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Fatale Folgen von Corona für Metall- und Elektroindustrie im Saarland

Fokus auf Autobranche hat fatale Folgen : Corona trifft saarländische Metall- und Elektroindustrie besonders stark

Über 90 Prozent der Branchen-Betriebe spüren die Auswirkungen der Krise in der Produktion. Zwei Drittel der Unternehmen haben bereits Kurzarbeit angemeldet. In den kommenden Wochen könnten es noch deutlich mehr werden.

Die Metall- und Elektrounternehmen leiden im Saarland deutlich stärker unter der Corona-Krise als im Bund. Das geht aus einer Umfrage des Branchenverbands ME Saar hervor. So sind 90,5 Prozent der Saar-Betriebe nach eigenen Angaben von Produktionseinschränkungen betroffen; bundesweit sind es 83 Prozent. Die Hälfte der saarländischen Firmen in der Branche bezeichnet die Probleme als „stark“ oder „sehr stark“ (Bund: 30,3 Prozent).

Hauptgründe für den Einbruch im Saarland seien die mangelnde Nachfrage aus der Autobranche und fehlende Teile für die Produktion. „Saarländische Unternehmen sind von der Corona-Krise besonders betroffen, weil die hiesige Industrie stark auf den Automobilbau fokussiert ist“, sagt ME-Saar-Geschäftsführer Jens Colling. Dem Branchenverband Gesamtmetall zufolge sind die Aufträge im Fahrzeugbau im ersten Quartal 2020 bundesweit um 28 Prozent eingebrochen.

Um der Krise zu begegnen, haben laut ME Saar inzwischen 64,3 Prozent der Betriebe zumindest für Teile der Belegschaft Kurzarbeit anmeldet (Bund 42,7 Prozent). „Der Höhepunkt der Kurzarbeits-Zahlen ist dabei noch nicht erreicht“, so der Arbeitgeber-Verband. Weitere 16,6 Prozent der Unternehmen hätten geplant, in den kommenden vier Wochen Kurzarbeit einzuführen.

Der Forderung der Gewerkschaft IG Metall, dass Unternehmen das Kurzarbeitergeld aufstocken sollen, erteilt ME-Saar-Geschäftsführer Colling eine Absage. „Hier geht es nicht mehr um einen Verteilungskampf, sondern in vielen Fällen um die Existenz der Unternehmen“, sagt er. Als Reaktion auf die Krise hatten sich IG Metall und Arbeitergeberseite bereits im März auf einen Tarifabschluss für die Branche geeinigt, bei dem die Beschäftigungssicherung im Vordergrund stehen soll.

Für die Umfrage hat der ME Saar nach eigenen Angaben 42 saarländische Unternehmen mit insgesamt fast 30 000 Beschäftigten befragt.