Auch Karstadt in Saarbrücken betroffen Wirtschaftsexperte mahnt: Für Warenhauskette Galeria sieht es düster aus

Hiobsbotschaften und eine Pleite nach der anderen: Das einst übermächtige Imperium von René Benko scheint wie ein Kartenhaus in sich zusammenzubrechen. Ob die Signa-Gruppe diese Talfahrt überlebt, ist völlig offen. Dabei scheint die Zukunft der Warenhauskette Galeria noch unsicherer. Und damit auch die des Karstadt-Standorts in Saarbrücken.

Galeria im Saarland: Neunkirchen, Saarbrücken Völklingen
58 Bilder

Karstadt und Kaufhof im Saarland

58 Bilder
Foto: Matthias Zimmermann (hgn)

Dutzende Großprojekte des Signa-Immobilienkonzerns stehen still. In Deutschland und anderswo. Denn eine Firma nach der anderen der schier unübersichtlichen Unternehmensgruppe meldete zuletzt Insolvenz an. Bislang konnte die ebenfalls zu dem Imperium zählende und weiterhin schwächelnde Warenhauskette Galeria (Karstadt/Kaufhof) noch damit rechnen, von Signa gestützt zu werden. Doch mit der finanziellen Schieflage des Mutterkonglomerats dürfte dieser Geldstrom nun versiegen. Damit könnte auch Karstadt in Saarbrücken durch diesen Sog erneut zum Sanierungsfall werden. Wenn nicht noch schlimmer.

Handelsexperte rechnet nicht mit einer Übernahme aller Filialen

Denn obwohl nach Berichten aus dem Umfeld saarländischer Gewerkschaften die letzte Galeria-Filiale im Saarland auch mit Blick auf die stark vertretene Kundschaft aus Frankreich schwarze Zahlen schreiben soll, würde dies wahrscheinlich nicht reichen, den Standort als selbstständige Einheit zu retten.

Ein finanzstarker Käufer, der alle Filialen übernimmt, sei schwer zu finden. Davon gehen Experten aus. Fraglich sei zudem, ob dieser überhaupt Interesse an allen Standorten habe. Dieser könnte sich Rosinen in Großstädten herauspicken. Damit wäre das Ende der Warenhauskette als Einheit besiegelt.

Unterstützung durch insolvente Signa-Konzern für Galeria wohl ausgeschlossen

Signa wollte vor der eigenen Insolvenz mit 200 000 Millionen Euro Galeria Karstadt Kaufhof Luft verschaffen. Damit dürfte es jetzt vorbei sein. Noch könnten sich die Standorte durch das Weihnachtsgeschäft Liquidität verschaffen. Aber im Frühjahr sieht’s düster aus, wenn die Umsätze zurückgehen und gleichzeitig neue Ware geordert werden muss. Das sagte Gerrit Heinemann, Handelsexperte von der Hochschule Niederrhein, den ARD-Tagesthemen.

Erste sorgenvolle Blicke richten sich in diesem Zusammenhang der Entwicklung bei Real zu: Diesen Lebensmitteleinzelhändler wird es spätestens im Frühjahr kommenden Jahres nicht mehr geben. Darunter auch die beiden verbliebenen Häuser in Bexbach und Saarlouis. Unerheblich, ob diese profitabel sind oder nicht.

Politiker in Alarmbereitschaft wegen Kaufhof und Karstadt

Während das Saarland mit seinem noch einzig verbliebenen Galeria-Warenhaus nicht zu den Regionen zählt, die härter von einem möglichen Niedergang des Essener Konzerns getroffen würden, schrillen bei Politikern in Ballungsgebieten mit gleich mehreren bedrohten Häusern die Alarmglocken. Beispiel Berlin: Dort sind zurzeit noch neun Kaufhof- und Karstadt-Filialen aktiv.

Es drohen massiver Jobverlust und Leerstände in der City

Sollten sie im Zuge der jetzigen Signa-Insolvenz schließen müssen, bekommt es die Bundeshauptstadt mit gleich mehreren schwerwiegenden Problemen zu tun. Denn neben dem Verlust Hunderter Arbeitsplätze im Einzelhandel würden ganze Einkaufsmeilen mit erheblichem Leerstand zu kämpfen haben.

Der Berliner Senat befasst sich mittlerweile schon mit etwaigen Notfallplänen. So gibt es derweil Überlegungen, die Immobilien zu übernehmen. Vorbilder dafür gibt es bereits: unter anderem im südbrandenburgischen Cottbus nahe der polnischen Grenze. Der zentral gelegene ehemalige Kaufhof gehört der Stadt in der Niederlausitz. So sicherte sich die Kommune Mitsprache dabei, wie das Gebäude künftig genutzt wird.

