Projekt Trasaar Ein Netzwerk für die Transformation der Automobilindustrie im Saarland

Saarbrücken · Mit einem Netzwerk für Transformation, abgekürzt Trasaar, soll insbesondere Mitarbeitern in der Automobil-Branche im Saarland ein Wechsel in andere Berufe erleichert werden. Das Projekt wird mit 7,1 Millionen Euro aus dem Zukunftsfonds Automobilindustrie des Bundeswirtschaftsministeriums gefördert – und nimmt jetzt Fahrt auf.

Rund 42 000 Menschen arbeiten im Saarland im Fahrzeugbau wie etwa bei Ford in Saarlouis (Foto). Das Netzwerk Trasaar soll den Umbau der Autoindustrie in Richtung Elektromobilität und die Anpassung der Unternehmen an die Vorgaben des Klimaschutzes erleichtern.

Rund 42 000 Menschen arbeiten im Saarland im Fahrzeugbau wie etwa bei Ford in Saarlouis (Foto). Das Netzwerk Trasaar soll den Umbau der Autoindustrie in Richtung Elektromobilität und die Anpassung der Unternehmen an die Vorgaben des Klimaschutzes erleichtern.

Foto: BeckerBredel

Dass die saarländische Wirtschaft vor einem gewaltigen Strukturwandel steht, ist eine Binsenweisheit. Digitalisierung, Umbau der Autoindustrie Richtung Elektromobilität und Anpassung der Unternehmen an die Vorgaben des Klimaschutzes sind Standards politischer Sonntagsreden. Die Arbeitnehmer stresst das gewaltig. „Was kommt da auf mich zu?“, fragen sich viele.

Um hier Antworten zu finden, bildet sich derzeit im Saarland ein Netzwerk für Transformation, abgekürzt Trasaar. Gefördert wird es mit 7,1 Millionen Euro aus dem Zukunftsfonds Automobilindustrie des Bundeswirtschaftsministeriums. Trasaar ist auf dreieinhalb Jahre (bis Mitte 2025) angelegt und startete bereits Anfang 2022. Wegen Wahlkampf-Eifersüchteleien der Saar-Großkoalitionäre CDU und SPD, von denen sich jeder das Projekt ans Revers heften wollte, wurde es offiziell erst Ende September auf Kiel gelegt.

Doch jetzt soll Tempo reinkommen – vor allem im Fahrzeugbau. „Dort ist der Anpassungsdruck besonders groß“, sagt Mario Knaf, der Trasaar betreut. „Rund 42 000 Menschen arbeiten im Saarland in dieser Branche. Zahlreiche Arbeitsplätze hängen an der Produktion von Autos mit Verbrenner-Motor.“ Auf der anderen Seite sollen in der EU in 13 Jahren nur noch klimaneutrale Autos zugelassen werden, von denen die große Mehrzahl elektrisch angetrieben werden soll. „Wir wollen diejenigen Unternehmen, die Mitarbeiter freisetzen, mit denen zusammenbringen, die Leute suchen“, sagt Harry Laufer, Geschäftsführer der landeseigenen Gesellschaft für Transformationsmanagement Saar (Gets), die Trasaar an Land gezogen hat und für das Projekt verantwortlich zeichnet.

Trasaar soll keine Mega-Arbeitsagentur oder Umschulungs-Anbieter werden. „Wir wollen ein Netzwerk bilden und die jeweiligen Partner zusammenbringen“, sagt Knaf. Den engeren Kreis dieses Netzes bilden sechs Projektpartner, von denen einige bereits Hausaufgaben im Tornister haben: die Industrie- und Handelskammer (IHK) soll das Thema Infrastruktur und Standortqualität bearbeiten, die Arbeitskammer, die bereits das Weiterbildungsportal Saarland betreibt, soll sich um die Qualifizierungs-Anforderungen kümmern. Der Verein Autoregion, bei dem mehr als 200 Unternehmen, Forschungsinstitute und Verbände mit Schwerpunkt Automotive in der Großregion Saar-Lor-Lux-Wallonie und Rheinland-Pfalz Mitglied sind, wird die Chancen des Energieträgers Wasserstoff und der Brennstoffzelle für die Mobilität der Zukunft analysieren und untersuchen, welches Potenzial bei der Herstellung und dem Recycling von Batterien für Elektroautos gehoben werden können. Die Transformationswerkstatt Saar der Gewerkschaft IG Metall soll dafür sorgen, dass das Thema Mitbestimmung nicht zu kurz kommt. Weitere Projektpartner sind das Saar-Wirtschaftsministerium und das Zentrum für Mechatronik und Automatisierungstechnik (Zema), eine Forschungsausgründung der Saar-Universität und der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW). Dort untersuchen Forscher unter anderem, wie die Zusammenarbeit des Produktionsmitarbeiters mit dem Kollegen Roboter in der Fabrik der Zukunft ablaufen könnte. Ein weiteres Teilprojekt, das noch keinem Partner zugeordnet ist, soll sich mit Automatisierung und Digitalisierung beschäftigen. Ein Lenkungskreis der Partner soll dafür sorgen, dass das Ganze nicht ausfasert. Für die Alltagsarbeit ist ein 14-köpfiges Team unter der Leitung von Mario Knaf zuständig. Die Frauen und Männer kommen von Trasaar und den Partnern. Damit alle Projektträger über ein solides und einheitliches Wissen verfügen und sich Informationen nicht mühsam zusammensuchen müssen, sollen Studien in Auftrag gegeben werden. Sie befassen sich unter anderem mit der „Zukunft der Automobilindustrie im Saarland“, den „industriellen Wertschöpfungspotenzialen von Wasserstoff“, mit „Wasserstofftankstellen“ und einer „Leitbaustrategie für das Saarland“. Die Leichtbauweise ist darauf ausgerichtet, unter anderem im Automobil- und Maschinenbau mit dem optimalen Einsatz von Ressourcen möglichst viel Gewicht zu sparen. Untersuchungen gehen davon aus, dass das Marktpotenziale allein in diesen beiden Branchen bei weit über 100 Milliarden Euro pro Jahr liegt. „Auch diese Technologie könnte für saarländische Unternehmen interessant werden“, sagt Laufer. Als nächstes will Trasaar an die interessierte Öffentlichkeit gehen – in Form von Info-Veranstaltungen, Branchentreffen, Themen-Workshops und Experten-Runden.

Nähere Infos unter www.trasaar.saarland, E-Mail: Info@trasaar.saarland, Telefon (06 81) 38 75 11 00

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