Einzelhandel im Saarland rechnet mit Rekordgeschäft an Weihnachten

Kostenpflichtiger Inhalt: Große Erwartungen : Saar-Weihnachtsgeschäft vor neuen Rekorden

Die Saarländer geben 2019 mehr für Geschenke aus. Elektronik, Beauty- und Modeartikel, Schmuck, Bücher sowie Gutscheine sind stark gefragt.

Die Deutschen lassen es sich zu Weihnachten gut gehen und geben in diesem Jahr für Geschenke mehr Geld aus. So rechnet der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) in Berlin damit, dass beim Umsatz die Marke von 100 Milliarden Euro überschritten wird. Handelsexperte Stefan Hertel vom HDE nennt konkret die Zahl 102 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr waren es noch 99,4 Milliarden Euro. Als Gründe für den erneuten Anstieg sieht Hertel eine insgesamt gute wirtschaftliche Lage, einen stabilen Arbeitsmarkt, gestiegene Gehälter sowie eine bei vielen vorhandene Zuversicht in die nähere Zukunft. Am, häufigsten würden Elektroartikel wie beispielsweise Fernseher oder Smartphones der neuesten Generation, Spielwaren, Lebensmittel sowie Schmuck unter den Weihnachtsbaum gelegt.

Einen neuen Trend hat Michael Genth vom Verein für Handel und Gewerbe in Saarbrücken entdeckt. Der Geschenk-Gutschein, zu dem früher oft als Verlegenheitslösung gegriffen worden sei, habe sich längst zu einer ganz bewussten Entscheidung entwickelt. Man gehe gemeinsam mit dem Beschenkten das Passende aussuchen und verbinde das gleich noch mit einem Besuch des Weihnachtsmarktes.

Genth ist zugleich davon überzeugt, dass in der heute immer hektischeren Zeit speziell an Weihnachten viele zu einem Gegenentwurf greifen. Dabei komme die Wertschätzung gegenüber geliebten Menschen noch vor dem Verschenken. Dennoch erkennt Genth „eine jahreszeitlich gute Konsumlaune der Saarländerinnen und Saarländer“. Das Weihnachtsgeschäft 2019 steuere auf einen neuen Rekord zu. Zudem lockten viele Städte noch mit Aktionen wie dem „Late Night Shopping“ kurz vor dem Fest.

Verschenkt werden nach Beobachtung von Genth in diesem Jahr vor allem Beauty-Artikel. „Viele verwöhnen sich dabei auch selbst“, sagt er. Auch Wohnaccessoires seien beliebt. Ein Klassiker unter dem Weihnachtsbaum bleibe Schmuck.

Wer glaubt, in der heutigen Zeit seien nur noch elektronische Bücher gefragt, irrt offensichtlich. „Das gedruckte Buch ist nach wie vor ein Renner“, sagt Aline Klein, Abteilungsleiterin der Pieper-Buchhandlung in Saarlouis. Zu Weihnachten setzen die Saarländer, wen mag das überraschen, häufig auf Kochbücher, etwa das neue Werk des Blieskasteler Sternekochs Cliff Hämmerle. „Essen und Genießen stehen an erster Stelle der Geschenke“, sagt Klein, gefolgt von den Themen gesunde Ernährung, Fitness und Sport. Aber etwa auch der neue Thriller von Sebastian Fitzek „Das Geschenk“ entpuppe sich als Verkaufsschlager.

Zum Fest geben sich viele Saarländerinnen und Saarländer auch modebewusst. Norbert Schoser, Einkäufer im Modehaus Ronellenfitsch in Merzig, berichtet davon, dass bei den Weihnachtseinkäufen ein noch größerer Wert auf Qualität gelegt wird. Die Verbraucher seien auch bereit, für diese Qualität mehr Geld auszugeben. Bei jungen und älteren Menschen gleichermaßen beliebt seien derzeit Anzüge. Einziger Unterschied: Junge Leute setzten auf figurbetonte, eher enge Anzüge, während es bei den „älteren Semestern“ eher klassisch bequem zugehen darf.

Wie zu erfahren ist, finden sich unter so manchem Weihnachtsbaum auch Gutscheine für Kurzreisen, Massagen, Wellness sowie Wochenenden in Hotels im Saarland und in Rheinland-Pfalz. Auch Einladungen zu Restaurantbesuchen werden verschenkt. Dass es die meisten Saarländer zu genießen verstehen, zeigt sich auch an einer Vorliebe zum Verschenken von Wein. Frank Roeder, Master of Wine und Chef von „VIF Wein erleben“ in Völklingen, hat einen besonderen Geschenktipp. Er schwört momentan auf einen hochwertigen Madeira, der zwischen fünf und zehn Jahren heranreife. Er entwickele eine große Aromenvielfalt, die lange anhalte. Eine solche Flasche sei mehrere Monate ohne Qualitätsverlust genießbar. Als „Weltklasse“ bezeichnet Roeder einen Crémant aus Luxemburg von der Domaine Alice Hartmann. „Der ist so spektakulär: ich kenne weltweit keinen besseren Crémant.“ Schon mit wenig Geld könne man Verwandten und Freunden mit Wein eine Freude zu Weihnachten machen. Doch auch nach oben seien keine Grenzen gesetzt. Roeder kennt einen Kunden, der für eine besonders edle Flasche 5000 Euro ausgegeben hat. Der Rekord liege bei 25 000 Euro. Doch diese Flasche sei leider nicht von ihm verkauft worden.