Gewerkschaft EVG kritisiert fehlende Pausenräume für Vlexx-Mitarbeiter im Saarland

Kostenpflichtiger Inhalt: Gewerkschaft übt heftige Kritik : Vlexx-Mitarbeiter ohne Pausenräume

Die Gewerkschaft EVG kritisiert das private Bahnunternehmen. Es lasse seine Mitarbeiter an einigen Bahnhöfen im Saarland im Regen stehen.

Zuletzt wegen einer Fülle an Zugausfällen in der Kritik, macht die Privatbahn Vlexx erneut von sich reden. Wie die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) mitteilt, gibt es für die Lokführer und Zugbegleiter des Unternehmens an zahlreichen Standorten keine Pausenräume. Laut Lars Kreer, Leiter der EVG-Geschäftsstelle Mainz, lässt Vlexx seine Mitarbeiter „im Sinne des Wortes im Regen stehen“. Das sei besonders deswegen kritikwürdig, weil es Vlexx schon im Jahr 2014 zum Start des Dieselnetzes Südwest versäumt habe, für ausreichende Pausenräume zu sorgen, sagt Kreer.

„Das Thema beschäftigt uns seit 2014“, bestätigt Denise Federspiel, EVG-Geschäftsstellenleiterin in Saarbrücken. Zu jener Zeit übernahm Vlexx die Strecke von Saarbrücken zum Flughafen Frankfurt. Erst auf Druck der Gewerkschaft habe sich Vlexx damals bereit erklärt, in Saarbrücken einen Aufenthaltsraum für seine Mitarbeiter einzurichten, sagt Federspiel. Doch da Vlexx seit Dezember auch andere Strecken im Saarland bedient, reiche dieser Raum nicht mehr aus. Der neue Schichtplan sehe Pausen nämlich vermehrt auch an anderen Standorten – vor allem am Bahnhof Neunkirchen – vor, erklärt Federspiel. Bis vor kurzem gab es dort gar keine Aufenthaltsräume, auf Drängen von Betriebsrat und Gewerkschaften hat Vlexx jetzt einen Wohnwagen und eine mobile Toilette aufgebaut. An vielen Bahnhöfen, etwa in Lebach oder Türkismühle, gebe es weiterhin gar keine Ruhemöglichkeiten, so die EVG.

Ursprünglich seien „gar keine Pausen in Lebach und Türkismühle in den Schichten geplant“ gewesen, sagte eine Vlexx-Sprecherin auf SZ-Anfrage. Diese seien erst durch den Ersatzfahrplan nötig geworden, den das Unternehmen unter anderem aufgrund nicht gelieferter Züge durch den Hersteller Bombardier (wir berichteten) noch bis zum 1. Februar fährt. „Leider konnten an einzelnen Standorten trotz intensiver Suche keine passenden Aufenthaltsräume für die Belegschaft gefunden werden, sodass Pausen teilweise an den Bahnhöfen stattfinden mussten“, bestätige die Sprecherin. „Wir bedauern die für unser Fahrpersonal entstandene Situation.“

Der Wohnwagen in Neunkirchen sei lediglich eine „Übergangslösung, bis wir einen adäquaten Raum gefunden haben.“ Das Unternehmen habe zunächst sicherstellen wollen, dass die Mitarbeiter ihre Pausen im Warmen verbringen können. „Der Wohnwagen wird mit Strom versorgt und somit auch beheizt“, sagte die Sprecherin. Zwar ist am Freitag offiziell bekannt geworden, dass die Deutsche-Bahn-Tochter DB Regio für Vlexx die Fahrten auf der Strecke von St. Wendel nach Saarbrücken übernehmen wird – auf dieser Strecke liegt auch der Bahnhof Neunkirchen. Dennoch bestätigt die Sprecherin, dass dort weiterhin Pausen im Wohnwagen stattfinden. Die DB Regio stelle zwar die Zugführer, die Fahrgastbegleiter seien aber weiterhin Vlexx-Mitarbeiter.

Die EVG habe Vlexx bereits mehrfach auf die fehlenden Räume hingewiesen. „Wir haben die Geschäftsführung angeschrieben und bisher keine Antwort erhalten“, klagt Federspiel. Die Situation sei unhaltbar. Bei einigen Schichten müssten die Beschäftigten nachts anderthalb Stunden auf dem Bahnsteig warten, sagt Lars Kreer. „Kolleginnen und Kollegen haben uns berichtet, dass sie in Bäckerläden fragen müssen, ob sie sanitäre Einrichtungen nutzen können.“ Zwar habe Vlexx inzwischen abgestellte Züge zur Verfügung gestellt, dauerhaft seien diese aber kaum als Aufenthaltsräume geeignet, sagt Kreer. Außerdem seien diese Züge nicht über gesicherte Wege zu erreichen.

„Wir verlangen, dass die Geschäftsführung diese Missstände umgehend abstellt“, fordert der Gewerkschafter. „Die Vlexx muss sich auch überlegen, wie sie angesichts des Fachkräftemangels in der Branche neue Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen finden will, wenn sie nicht einmal in der Lage ist, solche Selbstverständlichkeiten zu organisieren.“

Nach eigenen Angaben arbeitet Vlexx bereits an einer Lösung. Das Unternehmen habe „die Schichten nun so angepasst, dass ab 1. Februar 2020 die Pausen an den Haltepunkten eingeplant sind, an denen es Aufenthaltsräume gibt“, erklärte die Unternehmenssprecherin.