Fiat Chrysler macht Milliardenbestellung bei ZF

Milliardenbestellung : Großauftrag sichert ZF-Jobs im Saarland

Rund 9000 Arbeitsplätze hängen im Saarland von ZF ab. Ein Milliardenauftrag trägt dazu bei, die Beschäftigung langfristig zu erhalten.

Im April von BMW den größten Auftrag in der ZF-Geschichte über eine zweistellige Milliardensumme, jetzt eine Bestellung in ähnlicher Größenordnung von Fiat Chrysler. Und weitere Großaufträge sollen folgen, deutet der Leiter der Division Antriebstechnik, Stephan von Schuckmann, an. Die vierte Generation des Achtgang-Automatik-Getriebes kommt offenbar bei den Autobauern an. „Es ist schon ein Schlager“, sagt von Schuckmann. Zum Vorteil den Standorts Saarbrücken. Hier soll das neue Getriebe 2022 in Serie gehen, hier soll der Hauptproduktionsstandort sein, obwohl es auch im Ausland gebaut werden soll, beispielsweise in den USA und in China. Die Großbestellung des italienisch-amerikanischen Konzerns trägt dazu bei, die Jobs der rund 9000 ZF-Mitarbeiter im Saarland zu sichern. „Für die Beschäftigung ist das ein wichtiger Meilenstein“, sagte von Schuckmann. Betriebsrat Michael Scholl sieht darin ein „wichtiges Signal für die Zukunft“ und einen maßgeblichen Beitrag, „die Produktion für die nächsten zehn Jahre abzusichern“.

Fiat-Chrysler will nach ZF-Angaben das neue Automatik-Getriebe in Fahrzeuge mit Heck- und Allradantrieb einbauen. Ein bedeutender Anteil ist für Autos mit Hybridantrieb gedacht, die Elektro- und Verbrennungsmotor kombinieren. „Dieser zweite Großauftrag für das neue Achtgang-Getriebe bestätigt unsere Strategie, bei der Elektrifizierung von Pkw auf Plug-in-Hybrid-Antriebe als alltagstaugliche Lösungen zu setzen“, sagte ZF-Vorstandschef Wolf-Henning Scheider. Mit der Plug-in-Technik lässt sich das Auto auch rein elektrisch fahren. Die Reichweite für das elektrische Fahren werde bei den Hybriden künftig zwischen 80 und 100 Kilometern liegen, sagte Scheider. Kunden können die Kurzstrecken und somit den größten Teil ihrer Fahrten rein elektrisch machen, und auf der Langstrecke schalten sie auf Verbrennungsmotor um. Insgesamt sinke damit der CO2-Ausstoß deutlich, sagte von Schuckmann. Das helfe den Autokonzernen, die Klimaschutzvorgaben der Politik einzuhalten.

Ein entscheidender Grund für das  Interesse der Kunden sei das Baukasten-System, sagt von Schuckmann. Das Getriebe lässt sich nach Bedarf für Verbrennungsmotoren oder für Hybrid-Varianten bauen. „Wenn sich die Märkte verändern, können sich die Kunden anpassen. Das ist ein wesentlicher Vorteil.“ Denn die Risiken, die der Wandel weg vom Verbrennungsmotor zu elektrifizierten Fahrzeugen für die Autobauer mit sich bringt, verringern sich.

Die Landesregierung zeigte sich begeistert von dem neuen Großauftrag. „ZF als wichtiger Impulsgeber für die Zukunft unserer Mobilität sichert Arbeitsplätze und trägt maßgeblich zur Weiterentwicklung unseres Industrie- und Forschungsstandortes bei“, sagte Ministerpräsident Tobias Hans (CDU). Ähnlich äußerte sich Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger (SPD): „Das ist eine Nachricht, über die sich nicht nur die Beschäftigten bei ZF freuen sollten, sondern das hat Signalwirkung für unser ganzes Bundesland.“

Stephan von Schuckmann, Leiter der ZF-Division Pkw-Antriebstechnik. Foto: BeckerBredel

Positiv auch die Wertung von Martin Schlechter, Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Metall- und Elektroindustrie im Saarland (ME Saar): „Dieser Auftrag zeigt, dass Unternehmen, die die Transformation aktiv angehen, auch künftig gute Chancen am Markt haben.“ Um den Wandel zu finanzieren, bräuchten die Betriebe aber Freiräume. ZF investiert nach eigenen Angaben 800 Millionen Euro in Saarbrücken, um das Werk für die Fertigung der neuen Getriebegeneration fit zu machen.

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