1. Saarland
  2. Saar-Wirtschaft

Etatronics findet seine Kunden in Nischenmärkten

St. Wendeler Unternehmen : Saar-Spezialisten für kabelloses Laden

Das junge St. Wendeler Unternehmen Etatronix hat sich in der Fachwelt bereits einen Namen gemacht. Die Zeichen stehen auf Wachstum.

Der Firmenname klingt nach einem Freund von Asterix. Mit dem gallischen Comic-Helden hat Etatronix aber nichts zu tun. Das „Eta“ kommt von einem griechischen Buchstaben, der in der Elektronik für den Wirkungsgrad benutzt wird. Und der spielt bei dem 2014 gegründeten St. Wendeler Unternehmen eine Hauptrolle. „Unser Fokus liegt auf kabelloser Energieübertragung – und das mit hohem Wirkungsgrad“, sagt der geschäftsführende Gesellschafter Dominik Huwig. Hoher Wirkungsgrad bedeutet, dass beim Laden von Batterien oder elektronischen Geräten nur wenig Energie verloren geht. Als gut gelte beim Laden ohne Kabel schon, wenn 85 Prozent der reingesteckten Energie im geladenen Gerät zur Verfügung stehen, sagt Huwig. Etatronix erreiche einen Wirkungsgrad von bis zu 96 Prozent.

Kabelloses Laden ist noch eine junge Technik, obwohl die Anfänge auf das Ende des 19. Jahrhunderts zurückzuverfolgen sind, als der amerikanische Erfinder und Elektroingenieur Nikola Tesla an Techniken arbeitete, mit denen sich Strom quasi durch die Luft schicken ließ. Erst vor gut zehn Jahren sei es mit der Technik richtig losgegangen, sagt Elektroingenieur Huwig. Damals wurden erste Standards entwickelt für das kabellose Laden von Smartphones. Einfach, kostengünstig, universell sollten die Lösungen sein. Huwig schrieb zu der Zeit bei der Homburger Firma RRC Power Solutions seine Diplomarbeit über kabelloses Laden.

Huwig sieht Etatronix nicht als klassisches Ingenieurbüro, auch wenn Ingenieure die Firma prägen, sie nur eine Handvoll Mitarbeiter hat und in den Räumen vorrangig das passiert, was solche Büros tun: für Kunden Produkte konzipieren, Prototypen bauen und bis zur Serienreife entwickeln. Vielmehr „wollen wir als Systemlieferant auftreten“, sagt Huwig. Die Kunden sollen ein fertiges Modul bekommen, das sie nur noch einsetzen müssen. Für die Fertigung arbeitet Etatronix mit deutschen Herstellern zusammen. Sie übernehmen die Serienproduktion. Die Teile kommen dann ins Saarland zurück und werden von Etatronix an die Kunden versandt.

Der Schritt zum Komplettlieferanten war aber nicht einfach, wie Huwig schildert: Anfangs scheuten manche Kunden, sich auf das gerade gegründete St. Wendeler Start-up als Zulieferer einzulassen und wollten lieber in Lizenz die Teile selbst fertigen. Inzwischen „ist es uns gelungen, mehrere Kunden zu gewinnen, denen wir die neben dem Design auch die Elektronik liefern“, sagt Huwig. Das Vertrauen ist offenbar da, dass Etatronix langfristig für die Lieferung der Komponenten, für Service und Ersatzteile sorgen kann. Huwig sieht sein Unternehmen auf einem guten Weg von einem „Start-up zu einem etablierten Lieferanten“ dieser zukunftsträchtigen Technologie. „Wir erwarten und hoffen, dass Etatronix weiter wächst.“ Von Millionenumsätzen ist man – noch – weit entfernt, aber das Unternehmen arbeite profitabel, sagt Huwig. Mit millionenfach gefertigten Massenprodukten wie Ladegeräten für Smartphones, die Wirkungsgrade von nur etwa 75 Prozent erreichen, hat Etatronix nichts zu tun. Das Unternehmen bewegt sich auf „Nischenmärkten“, wie der Etatronix-Chef sagt. Wo höhere Leistungen übertragen werden müssen als bei Smartphones. Diese Lösungen müssen passgenau auf die Anforderungen der Kunden zugeschnitten sein. Ladetechnik für medizinische Geräte, Messtechnik, Roboter, Drohnen und generell industrielle Anwendungen – das ist das Feld, auf dem das Unternehmen tätig ist. Hier belaufen sich die Stückzahlen auf einige hundert bis mehrere zehntausend im Jahr. Obwohl Etatronix ein kleines Unternehmen ist, „können wir mit den Großen mitspielen“, sagt der 38-Jährige. Der Grund: Etatronix beherrsche die noch wenig verbreitete Technik des kabellosen Ladens für höhere Übertragungsleistungen von bis zu 200 Watt mit extrem hohen Wirkungsgraden. So gehören zum Beispiel der Elektrotechnikkonzern Leoni, das Medizin- und Sicherheitstechnikunternehmen Dräger und der Batteriesystem-Hersteller BMZ zu den Kunden.

In der Medizintechnik liegen die Vorteile kabellosen Ladens auf der Hand, weil Hygiene so wichtig ist. „Das System ist sauber. Es gibt keine Metallkontakte, in die sich Schmutz reinsetzt“, erläutert Huwig. Die Geräte sind geschlossen und haben Kunststoffoberflächen, die sich einfach reinigen lassen.

Ein weiterer Vorteil ist, dass die Technik auch eingesetzt werden kann, wenn Explosionsgefahr besteht, etwa in Raffinerien, Mühlen oder der holzverarbeitenden Industrie. Dort ist kabelgeführtes Laden ausgeschlossen, weil Funken entstehen können. In den Gesprächen mit Kunden über den Zuschnitt elektronischer Geräten mit Ladetechnik „sind Kosten ein großes Thema“, sagt Huwig. Eine kabellose Energieübertragung ist natürlich erst einmal teurer als ein Stecker mit Netzteil. Doch der Kostennachteil lasse sich wettmachen. So können bei einem kabellosen System einige Teile wie Netzteil und Laderegler eingespart werden. Dabei spielt auch eine von Etatronix patentierte Technik zur optimierten Regelung der Energieübertragung eine Rolle. Wenn man dann das Gesamtsystem betrachtet, „macht es von den Kosten her keinen Unterschied, ob es kabellos oder kabelgeführt ist“, sagt Huwig.