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Dileb Maschinenbau in Lebach hat eine neue Führung

Kostenpflichtiger Inhalt: Unter neuer Führung : Stahlkolosse aus Lebach

Handydisplays, Gießpfannen, Protonenbeschleuniger – der Maschinenbauer Dileb aus Lebach zeigt, wie diese Aufzählung zusammenpasst.

Funken sprühen, der Lichtstrahl ist zu hell für die Augen. Ein Mitarbeiter des Schwermaschinenbauers Dileb verschweißt Fugen am Boden einer Gießpfanne. Fünfeinhalb Meter im Durchmesser, rund 400 Tonnen flüssigen Stahl soll sie einmal fassen können. Mit dem Schweißerhelm mit dicken gelben Schläuchen, die zum Atemschutz-Gerät auf seinem Rücken führen, erinnert er an einen Raumfahrer. „Die Gießpfannen sind einer der Dauerbrenner“, sagt Geschäftsführer Roman Quirin beim Rundgang durch die Hallen auf dem ehemaligen Bahnhofsgelände. Vier Stück davon kann Dileb im Jahr produzieren – zwei kleine und zwei große – für Kunden wie etwa Thyssen-Krupp.

Zusammen mit Ronie Zimmermann hat Quirin Ende vergangenen Jahres die Mehrheitsanteile vom bisherigen Eigner, der Dillinger Sigma-Gruppe, übernommen. Quirin war davor schon Dileb-Geschäftsführer, Zimmermann beim Walzwerk-Ausrüster Plakoma in Nalbach beschäftigt. Sie kennen sich schon lange. Gemeinsam wollen sie nun in den nächsten zwei bis drei Jahren 1,5 Millionen investieren unter anderem in neue Maschinen, wie ein neues Bohrwerk – aber auch in Mitarbeiter. Als sie die Firma im Oktober übernommen haben, seien 49 Mitarbeiter fest angestellt gewesen, sagt Quirin, inzwischen seien es 65. Vier bis fünf Lehrlinge wollen sie ausbilden. Zwei Auszubildende haben sie von den insolventen Gusswerken Saarbrücken übernommen, denen Ende des Monats wahrscheinlich das Aus bevorsteht.

Die größten Gießpfannen, die Dileb in Lebach bearbeitet, können bis zu 400 Tonnen flüssigen Stahl fassen. Foto: Dileb/Altjohann/Artbund

Eine der Kernkompetenzen des Unternehmens sei das Herstellen von Heizplatten, sagt Zimmermann. Neben Stützpfeilern für Kräne und einem Werkzeugtisch für einen Automobilzulieferer sind sie gleich am Eingang gestapelt. In eine Metallplatte werden Löcher gefräst. Die Enden werden wieder verschlossen. So entstehe im Inneren ein Röhrensystem, durch das später Öl oder ein anderes Material zum Heizen – oder auch Kühlen – verwendet werden kann, erläutert Zimmermann. Mit den Platten werden dann etwa Handydisplays gepresst. Diese Technik hat Tradition im Unternehmen. Der Name Dileb ist eine Zusammensetzung von Dieffenbach und Lebach. Dieffenbach, ein Hersteller von Spanplatten, war es, der die Firma 1969 ins Saarland brachte. Heute wird die Technik auch für Glasscheiben, Kreditkarten oder zum Pressen der einzelnen Lagen von Handydisplays verwendet – etwa bei Apple sagen die Geschäftsführer.

Die Materialien kauft Dileb zu. Wenn möglich lokal, betonen Zimmermann und Quirin, etwa von der Dillinger Hütte oder dem Partner Brück aus Ensheim, andere Teile kommen aber auch aus Italien oder Japan. Auf dem Hof lagern allerdings nur wenige Materialien. Denn Dileb fungiert als Auftragsunternehmen und produziert in der Regel nicht in Massen.

Schweißen, bohren, fräsen – da­rauf sind die Lebacher spezialisiert. Die Bearbeitung von Großbauteilen bis zu 36 Meter in der Länge und bis zu 200 Tonnen Stückgewicht ist möglich. Im Saarland gebe es kein vergleichbares Unternehmen, sagt Quirin. Das wohl außergewöhnlichste Objekt, das Dileb zurzeit herstellt, passt auf den ersten Blick nicht ins Portfolio des Maschinenbauers: ein Protonenbeschleuniger zur Krebsbehandlung. Experten zufolge ermöglicht es die Methode, auch tief im Innern des Körpers liegende Tumoren gezielt zu bestrahlen. Allerdings kommt eine Ionenstrahltherapie nur für bestimmte Tumoren infrage. Zudem ist der Bau der Anlagen sehr teuer. In Deutschland und weltweit gibt es sie nur an wenigen spezialisierten Krebszentren.

Ein Jahr brauchen die unterschiedlichen Teams in den Lebacher Hallen, um die rund 150 Tonnen schwere Anlage fertigzustellen – vom Stahlbau über Montage bis hin zur Elektronik. Die Herausforderung ist dabei laut Quirin die Protokollierung. Die Herkunft und Verarbeitung jedes einzelnen Teilchens des medizinischen Geräts müsse nachvollziehbar sein, sagt er.

Die Auslieferung solch massiv großer und schwerer Teile stellt das Unternehmen vor besondere logistische Herausforderungen. Als Vorteil sehen die Geschäftsführer dabei die Nähe zum Dillinger Hafen. Von dort finden die Teile über die Saar ihren Weg in die Welt. Ein größeres Projekt, das dieses Jahr ansteht, ist eine Rohrschweißanlage, die Ende des Jahres in die USA geliefert werden soll. Dileb erwartet einen großen Schwertransport zum Hafen im letzten Quartal. Denn ein Bauteil soll 230 Tonnen auf die Waage bringen.

Je nach Auftragsvolumen erwirtschaftet Dileb den Geschäftsführern zufolge im Jahr zwischen zwölf und 14 Millionen Euro Umsatz.