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EVG befürchtet Abbau von 500 Stellen bei der Bahn im Saarland

Kostenpflichtiger Inhalt: Stellenabbau bei der Deutschen Bahn? : Gewerkschaft sieht 500 Bahn-Jobs im Saarland in Gefahr (aktualisiert)

Die Corona-Folgen belasten die Deutsche Bahn schwer. Die Gewerkschaft EVG befürchtet den Verlust von 500 Stellen allein im Saarland. Sie kündigte Widerstand an.

Bei der Deutschen Bahn sind nach Einschätzung der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) wegen der Corona-Krise mehr als 10 000 Arbeitsplätze in Gefahr. Nach Einschätzung des EVG-Landesvorsitzenden Ralf Damde ist davon auch das Saarland betroffen. Er befürchtet, dass hierzulande 500 der laut EVG insgesamt rund 2000 Stellen den Sparplänen zum Opfer fallen könnten. In welchen Bereichen möglicherweise Arbeitsplätze wegfallen, könne er nicht sagen. Doch „ich sehe den Standort mehr als in Gefahr“, sagte Damde am Montag. „Wir haben unseren Widerstand angekündigt.“ Er ist besonders empört, weil die Mitarbeiter die Bahn in der Corona-Krise am Laufen gehalten hätten und „nun die Zeche zahlen sollen“.

In einem Schreiben an die Mitarbeiter räumt die Konzernspitze ein, dass „auch das Unternehmen einen entscheidenden Beitrag leisten wird“, um die Folgen der Corona-Krise abzufedern. Dabei bedürfe es „intelligenter Lösungen mit den Tarifpartnern“, also den Gewerkschaften. Zu den Befürchtungen der EVG will sich der Konzern bislang nicht äußern. Die Bahn hat nach eigenen Angaben 211 000 Beschäftigte

Der Personenverkehr der Bahn ist im April um 90 Prozent, der Güterverkehr um 40 Prozent eingebrochen. Der staatseigene Konzern rechnet als Folge der Corona-Pandemie bis 2024 mit Umsatzausfällen von 8,2 bis 10,2 Milliarden Euro, wie aus einem Papier der Bahn zur Abstimmung mit dem Bundesfinanzministerium hervorgeht. Der Konzern sagt darin zu, die Hälfte der Lücke selbst auszugleichen. 1,85 bis 2,3 Milliarden Euro sollen durch Einsparungen beim Personal aufgebracht werden. Der Eigentümer Bund könnte den Konzern dem Papier zufolge unter anderem durch eine milliardenschwere Erhöhung des Eigenkapitals stützen. Dabei könnten 6,9 bis 8,4 Milliarden Euro fließen.

EVG-Chef Klaus-Dieter Hommel befürchtet „eine knallharte Sparpolitik auf dem Rücken der Beschäftigten mit einer Halbierung der Ausbildungsplätze und einem Stopp der dringend benötigten Neueinstellungen“, wie er der Zeitung Bild am Sonntag sagte. Der Gewerkschafter schlug „ein Bündnis für Beschäftigung und Mobilität“ vor. Dazu habe der Konzernvorstand bei der Aufsichtsratssitzung am Freitag seine Bereitschaft zugesichert. „Dabei muss die EVG Saarland mit am Tisch sitzen“, fordert Damde. Das sei wichtig im Interesse der saarländischen Arbeitsplätze.

Wenn die angeblich im Aufsichtsrat geäußerte Absicht, die Zahl der Lehrstellen zu halbieren, umgesetzt werde, sei dies „eine Bankrotterklärung“, sagt Damde und fordert: „Die Zukunftsfähigkeit muss gesichert werden“ – gerade mit Blick auf die angekündigte Verkehrswende und die versprochene Stärkung der Bahn wegen des Klimaschutzes.

Die saarländische Verkehrsministerin Anke Rehlinger (SPD) lehnt solche Personalabbau-Szenarien ab. „Corona sollte nicht auf Kosten der Bahn-Beschäftigten gehen. Natürlich muss auch die Deutsche Bahn vernünftig haushalten, aber ein Sparkurs, der schlicht Stellen zusammenstreicht, wäre fatal. Wir brauchen auch nach der Krise ein funktionierendes Verkehrssystem auf der Schiene. Dafür ist das Personal entscheidend“, sagt Rehlinger, die auch Vorsitzende der Verkehrsministerkonferenz ist.

Aus Sicht von Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) braucht die Bahn sowohl Zukunftsinvestitionen als auch „motiviertes Personal“, damit die angestrebte Verkehrswende hin zu mehr öffentlichen Personenverkehr gelinge. „Schon vor der Corona-Pandemie waren jedoch die Menschen im Saarland weniger gut an die Fernverkehre angebunden als andernorts in Deutschland. Damit die Krise hier nicht brandbeschleunigend wirkt, sind die geplanten Zukunftsinvestitionen an der Saar nun umso drängender.“ Dafür werde sich die Landesregierung bei Bahnvorstand und Bundesregierung einsetzen.

Grünen-Landeschef Markus Tressel sieht die Landesregierung, speziell Ministerpräsident Hans, wegen der Krise in der Pflicht. Sie müsse in Berlin intervenieren, um mögliche Rückzugspläne und den Abbau weiterer Stellen im Saarland zu verhindern. Notwendig seien stattdessen Zukunftsinvestitionen in den Personen- und Güterverkehr.

Das Bahn-Papier ist in puncto Stellenabbau allerdings nicht eindeutig. Einerseits heißt es, bei dem Sparkurs sollten „Investitionen und die Rekrutierung von operativem Personal“ keine Schwerpunkte sein, „da beides Voraussetzung für das Erreichen der Verkehrsverlagerungs- und Klimaziele ist“. Demnach dürfte es eigentlich keinen Stopp der Neueinstellungen geben. Andererseits ist aber von Verschlankung der Organisationsstrukturen und einer Prüfung der Personalplanung die Rede. Solche Formulierungen legen nahe, dass die Bahn Einschnitte beim jetzigen Personal erwägt als auch bei Einstellungen zurückhaltender sein will.

Konkret ist das Papier nur dahingehend, dass der Konzernvorstand und das höhere Management auf Geld verzichten sollen. Für 2020 rechnet das Unternehmen allein dadurch mit Einsparungen von 150 bis 180 Millionen Euro.

Diese Pläne verkündet die Konzernspitze auch in der Mitteilung an die Mitarbeiter. Was auf die Belegschaft aber genau zukommt, bleibt darin offen.