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Experten geben Tipps zur Finanzierung beim Hauskauf im Saarland

SZ-Telefonaktion : Beim Immobilienkauf lauern viele Fallstricke

Experten geben Tipps, was Käufer beachten sollten und welche Finanzierung den günstigsten Weg in die eigenen vier Wände ebnet.

Wer Kurs aufs eigene Heim nimmt, hat viele Fragen. Mit unserer Telefonaktion gaben wir unseren Lesern Gelegenheit, sich zu informieren. Petra Hauschulz von Finanztest und Alexander Nothaft vom Verband der Privaten Bausparkassen gaben Antworten.

Stimmt es, dass man Baukindergeld nur noch bis Ende dieses Jahres beantragen kann?

NOTHAFT Nein, die Frist wurde gerade verlängert bis zum 31. März 2021. Denn aufgrund der Pandemie konnten viele Bauwillige die nötigen Unterlagen wie Baugenehmigungen nicht rechtzeitig vorlegen.

Warum sollte ich mit einem KfW-Darlehen finanzieren? Die sind doch auch nicht günstiger als Bankdarlehen. Und sie haben teilweise nur eine zehnjährige Zinsbindung.

HAUSCHULZ Die Darlehen sind oft kombiniert mit Förderprogrammen, bei denen man anstelle des Darlehens oder in Kombination Zuschüsse bekommt. Und bei einer Umfrage von Finanztest hat sich gezeigt (siehe Finanztest 4/2020), dass Banken oft bessere Konditionen bieten, wenn die Finanzierung teilweise über die KfW erfolgt.

Ich habe ein Haus geerbt, das ich renovieren und selbst nutzen will. Kommt das Baukindergeld für mich infrage?

NOTHAFT Nein, leider nicht. Bei geerbten Immobilien und auch dann, wenn Sie die Immobilie von Eltern oder Großeltern kaufen, bekommen Sie kein Baukindergeld. Auch wenn Sie als Miterbe eines Objektes ein eigenes Haus kaufen möchten, haben Sie keinen Anspruch.

Bis wann muss ich das Baukindergeld beantragen?

NOTHAFT Nach dem Einzug haben Sie längstens sechs Monate Zeit, Baukindergeld zu beantragen. Es gilt das Datum der Meldebestätigung. Das Baukindergeld gibt es nur für Kinder, die vor dem Antrag geboren wurden. Wenn das Baby nach dem Umzug noch nicht auf der Welt ist, verschieben Sie den Antrag bis nach der Geburt.

Mein Bausparvertrag ist fünf Jahre alt. Ich will jetzt eine Immobilie erwerben. Ist es sinnvoll, das Bauspardarlehen in Anspruch zu nehmen?

HAUSCHULZ Sehen Sie in Ihren Bausparbedingungen nach dem Darlehenszins. Wahrscheinlich ist er höher als die derzeitigen Zinsen für Baudarlehen. Ist das der Fall, können Sie in Erwägung ziehen, den Vertrag aufzulösen und das Guthaben als Eigenkapital zu verwenden.

Ich will eine gebrauchte Eigentumswohnung kaufen. Gibt es etwas Besonderes zu beachten?

NOTHAFT Lassen Sie sich die Protokolle der Eigentümerversammlungen der letzten drei, besser fünf Jahre zeigen. Daraus ist ersichtlich, ob es Probleme in der Anlage gab oder gibt und ob in nächster Zeit größere Investitionen anstehen, für die eventuell eine Sonderumlage fällig wird. Zur Finanzierung des Wohnungskaufs können Sie auch als Einzelperson ein KfW-Darlehen bis zu 100 000 Euro in Anspruch nehmen. Das Darlehen hat eine Laufzeit von zehn Jahren.

Wie viel Eigenkapital muss ich mitbringen, wenn ich eine Immobilie erwerben will?

HAUSCHULZ Lassen Sie sich von den niedrigen Zinsen nicht blenden. Die Faustregel, dass man mindestens zehn, optimalerweise bis zu 20 Prozent der Kaufkosten selbst mitbringen sollte, gilt nach wie vor. Wer wenig oder gar kein Eigenkapital mitbringt, zahlt deutlich höhere Zinsen als mit einer guten Eigenkapitalquote. Bedenken Sie auch, dass neben dem Kaufpreis noch einmal rund 15 Prozent Nebenkosten für Steuern, Notar, Makler und andere Gebühren anfallen.

Ich möchte meinen Kredit ablösen und zu günstigeren Konditionen weiter finanzieren. Wie geht das ohne Vorfälligkeit?

NOTHAFT Nach zehn Jahren – gerechnet ab der vollen Auszahlung des Kredits – haben Sie nach Paragraf 489 BGB ein Sonderkündigungsrecht, mit einer Kündigungsfrist von sechs Monaten. Dann darf die Bank keine Vorfälligkeitsentschädigung verlangen. Kümmern Sie sich rechtzeitig um eine Anschlussfinanzierung. Auch hier können sich Vergleiche auszahlen.

Für unseren Hauskauf nutze ich ein KfW-Darlehen. Es hat aber nur für zehn Jahre feste Konditionen. Danach finanziert die KfW zu marktüblichen Zinsen weiter. Ich möchte vorsorgen, damit steigende Zinsen mich nicht so hart treffen. Welche Möglichkeiten habe ich?

NOTHAFT Sie können das Zinserhöhungsrisiko begrenzen, in dem Sie den Zinssatz für das ergänzende Bankdarlehen für mindestens 15 Jahre festschreiben. Vereinbaren Sie für das KfW-Darlehen eine möglichst hohe Tilgung. Zur weiteren Absicherung können Sie einen Bausparvertrag abschließen, der Ihnen hilft, die Restschuld abzulösen.

Ich will für meine Familie einen Altbau kaufen und sanieren. Das bedeutet größere Umbauarbeiten. Welche Versicherungen brauche ich?

HAUSCHULZ Sie benötigen vor allem eine Bauherrenhaftpflichtversicherung. Wenn sich auf Baustellen ein Unfall ereignet, steht fast immer der Bauherr für die Folgen gerade. Hat sich das Opfer schwer verletzt, kann die Schadenersatzleistung für den Bauherren existenzbedrohend sein. Der Bauherr kann die Pflicht zur Absicherung zwar auf Firmen oder einen Bauleiter übertragen, aber auch das ist Unfallopfern gegenüber oft unwirksam. Wer sich weitergehend absichern will, schließt eine Bauleistungsversicherung ab. Sie zahlt, wenn auf der Baustelle aus unvorhersehbaren Gründen Schäden entstehen.

Weitere Informationen gibt es im Internet unter:
www.test.de
www.kfw.de
www.bausparkassen.de