Per Haftbefehl gesuchter Investor Fehlschlag für Nachfolge im Warenhaus

Allerdings ist diese Strategie kein Allheilmittel. Wie der Cottbusser Fall beweist. So stolperten die Verantwortlichen der Stadtverwaltung über die Ankündigungen und hehren Ziele des jetzt geschassten und untergetauchten Chefs der Dortmunder Textilkette Aachener, Friedrich-Wilhelm Göbel. Er wollte mit seinem Modehaus quasi den früheren Vollsortimenter fortführen.

Aus den Plänen wurde nichts, nachdem etliche Eröffnungstermine verstrichen waren. Göbel selbst wird seit November vom Amtsgericht in Hagen mit Haftbefehl gesucht.

Was Vermarktung des alten Kaufhof-Gebäudes in Saarbrücken erschwert

Damit dürfte das Vorhaben, neue Standorte in ehemaligen Galeria-Häusern zu eröffnen, passé sein. Wie in Saarbrücken. Zwar eröffnete vor wenigen Tagen zumindest in einem Teil des großen Komplexes in der Einkaufsmeile Bahnhofstraße ein Asia-Markt. Aber mit Aachener rechnet in der saarländischen Landeshauptstadt wohl kaum noch jemand.

Doch dieses ehemalige Kaufhof-Gebäude hat noch ein zweites Problem: Es gehört einer Firma der Signa-Gruppe. Der Göbel als Noch-Aachener-Chef zuvor Vorwürfe machte, mit an der verpatzten Neueröffnung seines Modetempels schuld zu sein. So seien Zusagen, nötige Sanierungen in Angriff zu nehmen, nicht eingehalten worden. Dass sich daran jetzt in der prekären Lage von Signa etwas ändert, dürfte ausgeschlossen sein.

Mehr als Zusicherung des Weihnachtsgeschäftes macht Galeria-Zentrale nicht

Eine eventuelle Übernahme der Immobilie durch die Landeshauptstadt Saarbrücken hatte diese selbst unlängst eine Absage erteilt. Entsprechende Gedankenspiele wie in Berlin sind folglich an der Saar zurzeit nicht drin. Damit bleibt ungewiss, was mit dem mehrstöckigen, überwiegend leer stehenden Gebäude am Fuße der Bahnhofstraße in absehbarer Zeit geschieht.

Zurück zu Karstadt wenige 100 Meter weiter: Noch steht in den Sternen, was im neuen Jahr folgt. Die Galeria-Konzernzentrale der Warenhauskette in Essen hatte nach Insolvenzeröffnung des Mutterbetriebs Signa am Mittwoch eilig mitgeteilt, das das umsatzträchtige Weihnachtsgeschäft wie vorgesehen laufen soll.

Insider: Galeria schreibt nach wie vor rote Zahlen

Dass es aber danach wie gehabt weitergeht, das bezweifeln Wirtschaftsinsider. Noch ist das Gesamtunternehmen mit bundesweit rund 90 Filialen nach der zweiten eigenen Insolvenz längst nicht in den profitablen Bereich zurückgekehrt.

Das Management selbst war vor wenigen Wochen davon ausgegangen, dass es mindestens bis 2024 brauche, um wieder ein Plus zu verbuchen. Eine Anfrage der SZ in Essen zur Entwicklung an der Saar blieb bislang unbeantwortet.

Was den Mutterkonzern Signa in die Pleite trieb

Doch was führte zu dieser insgesamt dramatischen Entwicklung bei Signa? Das erheblich gestiegene Zinsniveau und die generell höheren Kosten seit Ausbruch des Krieges in der Ukraine nach dem Überfall durch Russland im Februar 2021. Signa-Chef René Benko stieg in den Jahren zuvor mit seinem Immobilienimperium zu einem Global Player auf. Doch eben mit den wirtschaftlich neuen Vorzeichen wuchsen Schulden, wobei zugleich Kredite fällig wurden.

Geldgeber, Geschäftspartner und Investoren kritisierten schon länger Benkos Gebaren, kaum verlässliche Zahlen vorgelegt zu haben. So musste der Gründer auf Druck die Führung zumindest offiziell abtreten. Mit der nun laufenden Insolvenz könnte der eingesetzte Verwalter Unternehmensteile versilbern. Sprich: Verkäufe stehen an. So möglicherweise auch von Galeria.

Verdi an der Saar befürchtet Arbeitsplatzverlust

Schon zuvor hatte Alexander Sauer, Sekretär für den Bereich Handel der Vereinten Dienstleistungsgesellschaft (Verdi) Saar-Trier, auf Anfrage mitgeteilt: „Wie und ob sich die Insolvenz-Anmeldung in Eigenregie der Signa-Holding auf Galeria auswirkt, ist derzeit unklar.“ Die Karstadt-Mitarbeiter in Saarbrücken müssten aber erneut um ihre Jobs bangen. Mit ihnen 10 000 Kollegen bundesweit.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort