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Die SaarLB weitet das Geschäft in Frankreich aus

Kostenpflichtiger Inhalt: Landesbank auf Rekordkurs : Wie sich die SaarLB gegen Krisenzeiten wehrt

2019 könnte für die Landesbank ein Rekordjahr werden. Vorstandschef Thomas Bretzger sieht viel Potenzial in der Großregion.

Bei der SaarLB gibt man sich grundsätzlich gerne beherrscht. Zurückhaltung in der öffentlichen Darstellung gehört zum Geschäftsmodell der Banker. Doch angesichts der jüngsten Geschäftsentwicklung im ersten Halbjahr 2019 hört man selbst beim neuen Vorstandsvorsitzenden Thomas Bretzger, der seit Anfang 2018 an der Spitze der Landesbank mit ihren rund 500 Mitarbeitern steht, ein wenig Euphorie heraus. „Im Vergleich der letzten Jahre sind wir auf einem Rekordkurs“, sagt er. Vorstand Frank Eloy drückt es noch eine Spur volkstümlicher aus. „Ein Hammer“ sei das. Womit beide das Gleiche meinen: mit Stand 30. Juni 2019 ist es der SaarLB erstmals seit vielen Jahren gelungen, auf insgesamt zehn Milliarden Euro Kreditbestand im Kundengeschäft zu kommen.

Alleine im ersten Halbjahr 2019 kamen noch einmal über eine Milliarde Euro hinzu. Das Geschäft verteilt sich zu 62 Prozent auf Deutschland und zu 38 Prozent auf Frankreich. Zudem gelang es der SaarLB, ihre Kapitalbasis im ersten Halbjahr weiter zu stärken und Kosten abzubauen. Das Ergebnis vor Steuern erreichte 42,4 Millionen Euro und liegt damit deutlich über dem Vorjahr. Auch der Zinsüberschuss stieg im ersten Halbjahr auf 64,5 Millionen Euro gegenüber 63,8 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Die Bilanzsumme der Bank erreichte 15,3 Milliarden Euro. Wenn alles gut weiterläuft, werde die SaarLB das Geschäftsjahr 2019 „trotz nachlassender Konjunktur und historisch niedriger Zinsstruktur mit einem über dem Niveau des Vorjahres liegenden Jahresüberschuss abschließen“, prognostiziert Bretzger.

Auf die Frage, wie all das in Krisenzeiten möglich ist, hat der Vorstand mehrere Erklärungen. So mahnt Bretzger generell zur Vorsicht im Umgang mit dem Begriff Krise. Man könne eine solche auch herbeireden. Zwar sei die Lage etwa für die Automobil- und Stahlbranche schwierig, zumal viel Verunsicherung auf deren Absatzmärkten zu spüren sei. Man müsse aber im Saarland auch zur Kenntnis nehmen, dass viele größere mittelständische Unternehmen derzeit gute bis sehr gute Geschäfte machen. Gerade der Mittelstand habe aus der Finanzkrise 2008/2009 viel gelernt und sich ein größeres Eigenkapital-Polster zugelegt. Das helfe den Unternehmen, auch auf vorübergehende Schwächen der Wirtschaft erheblich besser vorbereitet zu sein. Zudem könnten sie so ihre Strategie flexibler ausrichten. Gerade der Mittelstand habe in den vergangenen Jahren auch verstärkt investiert. Für die SaarLB beginnt die Betreuung mittelständischer Kunden ab einem Umsatzvolumen von 20 Millionen Euro.

Bretzger und Eloy sehen gerade in der Großregion mit dem Saarland und Lothringen im Mittelpunkt noch viel weiteres Entwicklungspotenzial. Sie empfehlen der Politik, gemeinsam mehr Industrieflächen grenzüberschreitend zu vermarkten. So könne man größere Flächen anbieten und attraktiver werden für größere Ansiedlungen. Auch die SaarLB will auf französischer Seite noch aktiver werden. Derzeit liege der Schwerpunkt des Geschäftes auf der Region Grand Est. Mit betreuen will die Bank künftig auch den Großraum Dijon. Abstand genommen habe sie dagegen von Plänen, sich im Großraum Lyon zu engagieren. „Das ist einfach zu weit für uns“, stellt Eloy fest. Die meisten französischen Aktivitäten der SaarLB werden von Straßburg aus koordiniert. Auch in Paris ist die Bank vertreten. Gerade die strategische Kombination von Deutschland- und Frankreichgeschäft mache den besonderen Erfolg der SaarLB aus. „Das Deutsch-Französische können wir besser als alle anderen“, sagt Bretzger. Der Einzugsbereich der Landesbank reicht bis Mannheim, Karlsruhe, Koblenz und Trier. Gerade ist Luxemburg hinzugekommen. Auf deutscher Seite profitierte die SaarLB von einem sehr starken Immobiliengeschäft, kommunalen Aktivitäten und Firmenkunden. Die dominieren auch die Frankreich-Aktivitäten, gefolgt von Projektfinanzierungen im Bereich erneuerbarer Energien.

Der neue Chef der Bank hat sich nach eigenen Worten schnell und gut im Saarland eingelebt. Die Menschen seien offen, hilfsbereit, aber oft auch überbescheiden im Verhältnis zu dem, was das Saarland an wirtschaftlichen Erfolgen, kulturellen Angeboten und an Lebensqualität vorweisen könne. Seine Aufgabe als Vorstandschef findet Thomas Bretzger faszinierend. „Man kann als Vorstand sehr viel gestalten, steuern, hat Freiheiten und kann so zum Erfolg beitragen. Das macht mir am meisten Spaß.“ Bretzger zieht einen Vergleich zum Fußball: „Man muss Laufbereitschaft zeigen und einfach machen.“