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Doris Woll, Chefin der Investitionskreditbank SIKB, zur Frauenquote

Interview Doris Woll : Bank-Chefin sieht Frauenquote kritisch

Doris Woll, Vorstandsvorsitzende der SIKB, ist davon überzeugt: Auch ohne Quote werden Bankvorstände bald weiblicher.

Doris Woll ist seit 2014 Vorstandsvorsitzende der Saarländische Investitionskreditbank (SIKB). Damit stellt sie als Frau an der Spitze einer saarländischen Bank eine Ausnahme dar. Im SZ-Interview erzählt sie, warum immer mehr Bankmitarbeiterinnen im Kreditbereich arbeiten, und warum sie eine Quote bei Vorständen für den falschen Weg hält.

Frau Woll, eine Auswertung von Barkow zeigt, dass viele Frauen im Banksektor arbeiten, jedoch sind sie in Leitungspositionen unterrepräsentiert.  Sie arbeiten schon länger in dieser Branche. Hatten sie auch viele Kolleginnen, aber selten Chefinnen?

Doris Woll: Bevor ich 2014 Vorstandsvorsitzende der SIKB geworden bin, habe ich 25 Jahre lang bei der Sparkasse Saarbrücken gearbeitet und dort eine sehr klassische Laufbahn verfolgt. Ich war aufgrund meiner Ausbildung immer im Kreditgeschäft tätig. Zu dieser Zeit, Ende der 1980er Anfang der 1990er Jahre, waren die Führungskräfte in allen Etagen überwiegend männlich. Das war auch der Fall in den meisten anderen Instituten. Das hat sich erst in den letzten 20 Jahren verändert. Das hängt vor allem mit den veränderten gesellschaftlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen zusammen. Mittlerweile ist das Bild ein anderes.

Wie kann man sich das in internen Organisationen der Banken vorstellen, gibt es bestimmte Bereiche, die von Männern dominiert werden und andere von Frauen?  Ist das für den Aufstieg entscheidend?

Woll: Früher waren die Familienbilder klassisch aufgestellt und Frauen haben entweder gar nicht oder in Teilzeit gearbeitet. Deshalb sind viele Frauen in das Privatkundengeschäft eingestiegen. Mittlerweile arbeiten aber auch viele von ihnen zum Beispiel im Firmenkundengeschäft, was früher eher eine männliche Domäne war. Auch das ist im Wandel.

Sie sprechen von Wandel, was hat sich in den letzten Jahren konkret geändert?

Woll: Bis vor rund 20 Jahren herrschte meistens das klassische Familienmodell vor: Die Männer arbeiteten und spätestens wenn das erste Kind kam, kümmerten sich die Frauen mehrheitlich um Erziehung und Familie. Diese Diskussion habe ich zum Beispiel auch geführt, als meine Tochter vor 16 Jahren zur Welt kam. Das hat sich heute verändert. Junge Familien haben immer mehr ein modernes Rollenverständnis. Es gibt immer mehr Frauen, die nach der Geburt ihrer Kinder ihren Beruf auch in Vollzeit ausüben können und wollen. Männer und Frauen organisieren die Aufgaben in der Familie partnerschaftlich. Aufgrund ihrer Präsenz auch in der Kreditwirtschaft sind Frauen dadurch sichtbarer geworden und übernehmen immer öfter Führungspositionen.

Wie schwer war es für Sie persönlich auf Ihre aktuelle Position als Vorstandsvorsitzende zu kommen?

Woll: Für mich persönlich war es nicht schwerer als für männliche Kollegen, die eine Vorstandsposition anstreben. Ich bin eine Verfechterin des Leistungsprinzips. Mir hat mein Beruf immer sehr viel Spaß gemacht und ich habe mich auch Herausforderungen gestellt. Ich hatte immer Förderer, die Leistungen wahrgenommen und mir die nächsten Schritte ermöglicht haben. Das Quäntchen Glück gehört natürlich dazu. Aber fest steht: Man darf sich nicht verstecken. Man muss sichtbar sein und Leistung zeigen und manchmal Positionen auch einfordern. Ich studierte 2001 an der Sparkassenakademie in Bonn. Als ich nach dem Studium in die Sparkasse zurückkam, hatte ich noch keine Kinder. Ich habe dann den Sanierungsbereich bei der Sparkasse Saarbrücken aufgebaut und geleitet. Während dieser Zeit kam meine Tochter auf die Welt und es wurde nicht zum Problem. Wenn man als Frau mit Kindern eine Leitungsposition anstrebt, muss natürlich die Familienkonstellation passen, es braucht ein stabiles Netzwerk für alle Fälle. Außerdem muss man selbst loslassen können und vor allem braucht es im privaten Umfeld viel Unterstützung, d.h. der Partner muss die Entscheidung mittragen, mein Mann hat mich immer unterstützt.

Gilt das nicht das Gleiche für Väter? Sie haben doch Kinder.

Woll: Mittlerweile herrschen moderne Familienbilder vor. Hier in unserer Bank nehmen immer mehr Väter Elternzeit und bleiben bis zu einem Jahr zu Hause, um den Frauen den Wiedereinstieg zu vereinfachen. Auch verantworten Frauen Führungspositionen in Voll- aber auch in Teilzeit. Jeder, egal ob Mann oder Frau, muss für sich selbst definieren, welche Ziele man persönlich oder als Familie anstrebt. Das hängt natürlich auch davon ab, nach welchen Werten man seine persönlichen Ziele definiert. Das gibt es kein Richtig oder Falsch, sondern es ist eine Entscheidung, die jeder sehr persönlich trifft. Die Verantwortung bei einer Bank eine große Abteilung zu leiten, beinhaltet auch immer eine zeitliche Dimension die einen oft zu 100 Prozent beansprucht, das bedeutet oftmals auch, dass man erst später am Abend zu Hause sein kann.

Denken Sie also, wir werden in den nächsten Jahren mehr weibliche Vorstände im Bankbereich sehen?

Woll: Ja, davon bin ich überzeugt. Die Vorstände, die wir jetzt deutschlandweit sehen, kommen meist noch aus der Baby-boomer-Generation. Jetzt folgt die Generation „x“ und man sieht, dass immer mehr Frauen Führungspositionen übernehmen, die Familien organisieren sich gleichberechtigt.

Um wieder auf die Bank zurückzukommen. Ist das ein Problem, dass die Vorstände derzeit überwiegend mit Männern besetzt sind?

Woll: Ich habe immer gut mit männlichen Kollegen zusammengearbeitet. Ich habe es nicht erlebt, dass Nachteile entstehen, weil zurzeit noch viele Männer die Vorstände bilden. In der Zusammensetzung der Führungsteams denke ich aber schon, dass gemischte Teams besser funktionieren.

Was halten Sie von der Frauenquote für Unternehmensvorstände?

Woll: Die Quote kann ein möglicher Weg sein. Ich stehe der Quote sehr kritisch gegenüber. Ich habe für mich in Anspruch genommen, mich über Leistung und Qualifikationen zu positionieren. Ob die Quote dabei hilft mehr Frauen in Vorstandsetagen zu bringen, das bleibt unter Beweis zu stellen. Doch per se eine Quote zu definieren, halte ich für schwierig. Zuerst müssen die Skills und die Fachlichkeit stimmen. Das ist die Eingangsvoraussetzung. Das gilt meiner Meinung nach für alle Berufe. Wenn das stimmt, dann kann man den nächsten Schritt gehen, unabhängig vom Geschlecht.