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Saarbrücken
Eifler-Mitarbeiter kämpfen vor Gericht weiter

 Nach der Übernahme durch die Cablex-Gruppe wirbt Eifler mit dem Namen Cablex DE.
Nach der Übernahme durch die Cablex-Gruppe wirbt Eifler mit dem Namen Cablex DE. FOTO: Ruppenthal
Saarbrücken . Ex-Beschäftigte gehen davon aus, dass Aktivitäten arglistig und zu Lasten der Mitarbeiter von den Eignern ausgelagert worden sind. Von Joachim Wollschläger
Joachim Wollschläger

Mehrere der früheren Mitarbeiter der Firma Dieter Eifler GmbH & Co KG wehren sich weiter vor Gericht gegen ihre Kündigungen. Sie waren mit der Begründung entlassen worden, dass der Betrieb geschlossen wird. Aus Sicht der Mitarbeiter hat es aber gar keine Betriebsschließung gegeben, sondern die Firma Eifler wird letztlich in der Cablex DE GmbH weitergeführt. Damit sei die Kündigung nicht wirksam.


Weil bei einem Betriebsübergang die Mitarbeiter übernommen werden müssen, war das gestern vor dem Arbeitsgericht in Saarbrücken die kritische Frage: Hat bei dem Kabelbaumproduzenten Eifler aus Nohfelden ein solcher stattgefunden oder nicht? Während die Anwälte der klagenden Mitarbeiter genau davon ausgehen, ist der Anwalt des Unternehmens der Ansicht, dass die Firma stillgelegt wurde.

Die Vorgeschichte beginnt schon im Frühjahr des vergangenen Jahres: Im April 2018 hatte der frühere Firmeninhaber Dieter Eifler sein Unternehmen an die slowenische Cablex-Gruppe verkauft. Aber während das Cablex-Management nach der Übernahme sowohl gegenüber den Mitarbeitern als auch Kunden von einer großartigen Zukunft sprach, änderte sich die Lage innerhalb weniger Wochen. Eifler habe bei der Übernahme kurz vor dem Bankrott gestanden, sagte Cablex-Finanzchef Mitja Florjanic im Herbst des Jahres gegenüber unserer Zeitung. Die Gesellschafter beschlossen, den Betrieb einzustellen. Sämtliche Mitarbeiter erhielten am 28. August ihre Kündigung. Abfindungen gab es ebensowenig wie einen Sozialplan – da es im Unternehmen nie einen Betriebsrat gab, hatten die Mitarbeiter auch keinen entsprechenden Schutz.



Heute vermuten die Mitarbeiter, dass die Cablex-Gruppe die Firma nur gekauft habe, um sich die lukrativen Eifler-Aufträge zu sichern. Das Unternehmen fertigte Kabelbäume unter anderem für den Hausgerätehersteller Miele sowie die Autozulieferer ZF und Delphi. Die Cablex-Gruppe mit Werken in mehreren Ländern war ein wichtiger Konkurrent von Dieter Eifler.

Ein zentraler Ansatz in der Verteidigung der Mitarbeiter sind Unstimmigkeiten in der Benennung. Denn schon kurz nach der Übernahme firmierte Eifler als Cablex DE. Ein großes Schild an der Halle kündete davon. Gleichzeitig tauchte unter anderem auf der Internet-Seite des Cablex-Konzerns zeitweise die Firmierung Cablex-DE GmbH & Co KG auf. In einer Güteverhandlung im Oktober vor dem Arbeitsgericht in Saarbrücken hatte Eifler-Anwalt Georg Wohlleben angegeben, die Cablex GmbH sei nicht existent. Es sei zwar eine Umfirmierung geplant gewesen, zu dieser sei es aber wegen der Betriebsschließung nicht gekommen.

Die Mitarbeiter-Anwälte argumentieren nun, dass es diese Firma durchaus gab und dass sie offensichtlich den Betrieb von Eifler weiterführt. Tatsächlich ist am 6. September 2018 eine Cablex DE GmbH gegründet worden. Und zwar vom Eifler-Geschäftsführer Theodor Krautmann an seinem Heimatwohnsitz in Schweich. Die Eintragung im Handelsregister wurde aber erst im Februar veröffentlicht. „Wir gehen hier von arglistigem Verschweigen der Gründung aus“, sagte dazu Anwalt Lukas Lehnen. Und Fotos, die Mitarbeiter in den vergangenen Wochen anfertigten, zeigen, dass der Betrieb der Firma mitnichten zum Ende November stillgelegt wurde, wie es Finanzdirektor Florjanic ursprünglich angekündigt hatte, sondern dort noch immer Tätigkeiten stattfinden.

Während Wohlleben als Vertreter der slowenischen Eigner Fotos präsentierte, die nach dessen Aussagen leere Produktionshallen und leere Aufenthaltsräume zeigen, gehen die Anwälte der Mitarbeiter davon aus, dass das Eifler-Geschäft unter Cablex-Firmierung in Teilen weiterläuft. Wohlleben argumentiert, dass nur noch Restarbeiten für die Firma Eifler wie die Lohnabrechnungen und Jahresabschlüsse in den Räumen erstellt werden. Klägeranwalt Lehnen präsentierte dagegen eine Visitenkarte der Cablex DE GmbH, die als Firmensitz die Eifler-Adresse in Nohfelden angibt.

Dass es eine engere Verknüpfung zwischen Eifler und der neuen Cablex DE gibt, legen auch Aussagen früherer Mitarbeiter am Rande der Verhandlungen vor Gericht nahe. Demnach habe Eifler auch in der „Aufräumphase“ noch Großbestellungen bei Lieferanten in Auftrag gegeben, die weit über die Schließung hinaus ausreichen. Außerdem habe eine Bereichsleiterin, die Ende Oktober offiziell ihren Ausstand feierte, anschließend als Mitarbeiterin bei der Cablex GmbH Weisungen an ihre ehemaligen Eifler-Untergebenen erteilt. Mit Billigung des Eifler- und Cablex-Geschäftsführers Krautmann. Auch würden zahlreiche Ex-Eifler-Mitarbeiter jetzt bei Cablex arbeiten. Einige davon im Eifler-Gebäude, hieß es. Gerade wegen solcher Vorgänge ist Anwalt Lehnen überzeugt, dass der Fall Eifler/Cablex noch lange nicht abgeschlossen ist.

Das Gericht war gestern geteilter Meinung. Eine Kammer hat die Klage nach Aussage der Gerichtssprecherin abgewiesen. Bei einem anderen Fall ist ein weiterer Verhandlungstermin angesetzt worden.