Flughafen Saarbrücken: Droht Ende der Flüge mit Luxair nach Berlin?

Kostenpflichtiger Inhalt: Nach Turbulenzen und Ausfällen : Flüge der Luxair von Saarbrücken nach Berlin vor dem Aus?

Die Zukunft der Flugverbindung zwischen Saarbrücken und Berlin ist unsicher. Laut einem Branchendienst soll sogar eine kurzfristige Einstellung der Route durch die Luxair möglich sein.

Aktuell sind online bei Luxair weiterhin nur Flüge bis zum Ende des Winterflugplans am 28. März 2020 buchbar. Das Luftfahrt-Portal „airliners.de" will aus Branchenkreisen erfahren haben, dass die Verbindung zwischen Saarbrücken und Berlin „schon zu Ende dieses Jahres gestrichen werden könnte".

Die luxemburgische Fluggesellschaft ist schon länger mit der Auslastung auf dieser Route unzufrieden. „Wir haben uns mehr versprochen und setzen auf eine Besserung“, sagte Luxair-Chef Adrien Ney bei der Vorlage der Jahresbilanz für 2018. Im vergangenen Jahr lag die Berlin-Strecke – wie berichtet – bei gut 80 000 Passagieren. „Hunderttausend brauchen wir schon“, so Ney im Mai.

Durch die Insolvenz von Adria-Airways Ende September haben sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für die Luxair nach Informationen der Saarbrücker Zeitung noch einmal verschlechtert. Die Luxemburger hatten Flugzeug und Besatzungen für die Verbindung zwischen Berlin und Saarbrücken von der slowenischen Fluggesellschaft in einem sogenannten „Wet Lease" zu laut Branchenkennern langfristig guten Konditionen angemietet. Der 2001 bei der Lufthansa in Dienst gestellte zweistrahlige Jet vom Typ Bombardier CRJ-700 mit 70 Sitzplätzen war 2014 dort ausgemustert und 2015 von Adria Airways geleast worden, die mit der Maschine unter anderem die Strecke zwischen München und dem polnischen Lodz bediente. Ab Jahresbeginn 2018 wurde sie in den Farben der Luxair dann auf der Strecke zwischen Saarbrücken und Berlin eingesetzt.

Nach Insolvenz und Einstellung des Flugbetriebs von Adria-Airways Ende September wurden zunächst mehrere Berlin-Flüge annulliert, und Luxair musste sich kurzfristig um eine andere Maschine und einen neuen Partner bemühen. Schnell gab das Unternehmen bekannt, dass die Strecke bis auf weiteres von einer Maschine der estnischen Fluggesellschaft Nordica mit Sitz in Tallinn bedient werde. Hier sollen die Konditionen für Luxair wegen Notlage und Kurzfristigkeit laut Branchenkennern deutlich schlechter sein. Eingesetzt wird ebenfalls eine Bombardier CRJ-700.

Luxair und der landeseigene Flughafen verhandeln seit einiger Zeit über den Fortbestand der Route zwischen Saarbrücken und Berlin. Gegenüber „airliners.de" verwiesen Luxair, Flughafen und das saarländische Wirtschaftsministerium auf die laufenden Gespräche. „Derzeit gibt es dazu keinen neuen Sachstand zu berichten", so der Sprecher des Flughafens gestern gegenüber dem Branchendienst.

Die Landesregierung hat nach Informationen der Saarbrücker Zeitung ein großes Interesse, dass auf der Route weiterhin ein Jet und keine langsamere Turboprop-Maschine eingesetzt wird. Gegenüber Luxair soll danach auf die Einhaltung eines Vertrages mit fünfjähriger Laufzeit gedrängt werden. In dessen Rahmen sind für den Anschub der Verbindung auch Steuergelder als Marketingzuschuss an Luxair geflossen.

Luxair soll laut Branchenkennern wiederum ein Interesse daran haben, die Strecke mit einem ihrer De Havilland Q400-Maschinen für bis zu 76 Passagiere zu bedienen. Luxair verfügt über insgesamt elf Maschinen dieses Typs, was bei technischen Problemen und Ausfällen die Bereitstellung von Ersatzteilen oder Maschinen erleichtert und einen wirtschaftlicheren Betrieb ermögliche. Die modernen Turboprop-Flugzeuge werden aber gerade von Geschäftsreisenden als weniger bequem angesehen. Sie sind nicht nur langsamer, sondern auf vielen Sitzplätzen auch deutlich lauter als der ältere Bombardier-Jet von Adria-Airways. Die Drohung mit der Einstellung der Verbindung könne laut Branchenkennern für Luxair auch ein Druckmittel sein, um die Verhandlungsposition in der Frage des eingesetzten Flugzeuges zu verbessern.

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