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Geschäftsführung glaubt an einem Fortbestand auch über 2030 hinaus.

Flughafen Hahn kämpft ums Überleben : Flughafen Hahn vor ungewisser Zukunft

Zahl der Fluggäste 2019 deutlich gesunken. Die Geschäftsführung des Airports setzt auf Flüge nach China und mehr Fracht.

Die kleine Airline Flyone startet von April 2020 an vom Hunsrück-Flughafen Hahn zur moldauischen Hauptstadt Kischinau. Für Christoph Goetzmann, Mitglied der Hahn-Geschäftsführung, ist das schon ein Grund zu etwas Freude: „Es ist auch diese Verbindung, die das Jahr 2020 zu einem besonderen Jahr für die Entwicklung des Passagierverkehrs am Flughafen Frankfurt-Hahn werden lassen wird.“ Der abgelegene Airport im Hunsrück verliert schon seit längerer Zeit Passagiere und Fracht. Was erwartet ihn im neuen Jahr? Vor allem: Wie geht es nach 2024 weiter, wenn die staatlichen Subventionen zum laufenden Betrieb rechtlich auslaufen müssen, wie es die Europäische Union verbindlich vorschreibt?

Die Zahl der Fluggäste ist von Januar bis November 2019 deutlich um 28,3 Prozent auf 1,413 Millionen gefallen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Das geht aus der jüngsten Statistik der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen (ADV) hervor. Die Fracht sank demnach um 3,2 Prozent auf insgesamt 156 047 Tonnen. Etliche andere deutschen Flughäfen verbuchten allerdings noch stärkere Rückgänge im Frachtgeschäft. Hintergrund dieser Entwicklung sind vor allem die eingetrübte Weltkonjunktur, internationale Handelsstreitigkeiten und die Luftverkehrssteuer. Die ADV beklagt beim Gesamtblick auf das Geschäft der Airports in Deutschland: „Kurz und knapp – alle Kennzahlen sind rückläufig.“

Der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz (SPD) hat noch im September 2019 auf wirtschaftlich motivierte Verlagerungen von Flugrouten hingewiesen: „Auf Veränderungen am Markt wird schnell reagiert. Kosten- und Wettbewerbsdruck nehmen offenbar bei allen Fluggesellschaften zu.“ Der Platzhirsch im Passagiergeschäft am Hahn, die Airline Ryanair, fliegt den Hunsrück seltener an. Längst heben die Iren auch von den umliegenden Flughäfen Luxemburg, Frankfurt/Main und Köln/Bonn ab. Neue kleinere Airlines am Hahn wie Air Serbia und künftig Flyone können den Passagierverlust vorerst nicht ausgleichen.

Nach Überzeugung  der Frankfurter Luftfahrtspezialistin Yvonne Ziegler hat sich die wirtschaftliche Situation des einstigen US-Militär­flughafens Hahn im vergangenen Jahr weiter verschlechtert. Bisher habe er noch nicht von seinen Investoren aus China profitieren können: 2017 hat der chinesische Großkonzern HNA 82,5 Prozent des Flughafens Hahn für rund 15 Millionen Euro vom Land Rheinland-Pfalz gekauft. 17,5 Prozent hält noch Hessen. Wenn sich die Lage des defizitären Airports nicht bis zum Jahr 2024 verbessere, „hängen die weiteren Perspektiven noch von den strategischen Zielen des chinesischen Investors ab, die er mit der Akquisition verfolgt hat“, urteilt Ziegler. „Prinzipiell ist aber auch eine Insolvenz möglich. Am Flughafen Schwerin-Parchim hat der chinesische Investor Jonathan Pang im Juli 2019 nach zwölf Jahren ebenfalls aufgegeben und Insolvenz angemeldet“, erklärt die Professorin für Betriebswirtschaftslehre. Pang hatte 2016 auch seinerseits erfolglos für den Hahn geboten.

Christoph Goetzmann von der Hahn-Geschäftsführung verweist auf laufende Verhandlungen über neue Frachtrouten. Namen von Airlines könne er noch nicht nennen. Und er erinnert an den geplanten Start regelmäßiger Passagierflüge vom Hunsrück nach China im Sommer 2020. Eigentlich sollte es damit schon 2019 losgehen. Das Innenministerium teilt auf eine Anfrage der CDU-Landtagsopposition mit, der Landesregierung lägen noch keine Informationen zu Anträgen auf eine Genehmigung dafür bei den zuständigen Bundesbehörden vor. Gut angelaufen sind nach Angaben von Goetzmann die vom Hahn selbst vermarkteten Fahrten in Zubringerbussen zum Ankurbeln des Passagiergeschäfts. „Günstig fahren, günstig fliegen“ laute die Devise. Die Route von Frankfurt in den Hunsrück koste vorerst nur fünf Euro.

Das Defizit des Airports soll nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur geringer geworden sein. 2017 hat der Hahn nach Angaben des Bundesanzeigers einen Fehlbetrag von 17,2 Millionen Euro verbucht. Die Zahlen von 2018 hat das Amtsblatt noch nicht veröffentlicht. Die Luftverkehrssteuer soll zum 1. April 2020 in Deutschland für innereuropäische Ziele um 5,53 auf 13,03 Euro steigen und mehr Klimaschutz erzwingen. Goetzmann akzeptiert Umweltschutz, fordert aber europäische Lösungen. Sonst würden Airlines Routen ins Ausland verlagern. „Der Airport Luxemburg zum Beispiel ist nur 100 Kilometer von uns entfernt. Da gibt es keine Luftverkehrssteuer und kein Luftsicherheitsentgelt.“ Ist der Hahn auch künftig im Abwind? Goetzmann sagt:„Ich bin mir ziemlich sicher, dass er auch 2030 noch besteht. Aber er wird dann anders aussehen.“ Wie genau, das könne er zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen.