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Elektromeister fordert regelmäßige Überprüfung von Elektroanlagen

Brandgefahr hinter der Wand : Gefahr durch alte Elektroanlagen

Saar-Elektromeister Hans-Josef Tonnellier warnt vor „tickenden Zeitbomben“ im Haushalt.

„In vielen saarländischen Haushalten ticken wahre Zeitbomben, weil die Elektroinstallation in einem beklagenswerten Zustand ist.“ Das sagt Hans-Josef Tonnellier – und er muss es wissen. Der Landesfachbereichsleiter Elektrotechnik in der Saar-Innung der Elektrohandwerke schreibt pro Jahr bis zu 100 Gutachten für Gerichte, Kammern und Privatleute. Er kann nicht verstehen, warum eine Überprüfung von Schaltschränken, Sicherungskästen und Leitungen „nicht in regelmäßigen Abständen verpflichtend vorgeschrieben ist“. Denn „beim Schornsteinfeger, der die Heizungen überprüft, oder beim Tüv für das Auto ist eine wiederkehrende Inspektion selbstverständlich“.

Tonnellier kommt in viele saarländische Häuser und Wohnungen, „in denen noch Elektroanlagen aus 1950er bis 1970er Jahre ihren Dienst tun“. Doch damals hätten lediglich Herd und Beleuchtung Strom verbraucht. „Heute sind das eine Vielzahl von Geräten – vom Kühl- und Gefrierschrank über die Geschirrspülmaschine bis hin zum Fernseher sowie verschiedene Computer oder Notebooks“, zählt der Elektromeister auf. An den ursprünglichen Anforderungen orientiere sich auch die Zahl der Steckdosen. Die Folge sei, dass überall Mehrfach-Steckdosen zugeschaltet werden. Die alten Leitungen drohen zu überhitzen. Tonnellier weiß, dass „rund ein Drittel aller Brandschäden in Deutschland auf Mängel in der Elektroinstallation, Überalterung der Elektroanlage, mangelnde Instandhaltung sowie unterlassene Wiederholungsprüfungen zurückzuführen sind“.

Dieses Problem ist nicht auf das Saarland beschränkt. Eine Studie des Zentralverbands Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) kommt zu dem Schluss, dass rund 70 Prozent aller Gebäude, die vor 2006 errichtet wurden, „nicht die Anforderungen an eine Mindestausstattung erfüllen“. Außerdem werde bei Renovierungen lediglich der sichtbare Teil der Installation wie Schalter oder Steckdosen erneuert. „Die Verkabelung bleibt hingegen die alte“, schreiben die Autoren der Studie. Hinter dem Putz sei das Ganze daher so unsicher und gefahrenanfällig wie vorher.

Der Verband setzt sich seit längerem dafür ein, „eine anlassbezogene Überprüfung der Elektroinstallation“ auch in Privathaushalten gesetzlich festzuschreiben, heißt es in einem Forderungspapier. Anlässe könnten ein Eigentümerwechsel, aber auch eine größere Renovierung des Hauses sein. Aber auch wenn Photovoltaik-Panels aufs Dach kommen, ein Stromspeicher oder eine Wärmepumpe installiert werden, müsste die Überprüfung der gesamten Elektroinstallation verpflichtend vorgeschrieben werden. Denn derzeit sei die Hauselektronik auf die Herausforderungen der Energiewende nicht vorbereitet – geschweige denn auf die massenhafte Verbreitung von E-Autos.

Für Tonnellier ist eine anlassbezogene Überprüfung zu wenig. Er fordert sie regelmäßig – alle zehn Jahre und dies gesetzlich vorgeschrieben. „Das technische Rüstzeug dafür ist seit 20 Jahren vorhanden“, sagt er – nämlich der E-Check. Im Rahmen dieses Checks überprüft ein Fachmann, der über die entsprechende Zusatz-Qualifikation verfügt, unter anderem das Elektromaterial, die Leitungen, die Sicherungen und alle anderen Module im Haus. Am Ende muss er ein Prüfprotokoll mit einem Übergabebericht erstellen. In diesem wird der Ist- und Sollzustand der Elektroanlage festgehalten. Macht er eine Gefahrenquelle aus, „muss diese unverzüglich beseitigt werden“, sagt Tonnellier. Dafür müsse der Hausbesitzer haften. „Lässt er die Sache schleifen, verliert er den Versicherungsschutz und macht sich im schlimmsten Fall sogar strafbar.“ Mit dem Begriff E-Check dürfen nur Betriebe werben, die der Landesinnung Saarland der Elektrohandwerke angehören. Alle anderen können diese Überprüfung jedoch auch machen. Bei ihnen heißt sie dann Inspektion der Elektroanlage. Voraussetzung ist auch hier, dass die Fachkraft über die entsprechende Zusatzqualifikation verfügt.

„Die Elektroanlage zu Hause – eine tickende Zeitbombe!?“ ist Thema einer Presseclub-Veranstaltung am heutigen Dienstag, 9. Juli, um 20 Uhr in den Presseclub-Räumen (Gerberstraße 16, Saarbrücken). Referent ist Hans-Josef Tonnellier, Landesfachbereichsleiter Elektrotechnik in der Saar-Innung der Elektrohandwerke.