubilden. So habe Globus auch die von ausgelagerten Dienstleistern bediente Warenverräumung wieder eingegliedert

Obwohl Globus aus dem Flächentarif seit Jahren ausschert, sei die Entgeltstruktur daran angelehnt. Das gelte auch für Lohnzuwächse. Schomaker: „Zum 1. April beispielsweise haben wir die Gehälter unserer Mitarbeiter erneut um zwei Prozent erhöht.“ Sie profitierten zudem von zahlreichen Angeboten. Dazu gehöre seit mehr als 25 Jahren die Teilhabe am Unternehmensgewinn.

All das kann Gewerkschafter Sauer nicht überzeugen. Denn die bei Globus beschäftigten Kollegen verdienten weniger als im bundesweiten Schnitt. Er mache sehr wohl Unmut bei der Belegschaft aus. „Es gibt kritische Stimmen“, sagt er. Doch die Angst, den Job zu verlieren, sei immens. Umbrüche im Einzelhandel und im Lebensmittelbereich, Konzentrationen sowie Marktbereinigungen, bei denen sogar Handelsketten mit Renommee sang- und klanglos verschwinden, schürten diese Panik. Sauer: „Da muss ein Unternehmer gar nicht drohen, dass der Betrieb bei Tarifbindung pleite geht. Das Gespenst reicht, damit die Menschen nicht dafür kämpfen.“ Er sehe die Globus-Gruppe als „nicht gefährdet“ an. Zudem verweist Sauer auf Betriebe, die trotz Entlohnung unter Tarif weder wirtschaftlich noch im öffentlichen Ansehen rosig dastehen würden.

Noch gebe es Mitarbeiter in St. Wendel mit finanziell besseren Altverträgen. Aus Berichten der Belegschaft geht jedoch hervor, dass langjährige Mitarbeiter entweder verstärkt aus dem Unternehmen ausschieden oder neue Kontrakte zu schlechteren Konditionen vorgelegt bekämen. Dazu macht Verdi keine Angaben.

Dass sich allerdings zumindest einige der Mitarbeiter an den saarländischen Standorten unwohl fühlen, was ihre Jobsicherheit betrifft, belegt eine der SZ vorliegende hausinterne E-Mail der Geschäftsführung. Darin ist von „struktureller Anpassung“ die Rede. Weiter heißt es: „Die bisherigen und auch die zukünftig kommenden Stellenausschreibungen beinhalten sowohl Nachbesetzungen im Rahmen von ungewollten Mitarbeiterwechseln als auch die Ausschreibung neuer Aufgaben.“

Verdi-Sekretär Alex Sauer betont, dass es Unzufriedenheit bei Globus gibt: „Der Unmut ist da, aber er ist noch kein Flächenbrand.“

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