Emilio Geis hat sich für die Ausbildung zum Medientechnologen entschieden

Serie Ausbildung : Aus Liebe zum Papier

Früher hieß er Drucker, heute Medientechnologe. Emilio Geis hat sich für diese Ausbildung entschieden.

Geburtstage, Hochzeiten, Todesfälle und Feiertage – zu etlichen Anlässen im Jahr gibt es die passende Grußkarte. Mit goldenen Applikationen, mit bunten Bildern, Ausstanzungen, mit dem passenden Umschlag für das Geldpräsent. Aber wie kommt der ganze Firlefanz eigentlich aufs Papier? Das wird Emilio Geis ab 1. August lernen. Dann startet seine Ausbildung zum Medientechnologen Druckverarbeitung beim Michel Verlag in Ottweiler.

Geis ist der erste Auszubildende in diesem Bereich des Verlags. Trotzdem hat das familiengeführte Unternehmen bereits Erfahrung mit Auszubildenden. Denn mit der direkt angrenzenden Ottweiler Druckerei arbeitet der Verlag eng zusammen, wie Geschäftsleiterin Nina Paul-Wollmann sagt.

Der 17-jährige Emilio Geis ist bei der Druckerei kein Unbekannter. Während er aktuell noch den qualifizierenden Hauptschulabschluss nachholt, bereitet er sich mit einem Berufvorbereitungsjahr (BVJ) an drei Tagen in der Woche schon in den beiden Ottweiler Betrieben auf die Ausbildung vor. Auch Geis’ Mutter Alexandra arbeitet in dem Unternehmen. Der Schüler hat, wie er erzählt, schon in vielen Ferien hier ausgeholfen. Die Arbeit mit Papier macht ihm einfach Spaß, sagt er.

Das Innere des Verlagshauses erinnert fast an ein Museum. Zehn historische Druckmaschinen, „Original Heidelberger“, reihen sich entlang der Fensterfront auf. Die Maschinen wurden allerdings für die Weiterverarbeitung umgebaut, erläutert Paul-Wollmann. Die Karten für den Michel-Verlag kommen mit einfachem Aufdruck aus der Druckerei zum Verlag. Noch ziemlich leer sehen sie aus. Ein roter Marienkäfer auf einem Gänseblümchen und viel weiße Fläche. An einer der Heidelberger Maschinen schraubt ein Mitarbeiter gerade das sogenannte Klischee an, eine Art Stempel aus Metall. „Alles Liebe zum Geburtstag“ ist spiegelverkehrt zu erkennen. Darüber zieht der Mitarbeiter grüne Folie. Das dauert lange und erfordert Fingerspitzengefühl. Die Folie soll am Ende die noch weiße Fläche der Karte zieren.

Vor Kurzem konnte der Verlag, der im vergangenen Jahr sein 90-jähriges Bestehen gefeiert hat, einen Großauftrag an Land ziehen. Seither stapeln sich in jeder Ecke  Weihnachtskarten von Unicef. Für den Auftrag des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen hat das Unternehmen eine neue moderne Maschine angeschafft. Sie schafft mehrere Veredelungen gleichzeitig.

An solchen Maschinen blickt Emilio Geis seinen erfahrenen Kollegen noch über die Schulter. Er bedient zurzeit die Falzmaschine in der Druckerei auf der gegenüberliegenden Seite des Hofs. Einen großen Stapel Grußkarten packt sich der stämmige Jugendliche und hievt sie in die Maschine, die für den Knick in der Karte sorgt. In diesem Beruf muss man sich auch körperlich anstrengen. Und laut ist es zwischen den vielen Maschinen, die alle gleichzeitig rattern, ebenfalls. Allein das Befüllen der Maschine reicht aber nicht aus. Geis hält stets das Display der Maschine im Blick. Läuft sie nicht richtig, muss er nachjustieren. Denn, wie Reiner Hubertus sagt: „Papier ist lebendig“. Der 42-Jährige ist gelernter Buchbinder, Abteilungsleiter Weiterverarbeitung in der Ottweiler Druckerei und verantwortlich für die Auszubildenden. Das Hintergrundwissen dazu wird Emilio Geis in der Berufsschule in Luxemburg lernen. In Deutschland wäre die nächstgelegene Schule in Stuttgart.

Medientechnologen sind in Deutschland rar gesät, weiß Joachim Rauber, der bei der IHK für Aus- und Weiterbildung zuständig ist. Mediengestalter, ein ähnlicher Beruf, wollen hingegen viele erlernen. Die haben nach Raubers Einschätzung Probleme, im Anschluss an die Lehre eine passende Stelle zu finden. Beim Technologen seien die Übernahmechancen jedoch optimal, sagt Rauber zuversichtlich. Hubertus bedauert, dass sich überhaupt immer weniger junge Menschen für einen Ausbildungsberuf entscheiden. „Erst eine Lehre, Studieren kann man immer noch. Es gibt kaum einen Beruf, wo das nicht geht“, appelliert er.

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