Für Gusswerke in Saarbrücken könnte es trotz Insolvenz Hoffnung geben

Kostenpflichtiger Inhalt: Gespräche mit Kunden : Saarbrücker Gusswerke hoffen auf Rettungsplan

Das Schwesterwerk in Leipzig ist inzwischen ebenfalls insolvent. Jetzt sind die beiden Gießereiunternehmen zu scharfen Konkurrenten geworden.

Bei den insolventen Gusswerken Saarbrücken mit ihren rund 1000 Mitarbeitern ist anscheinend ein Rettungsplan in der Mache. „Wir haben ein sehr gutes Fortführungskonzept für die Zukunft in Saarbrücken“, sagt Patrick Selzer, erster Bevollmächtigter der IG Metall Saarbrücken. Die Umsetzung hänge aber noch von der Zustimmung der Kunden ab. Weitere Details wollte er nicht nennen. Auch Insolvenzverwalter Franz Abel äußerte sich nicht dazu. Er hatte kürzlich nur erklärt, dass „wir eine Zukunfts-Story schreiben müssen“.

Es ist davon auszugehen, dass die bisherigen Hauptkunden, der Autobauer General Motors (GM) und der Motorenhersteller Deutz, dabei die Hauptrolle spielen. Dem Vernehmen nach könnte aber auch der Kunde Perkins wichtig werden. Perkins baut Diesel- und Gasmotoren und ist eine Tochter des vor allem für Baumaschinen bekannten US-Konzerns Caterpillar. Volkswagen soll angeblich in dem Rettungsplan für Saarbrücken nicht in tragender Funktion vorkommen. Wohl nicht ohne Grund. Schließlich sollen an VW maßgeblich alle Bemühungen der vergangenen Monate vor der Insolvenz gescheitert sein, eine nachhaltige Sanierung im Konsens mit GM und Deutz auf die Beine zu stellen. Nach wie vor ist aber offen, ob es gelingt, einen Investor zu finden, der nicht zu den Kunden gehört. Denn die Autobauer und Motorenhersteller wollen vermutlich nicht langfristig einen Gießereizulieferer finanzieren.

Nicht gerade einfacher wird die Umsetzung des Zukunftskonzepts durch die Umstände der Insolvenz des Schwesterwerks in Leipzig. Die Gusswerke Leipzig mit ihren mehr als 500 Mitarbeitern waren zunächst von der Pleite in Saarbrücken nicht betroffen, haben aber nun am Montag einen Insolvenzantrag gestellt. Spätestens seitdem konkurrieren die beiden Unternehmen miteinander und buhlen zum großen Teil um dieselben Kunden. Hier wie dort soll es die Sorge geben, dass der eine Standort sich auf Kosten des anderen das Überleben zu sichern versucht. Eigentlich hatte Franz Abel, der Insolvenzverwalter für Saarbrücken, diese Situation vermeiden wollen. Er hatte beim Amtsgericht Saarbücken einen Beschluss erwirkt, dass das saarländische Gericht auch für ein mögliches Insolvenzverfahren der Leipziger Gesellschaft zuständig ist. Abel wäre dann auch Insolvenzverwalter für die Gusswerke Leipzig geworden. Das Gericht in Leipzig hat aber anders entschieden. Als vorläufiger Insolvenzverwalter wurde ein Leipziger Anwalt der Großkanzlei Schultze & Braun eingesetzt.

Die IG Metall in Leipzig verbucht dies als Erfolg. Abels Plan, „seine Ernennung zum Verwalter auch für die Gusswerke Leipzig zu erwirken, ist damit gescheitert“, heißt es in einer Mitteilung. „Jetzt geht es um unsere Eigenständigkeit und die Sicherung zukünftiger Auftragsvolumina zur Fortführung des Leipziger Werkes“, gibt Bernd Kruppa, erster Bevollmächtigter der IG Metall Leipzig, als Parole aus. Sein Saarbrücker Kollege Patrick Selzer sagt dagegen: „Saarbrücken ist der Ursprungsstandort und hat alle Produkte entwickelt. Wir sehen uns als der Leistungsträger.“

In Saarbrücken hat man offenbar scharf reagiert und die IT-Dienstleistungen für das Leipziger Werk gestoppt, wie die Kanzlei Schultze & Braun auf Anfrage bestätigt. Seit Wochen soll Leipzig dem Vernehmen nach nichts für Dienstleistungen aus Saarbrücken gezahlt haben. Bei den Gusswerken Saarbrücken, die bis Ende 2018 Muttergesellschaft der Leipziger waren, sind alle wichtigen zentralen Funktionen konzentriert: neben der IT unter anderem Finanzen, Einkauf, Produktentwicklung und Werksplanung. Das belegt der Beschluss des Amtsgerichts Saarbrücken. Schultze & Braun zeigt sich dagegen überzeugt, das Werk in Leipzig unabhängig von Saarbrücken betreiben zu können und stellt fest, dass ein Gegeneinander „Ressourcen kostet, ohne dass man Sympathien bei Kunden gewinnt“.

Die Kanzlei betont, dass das Werk in Leipzig „operativ profitabel“ arbeite, und gibt sich zuversichtlich, was eine erfolgreiche Sanierung angeht. Schultze & Braun räumt aber ein, dass die Produktion am Freitag gestoppt werden musste. Der Grund dafür: „Deutz und General Motors haben Kredite fällig gestellt“, wie es auf SZ-Anfrage hieß. Deshalb habe man Maschinen nicht nutzen dürfen. Seit Anmeldung der Insolvenz laufe der Betrieb aber wieder. Warum Deutz und GM so gehandelt haben, wird offengelassen. Vermutlich hängt dies mit dem gespannten Verhältnis der beiden Unternehmen zu Volkswagen zusammen. Mit den Anlagen, die als Sicherheit für die Kredite dienten, werden großteils Motorblöcke für die VW-Marken Scania und MAN gegossen. Daraus ist vielleicht nicht ein Bekenntnis von Deutz und GM zum Standort Saarbrücken zu schließen, aber vielleicht eine Sympathie. Der Rettungsplan, von dem die Rede ist, ist offenbar nur für die Gusswerke Saarbrücken ausgelegt.

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