Erika Hernandez De Luca hat eine Franchise-Idee für Mini Books

Franchise im Saarland : Daumenkino aus Eppelborn als Firmenidee für viele

Firmengründer müssen ihre Idee nicht alleine groß machen. Sie können als Franchise-Geber andere profitieren lassen. Das plant Erika Hernandez De Luca aus Eppelborn.

Das gute alte Daumenkino ist zurück. Bevor die Bilder laufen lernten, erzeugten Menschen die Illusion von Bewegung mit kleinen Zeichnungen, die in Nuancen voneinander abwichen. Diese banden sie zu einem Büchlein zusammen, das sie mit Daumen und Zeigefinger in Sekundenschnelle durchblätterten und beim Betrachter den Eindruck eines Filmchens erzeugten. Aus diesem Uralt-Prinzip will Erika Hernandez De Luca aus Eppelborn eine neue Geschäftsidee machen und sie als Franchise-Konzept möglichst vielen Jungunternehmerinnen und Jungunternehmern zur Verfügung stellen – das Mini-Book. Mit einer Spezialkamera kommt die gebürtige Mexikanerin auf Familienfeiern wie Hochzeiten oder Geburtstagen, aber auch auf Partys oder Firmen-Events vorbei und macht Sieben-Sekunden-Videos. Innerhalb kurzer Zeit verwandelt sie jedes Video in ein Daumenkino – „eine originelle Erinnerung an ein besonderes Erlebnis“.

Mit dieser Geschäftsidee, die ihre Landsfrau Claudia Vazques bereits in Mexiko erfolgreich umgesetzt hat, reiht sie sich in die große Unternehmer-Familie derer ein, die auf Franchise als Form der Zusammenarbeit setzen. Der Definition des Deutschen Franchiseverbands zufolge sind das „Unternehmenskooperationen, die auf der partnerschaftlichen Expansion einer gemeinsamen Marke basieren“. Der Franchise-Nehmer übernimmt dabei ein bestehendes Geschäftskonzept, zahlt dafür Gebühr und setzt es in seiner Region um.

Knapp 1000 solcher Konzepte gibt es inzwischen bundesweit, sagt Verbands-Hauptgeschäftsführer Torben Leif Brodersen. Er war einer der Hauptredner beim Start-up-Forum des Landkreises Neunkirchen, das am Donnerstag in Eppelborn stattfand. „Es war die erste Veranstaltung im Saarland, bei der das Thema Franchise im Vordergrund stand“, sagte Klaus Häusler, Geschäftsführer der Wirtschaftsfördergesellschaft des Kreises.

Ein Franchise-Urgestein ist die „Schülerhilfe“, die seit 1974 das Konzept des Nachhilfe-Unterrichts verfolgt. 300 Franchise-Nehmer mit insgesamt 500 Pauk-Betrieben betreut Michael Ganschow, bei dem in Gelsenkirchen die Fäden zusammenlaufen. „Für die Lizenz-Gebühren bieten wir echten Gegenwert“, sagt er. Die Zentrale unterstützt die Partner „unter anderem in Fragen des Marketings und der Betriebswirtschaft“, so Ganschow. Hilfe gebe es auch bei der Rekrutierung von Nachhilfe-Lehrern und bei der Weiterentwicklung des pädagogischen Konzepts.

Einer, der die „Schülerhilfe“ im Saarland etabliert, ist Markus Philippi. Er fing vor zwei Jahren in Losheim an, hat aber bereits ein zweites Büro in Merzig aufgemacht. Mit Pädagogik hatte er zuvor wenig am Hut, sondern verkaufte Autos. Auch heute gibt er noch keine Nachhilfe. „Ich kümmere mich um das Kaufmännische.“ Für das Büffeln in Deutsch, Mathematik und Englisch sind aktive, ehemalige oder werdende Lehrer zuständig. „Ich hatte den Wunsch, mich zu verändern, und die Schülerhilfe hat einen Partner im nördlichen Saarland gesucht“, erzählt der Jungunternehmer. „Unser Konzept rechnet sich ab 1400 Schüler pro Standort“, sagt Franchise-Geber Ganschow. Offenbar lohnt sich die Sache für Philippi. „Bis jetzt habe ich meine Entscheidung nicht bereut.“

Auch Hernandez De Luca hofft, dass sie mit ihrem Mini-Book viele Nachahmer findet, die das Konzept übernehmen wollen. Die Sache mit dem Daumenkino „ist ideal für Frauen, die gerne auf Menschen zugehen und die zum Beispiel wegen der Kinder bisher zu Hause blieben“, sagt die zweifache Mutter, die bislang in der Eppelborner Pizzeria ihres Mannes mithalf. „Man muss mit der Kamera auch nicht ständig unterwegs sein. Die Leute können auch Film-Schnipsel schicken, die dann zu Mini-Books werden.“

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