Jahresbilanz und Ausblick Energieversorger VSE plant millionenschwere Investitionen im Saarland

Saarbrücken · Rund 360 Millionen Euro will der Saarbrücker Energie- und Versorgungskonzern VSE in den kommenden drei Jahren in die Energiewende und Transformation des Saarlandes investieren. Welche Maßnahmen konkret geplant sind.

 Ein Schwerpunkt der VSE-Gruppe liegt auf dem Ausbau von Windenergie im Saarland.

Ein Schwerpunkt der VSE-Gruppe liegt auf dem Ausbau von Windenergie im Saarland.

Foto: dpa/Jan Woitas

Die Sprengung des Ensdorfer Kraftwerks am vergangenen Sonntag (30. Juni) hat für den Saarbrücker Energie- und Versorgungskonzern VSE eine hohe Symbolkraft inne. Denn mit dem Abriss des Kühlturms und der beiden Kamine verabschiedete sich die VSE-Gruppe nun schlussendlich vom Energieträger Kohle. Zeitgleich wurde Platz gemacht für die Ansiedlung des Chip-Herstellers Wolfspeed, einem hoffnungsvollen Pfeiler der wirtschaftlichen Zukunft des Saarlandes. Mit dem Vorantreiben einer zukunftsorientierten Energie-Infrastruktur sieht sich die VSE als Motor für die Transformation und die Energiewende hierzulande. Welche Investitionen der Konzern in den kommenden Jahren plant, haben am Donnerstag die VSE-Vorstandsmitglieder Stephan Tenge und Hanno Dornseifer bei einem Pressegespräch erläutert. Zudem gaben sie einen Einblick auf die Bilanz des vergangenen Geschäftsjahres.

Der Einsatz in Bildern: Filteranlage am Kraftwerk Ensdorf gesprengt​
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Spektakuläre Bilder – Filteranlage am Kraftwerk Ensdorf gesprengt

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Großteil des Investitionsvolumens soll in Ausbau der Energieinfrastruktur fließen

„Auf dem Weg zur Klimaneutralität bis 2045 unterstützt die VSE-Gruppe den Transformationsprozess mit jährlichen Investitionen in dreistelliger Millionenhöhe“, kündigte Tenge an und nannte konkrete Zahlen. In den Jahren 2024 bis 2026 plant die VSE rund 360 Millionen Euro zu investieren. Davon sollen 235,4 Millionen in den Ausbau der Energieinfrastruktur fließen, 10,6 Millionen in den Ausbau der Wassernetze und 46,6 Millionen Euro in den Ausbau des Glasfasernetzes. Des Weiteren vorgesehen sind Investitionen in Höhe von 24 Millionen Euro in Telekommunikation und rund 35 Millionen für die Digitalisierung und Cyber-Sicherheit. Zirka sieben Millionen Euro seien für Energiedienstleistungen, wie beispielsweise die Versorgung von Schwimmbädern mit Nahwärme, eingeplant. „Die VSE ist auf Wachstumskurs“, betonte Tenge. Mit dem hohen, dreistelligen Millionenvolumen will der Energie- und Versorgungskonzern den wachsenden Anforderungen an die Netzinfrastruktur gerecht werden, zumal durch Wärmepumpen, Wallboxen zum Laden von E-Autos und Rechenzentren zunehmend mehr Energie benötigt wird.

Von den rund 235 Millionen Euro für den Ausbau der Energieinfrastruktur sollen zwei Drittel in das Stromnetz fließen. In dieses soll massiv investiert und somit dessen Ausbau vorangetrieben werden. Beim Ausbau der erneuerbaren Energien sieht sich die VSE-Gruppe durch die steigende Nachfrage gestärkt. Diese habe im Geschäftsjahr 2023 deutlich zugenommen. Demnach haben Privathaushalte sowie saarländische Unternehmen vor allem auf Photovoltaik-Anlagen gesetzt, getrieben von einem Wunsch nach Energieautarkie und Klimaschutz.

VSE-Gruppe setzt Schwerpunkte bei Windkraft und Breitbandausbau

Einen Schwerpunkt setzt die VSE auf den Ausbau der Windenergie. In dieser Woche sei der Zuschlag zum Bau eines Windparks in Nohfelden-Zallenberg seitens der Bundesnetzagentur verkündet worden, führte Tenge aus. Der Spatenstich könnte noch im laufenden Jahr erfolgen. Insgesamt seien derzeit vier große Windparks in der Planung. Des Weiteren sollen knapp 50 Millionen Euro in den Breitbandausbau fließen, worauf sich die VSE-Tochter Energis-Netzgesellschaft konzentriere. Um möglichst effizient zu arbeiten, werde ein synergetischer Ausbau angestrebt, bei dem Strom- und Glasfasernetze gemeinsam ausgebaut werden, um Kosten zu sparen. Ein Geschäft mit Wachstumspotenzial sehe die VSE-Gruppe außerdem im Bereich Cybersicherheit.

Mit der wirtschaftlichen Entwicklung im vergangenen Geschäftsjahr zeigte sich Dornseifer zufrieden. Wie bereits üblich, schwieg der kaufmännische Vorstand über den Ertrag des Unternehmens und sagte lediglich: „Wir sind zufrieden, mit dem, was wir 2023 für unsere Aktionäre erwirtschaftet haben.“ Der Umsatz der VSE-Gruppe stieg von rund 1,35 Milliarden Euro (2022) auf rund 1,8 Milliarden Euro. Die Zunahme sei unter anderem auf das hohe Energiepreisniveau an den Handelsplätzen in Deutschland und Europa zurückzuführen, so Dornseifer.

Bis 2026 sollen 150 neue Arbeitsplätze geschaffen werden

Der Verkauf von Strom sei im Vergleich zum Vorjahr allerdings zurückgegangen, von 5173 Gigawattstunden (GWh) auf 4824 GWh. Den Rückgang erklärte Dornseifer durch eine tendenzielle Zurückhaltung der Industrie aufgrund des Kriegs in der Ukraine. Für 2024 prognostizierte er jedoch ein Nachlassen des dämpfenden Effekts aufgrund der Energiekrise. „Die Industrie ist wieder am Laufen. Das war in 2023 nicht hundertprozentig der Fall.“

Auf Wachstum setze die VSE-Gruppe nicht nur in puncto Investitionen in die Energiewende, sondern auch bei den Mitarbeiterzahlen. 2023 waren 1656 Mitarbeiter bei der VSE-Gruppe beschäftigt. Bis 2026 sollen 150 weitere Arbeitsplätze geschaffen werden, vor allem im Netz- und IT-Bereich. Um dem Fachkräftemangel entgegenwirken zu können, bildet das Unternehmen über Bedarf aus. Rund 100 Azubis seien derzeit beschäftigt, 40 von ihnen wurden im Vorjahr eingestellt.