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Folgen des Brexit für das Saarland - Autoindustrie stark betroffen

Kostenpflichtiger Inhalt: Risiken durch EU-Austritt : Saar-Wirtschaft wegen Brexit in großer Sorge

Die IHK Saarland hofft, dass die EU nach dem Brexit ein Freihandelsabkommen mit Großbritannien vereinbaren kann. Die Zeit dafür ist knapp.

Mit der formalen Zustimmung des EU-Parlaments ist die letzte Hürde genommen – Großbritannien wird die Staatengemeinschaft nach 50 Jahren Mitgliedschaft am 31. Januar verlassen. Die britische Fahne weht seit Mittwochabend nicht mehr in Brüssel. 

Wirtschaftlich wird Großbritannien auch nach dem Brexit bis zum Ende des Jahres wie ein EU-Mitglied behandelt – was danach kommt, ist bislang allerdings unklar. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hofft auf ein umfassendes Freihandelsabkommen. Andernfalls könnten Unternehmen auf beiden Seiten des Ärmelkanals mit Zöllen, Steuern und neuen bürokratischen Hürden konfrontiert werden.

Das Saarland wäre davon in besonderem Maß betroffen, warnt Oliver Groll, Diplom-Volkswirt bei der Industrie- und Handelskammer des Saarlandes (IHK). Nach Angaben des Statistischen Amtes des Saarlandes exportierten Saar-Betriebe von Januar bis November 2019 Waren im Wert von 1,56 Milliarden Euro ins Vereinigte Königreich. Im ganzen Jahr 2018 seien es 1,95 Milliarden Euro gewesen, so die IHK. „Über 80 Prozent dieser Exporte sind Autos oder Autoteile“, erklärt Groll. Er geht davon aus, dass etwa das Geschäft von Ford in Saarlouis oder ZF in Saarbrücken zu jeweils einem Drittel vom britischen Markt abhängt. Neue Zölle könnten sich für diese Konzerne, aber auch für ihre Zulieferer und zahlreiche kleinere saarländische Firmen verhängnisvoll auswirken, sagt Groll. „Viele Produktionsketten würden sich dann einfach nicht mehr lohnen.“ 

Auch die IHK setzt auf ein Freihandelsabkommen. „Aber da ist eine gesunde Skepsis angebracht“, sagt Groll. „Solche Verhandlungen dauern normalerweise mehrere Jahre.“