"East Side Fab" - Innovationszentrum für das Saarland in Saarbrücken

Hier sollen Kompetenzen gebündelt werden : Saarland eröffnet neues Innovationszentrum in Saarbrücken

Im „East Side Fab“ sollen Firmen gemeinsame Digitalstrategien entwickeln. Für die nächsten vier Jahre sind Kosten von bis zu 3,1 Millionen Euro veranschlagt.

Das saarländische Wirtschaftsministerium eröffnet am Montag in Saarbrücken einen neuen Treffpunkt für etablierte Unternehmen wie die Hager Group, Kreative und die Gründerszene in der Region. Das sogenannte „East Side Fab“ umfasst 300 Quadratmeter auf einer umgebauten Fabriketage im Osten der Landeshauptstadt.

„Das East Side Fab soll Netzwerk, Raum für Querdenker und Innovations-Vulkan zugleich sein“, sagt Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger (SPD). „Es ist als Think Tank für Unternehmen zu verstehen, um gemeinsame Projektideen zu entwickeln, die das Saarland voranbringen.“ Das „East Side Fab“ komme zur richtigen Zeit, ließ die Ministerin verlauten. Sie verspricht sich „regionale Impulse für digital geprägte Wertschöpfungen“.

Wo früher Elektromotoren gefertigt wurden, hat das Ministerium nun eine „innovative Interaktions- und Entwicklungswerkstatt“ eingerichtet – so steht es in der Presseeinladung. Das „East Side Fab“ lässt sich das Haus von Rehlinger in den nächsten vier Jahren bis zu 3,1 Millionen Euro kosten. Wie viel genau, das dürfte auch davon abhängen, wie lebendig es im „Fab“ zugeht. Denn die Landesgelder sollen nach Angaben des Ministeriums hauptsächlich in die „Förderung von innovativen Projekten“ fließen.

Möglicherweise wird schon bei der heutigen Eröffnung ein Verein gegründet, der das „East Side Fab“ tragen soll. Bisher kümmert sich eine Mitarbeiterin der Landesentwicklungsgesellschaft um das Projekt. Das genutzte Fabrikgebäude gehört einer Tochter der SHS-Strukturholding Saar.

Dem neuen Trägerverein werden saarländische Firmen wie Hager und die OBG Gruppe angehören. Sie sollen an dem neuen Standort in Saarbrücken gemeinsame Vorhaben entwickeln. Das Helmholtz-Zentrum für Informationssicherheit (Cispa) wird sich ebenfalls an dem Projekt beteiligen. Ob auch das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) mit an Bord sein wird, war am Wochenende nicht zu erfahren. Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) traut beiden Instituten „erhebliche Ausgründungsaktivitäten“ zu.

Rehlinger hatte bereits im August nach einer Klausur der Saar-SPD ein Positionspapier vorgelegt, in dem sie einen „Innovations-Vulkan“ ankündigte – als „Zentrum für Kreativität und Unternehmergeist“, wie es hieß. Damit dürfte die stellvertretende Regierungschefin das neue „East Side Fab“ gemeint haben.

Denn das Vorhaben gehört auch zu jenen Projekten der Landesregierung, die im Januar in den Abschlussbericht der Kohlekommission aufgenommen worden waren. Im Anhang des Papiers konnte die große Koalition aus CDU und SPD mit Blick auf den Kohleausstieg insgesamt elf „Vorschläge für mögliche Strukturhilfen des Bundes zugunsten des Saarlandes“ platzieren – darunter den Aufbau einer Auto-Uni. Das „East Side Fab“ wird im Abschlussbericht als Förderprogramm genannt, um sogenannte „Hub-Strukturen“ zu schaffen – also Netzwerke oder Drehkreuze zwischen bekannten Unternehmen und Start-Ups.

Ob es für das „East Side Fab“ auch Gelder aus Berlin geben wird, vermag derzeit niemand zu sagen. Denn ein Verteilungsschlüssel für die Kohlehilfen, die dem Land zukommen sollen, fehlt noch. Die Arbeitskammer rechnet mit 242 Millionen Euro bis 2038 – also 13 Millionen Euro jährlich. Aus dem Wirtschaftsministerium war am vergangenen Freitag zu hören, dass der geplante Trägerverein des „East Side Fab“ sich für einzelne Projekte um Fördermittel beim Bund bemühen könnte.

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