Flughafen Saarbrücken: Keine Flüge von Luxair nach Berlin, neuer Anbieter

Kostenpflichtiger Inhalt: Flughafen Ensheim : Luxair stellt Berlin-Flüge ein – DAT fliegt künftig ab Saarbrücken

Die dänische Fluggesellschaft DAT übernimmt ab 1. Januar 2020 die Verbindung von Saarbrücken in die Bundeshauptstadt.

Die Fluggesellschaft Luxair stellt ihre Flüge von Saarbrücken nach Berlin zum Jahresende ein. Nach Kündigung der Verträge durch die luxemburgische Fluggesellschaft bestand das Risiko, dass es ab Jahresbeginn keine Verbindungen mehr auf dieser Strecke gibt. Jetzt haben Land und Flughafen kurzfristig eine Lösung und einen neuen Partner gefunden. Die Route von Saarbrücken nach Berlin wird ab 1. Januar 2020 bis zu drei Mal täglich von der dänischen Fluggesellschaft Danish Air Transport (DAT) bedient. Dies teilte der Saarbrücker Flughafen am Mittwoch mit.

Luxair setzt auf der Route aktuell noch einen Jet vom Typ Bombardier CRJ 700 ein. DAT plant eine Turboprop-Maschine vom Typ ATR 72-600, die erst ein Jahr alt ist, in Ensheim zu stationieren. Mit einer Reisegeschwindigkeit von etwas mehr als 500 Kilometern pro Stunde (km/h) ist dieses Fluggerät allerdings deutlich langsamer als der aktuell noch eingesetzte Bombardier-Jet, dessen Reisegeschwindigkeit bei über 800 km/h liegt. Die Flugzeit von Saarbrücken nach Berlin kann damit künftig um bis zu 40 Minuten länger dauern und dürfte in der Regel eine Stunde und 40 Minuten betragen. Die 1989 gegründete DAT gilt in Branchenkreisen aber als pünktlich und zuverlässig. Das Unternehmen, das sich mehrheitlich im Besitz der Familie Rungholm befindet, hatte sich zunächst auf Frachttransporte spezialisiert, später Charterflüge und ab 1996 auch Linienflüge angeboten. Aktuell gehören 22 Flugzeuge zur Flotte.

Berlin-Flüge mit DAT können ab sofort gebucht werden. Die Preise liegen laut DAT für einen Hin- und Rückflug aktuell bei 119 Euro (eingeschränkter Spartarif) bis 499 Euro (flexibles Ticket). Passagiere die für 2020 Flüge über die Luxair-Webseite oder das Luxair-Call Center gebucht haben, erhalten ihr Ticket nach Angaben des  Unternehmens vollständig und automatisch erstattet. Bei Reservierungen über Reisebüros oder andere Fluggesellschaften müssten sich Reisende an diese Vertragspartner wenden.

Luxair war schon länger mit der Auslastung nach Berlin unzufrieden. „Wir haben uns mehr versprochen und setzen auf eine Besserung“, sagte Luxair-Chef Adrien Ney bereits bei der Vorlage der Jahresbilanz für 2018 im Mai. Im vergangenen Jahr lag die Berlin-Strecke – wie berichtet – bei gut 80 000 Passagieren. „Hunderttausend brauchen wir schon“, so Ney damals. Nach SZ-Informationen haben die Luxemburger wegen niedriger Passagierzahlen und hoher Verluste auf dieser Strecke in diesem Jahr kurzfristig zum Jahresende gekündigt. Möglich war dies offenbar durch eine Öffnungsklausel für den Fall, dass die bei Vertragsabschluss getroffenen Annahmen zur Passagierzahl und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen deutlich verfehlt werden. Aus Steuergeldern waren Marketingzuschüsse für die Etablierung der Strecke geflossen. Diese mussten den Beihilferichtlinien der EU entsprechen.

Nach Einschätzung von Branchenkennern bestand nach der Kündigung das Risiko, dass für einen längeren Zeitraum keine Flugverbindung in die Bundeshauptstadt bestanden hätte. Land und Flughafen hatten zwar bis zuletzt mit Luxair verhandelt, mussten aber wegen deren Vertragskündigung auch Alternativen prüfen. „Die Strecke nach Berlin ist unentbehrlich“, sagt der zuständige Wirtschaftsstaatssekretär Jürgen Barke, der auch Aufsichtsratsvorsitzender des Saarbrücker Flughafens ist. Es ginge um die Anbindung an die Bundeshauptstadt und die Attraktivität des Flughafens. „Es hatte für uns daher absolute Priorität, übergangslos einen Partner zu finden, der die Strecke weiter fliegt“, erklärte Barke.

Nach SZ-Informationen wurden auch die Lufthansa, deren Tochter Eurowings und weitere Fluggesellschaften angefragt. Letztendlich habe man mit DAT einen „renommierten Partner“ gefunden. Auch hier muss der abgeschlossene Fünf-Jahresvertrag beihilfekonform sein.

Die Luftfahrtbranche ist weltweit von Insolvenzen und Konzentrationsprozessen geprägt. Davon war auch Saarbrücken immer wieder betroffen. Zuletzt stellte Adria Airways, die für Luxair die Strecke nach Berlin geflogen war, den Betrieb ein. Zuvor gingen die Fluggesellschaft Fly BMI, die eine Verbindung von Saarbrücken nach München angeboten hatte und Air Berlin, die viele Strecken ab Saarbrücken bediente, in die Insolvenz.

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