„Alles kann klappen, alles kann schiefgehen“ Ford-Werk Saarlouis: Im Frühjahr soll erste Entscheidung fallen

Saarlouis · Wie geht es mit dem Ford-Werk in Saarlouis weiter? Noch im Frühjahr des kommenden Jahres soll Wirtschaftsminister Jürgen Barke zufolge eine Richtungsentscheidung fallen.

Jürgen Barke, Minister für Wirtschaft, Innovation, Digitales und Energie

Jürgen Barke, Minister für Wirtschaft, Innovation, Digitales und Energie

Foto: BeckerBredel

Bis Ende März 2023 soll zumindest eine Entscheidung fallen, in welche Richtung es am Ford-Standort in Saarlouis gehen soll. Das teilte der saarländische Wirtschaftsminister Jürgen Barke (SPD) am Freitag am Rande des Wirtschaftsausschusses im Landtag mit. Dort hatte er die Abgeordneten über den aktuellen Stand der Verhandlungen mit Ford und möglichen Investoren informiert.

Ford Saarlouis: Interessenten aus drei Richtungen

Die Interessenten teilen sich demnach in drei Richtungen auf: Automobilhersteller für E-Autos, Unternehmen aus dem Bereich modulare Fertigung in der Automobilindustrie sowie aus dem Sektor erneuerbare Energien und Kreislaufwirtschaft. Denkbar wäre Barke zufolge der Zuschlag an einen einzelnen Fahrzeughersteller, aber auch ein Mischkonzept, bei dem mehrere Unternehmen – nicht zwingend aus derselben Branche – den Standort unter sich aufteilen.

Bis Ende März soll nun zumindest eine Richtungsentscheidung fallen, sagte Barke. „Am Ende des ersten Quartals kann sich ein deutlich besseres Bild ergeben, immer vorausgesetzt, dass uns nichts dazwischen kommt.“ Allerdings: „Zu dem Zeitpunkt werden definitiv noch keine Verträge mit Investoren unterschrieben sein.“ Das gäben die Zeitläufe in solchen Investorenprozessen einfach nicht her.

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„Alles kann klappen, alles kann schiefgehen“

Es sei ein herausfordernder Prozess und Geschwindigkeit nicht das oberste Ziel. Den Mitarbeitern müsse man zwar schnell Perspektiven zeigen, denn: „Das größte Interesse am Standort ist die Kompetenz der Menschen.“ Allerdings dürfe man dabei keine falschen Erwartungen wecken. „Alles kann klappen, alles kann schiefgehen“, sagte er. Aber dass alles schiefgehe, sei bei dem großen Interesse unwahrscheinlich.

Verhandlungen über den Kaufvertrag werden bis Ende des Jahres abgeschlossen sein, sagte Barke. „Ende Februar wird Tinte unter dem Vertrag sein und dann werden wir auch bekannt geben, welchen Grundstückspreis wir vereinbart haben.“ Nach dem ursprünglichen Plan wollte Ford bis Ende des Jahres ein erstes Konzept für die Zukunft des Werkes vorlegen, im Frühjahr sollte dann die Entscheidung auf einen Investor fallen.

Kritik von CDU im Saarland: „Bisher ist nichts zu sehen“

„Es gilt jetzt Gründlichkeit vor Schnelligkeit. Weil es um 6000 Beschäftigte geht“, sagte auch der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der SPD, Timo Ahr, nach dem Ausschuss. „Ich glaube, wir müssen uns von dem Gedanken verabschieden, das immer an festen Deadlines auszumachen. Es sind Prozesse, die mit den USA, mit der EU – wenn es etwa um Fördergelder geht – und mit vielen anderen Stellen ausgehandelt werden müssen, da müssen wir Verständnis haben.“ Für ihn ist wichtig, dass es Interesse aus vielen Branchen gibt. Die Diversifizierung der saarländischen Wirtschaft sei wichtig, um sie widerstandsfähiger zu machen.

Der AfD-Abgeordnete Carsten Becker bewertete die angekündigte Richtungsentscheidung zwar als positiv, riet aber zur Eile. Die Mitarbeiter der Ford-Werke sowie auch die Mitarbeiter der Zulieferbetriebe erwarteten schnelle Lösungen und eine klare Perspektive für die Zukunft nach 2025. „Dies ist auch erforderlich, da insbesondere die hoch qualifizierten Facharbeiter in den Fachabteilungen und Instandhaltungen aufgrund anderer Angebote mit langfristigen Perspektiven die Ford-Werke verlassen.“

Kritik am Auftritt des Ministers im Ausschuss kam aus der CDU-Opposition. „Die Landesregierung hat viele mit ihrer Arbeit zum Standort Saarlouis im letzten halben Jahr enttäuscht. Bisher ist nichts zu sehen.“ Kein konkreter Investor, nur lose Interessenten, sagte Marc Speicher, arbeitsmarktpolitischer Sprecher und Beauftragter für Industriepolitik der CDU-Fraktion. „Nach dem Auftritt von Jürgen Barke heute im Ausschuss gilt leider wie bisher: Viele Worte und ganz wenige Taten.“

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