Die Saar-Sparkassen sehen ihr Hauptgeschäft im Mittelstand.

Saar-Sparkassen kritisieren EZB scharf : Sparkassenverband hält weitere Fusionen nicht für notwendig

Die von der EZB verkündeten Zinsbeschlüsse verunsichern die sechs Sparkassen an der Saar. Die Verbandspräsidentin gibt sich dennoch optimistisch.

Eine große Saar-Sparkasse im Saarland statt sechs einzelner Sparkassen: davon will der Sparkassenverband Saar offensichtlich nichts wissen. Die Frage, ob das die geeignete Antwort sei auf die immer engeren Marktverhältnisse in einer überschaubaren Region, insbesondere auch durch die am Donnerstag verkündete Geldpolitik der EZB mit noch strengeren Strafzinsen und einem Festhalten an den Niedrigzinsen, blieb in der Verbund-Pressekonferenz unbeantwortet.

Nur so viel: die sechs Sparkassen seien immer noch gesund. Deshalb sehe der Verband auch keine Notwendigkeit zu weiteren Fusionen, erklärte Hans-Werner Sander als Landes-Obmann der Saar-Sparkassen.

Dennoch sind diese durch die am Donnerstag verkündeten Zinsbeschlüsse der EZB hoch verunsichert, denn ihnen geht immer mehr Spielraum verloren, Zinsüberschüsse als eine der wichtigsten Einnahmequellen zu erzielen. Letzteres räumte auch Verbandspräsidentin Cornelia Hoffmann-Bethscheider ein. Sie ist jedoch optimistisch, dass sich jetzt öffentlicher Widerstand gegen die Politik der EZB formiert. Die Bevölkerung erkenne zunehmend, dass es ebenso wichtig ist, für eine gesicherte Möglichkeit der Altersversorgung einzutreten wie für den Klimaschutz. „Ich bin froh, dass jetzt immer mehr öffentlich über die Politik der Europäischen Zentralbank diskutiert wird. Das ist der erste Schritt.“ Hans-Werner Sander ergänzt, der Staat habe durch die Niedrigzinsen alleine in den Jahren von 2008 bis 2018 „insgesamt eine Zinsentlastung von 370 Milliarden Euro bekommen. Davon könnte man jetzt einen Teil zurückgeben, in dem man bestimmte Produkte zum Sparen attraktiver macht.“

Die EZB hat am Donnerstag nicht nur den Strafzins für Banken von bisher 0,4 auf aktuell 0,5 Prozent festgesetzt und ein Beibehalten der Niedrigzinsen verkündet, sie lässt auch wieder ihr Anleihen-Kaufprogramm aufleben. Ab November will sie wieder Anleihen für bis zu 20 Milliarden Euro im Monat kaufen, um die Wirtschaft anzukurbeln. Auch dieses Vorgehen kritisiert der Sparkassenverband scharf. Geldpolitische Schritte reichten alleine nicht, um die Wirtschaft anzukurbeln. Hinzukommen müsse eine zielgerichtete, klare, nachvollziehbare Wirtschafts- und Finanzpolitik, sagte Sander.

Hoffmann-Bethscheider betonte, alle Saar-Sparkassen hätten 2018 „gut gearbeitet“ und ihre Marktstellung im Saarland behauptet, insbesondere in den Geschäftsbeziehungen zum Mittelstand. Der Mittelstand beschäftige an der Saar rund 230 000 Menschen. Die regionale Verankerung der Saar-Sparkassen sei deren Hauptvorteil im Wettbewerb. Die Bilanzsumme aller Sparkassen wuchs 2018 auf 18,2 Milliarden Euro, die Einlagen erreichten rund 13 Milliarden Euro und das Kreditgeschäft wuchs auf 13,5 Milliarden Euro. Zudem habe man ein Neugeschäft in einer Größenordung von rund einer Milliarde Euro erzielen können. Im Saarland behaupteten die Saar-Sparkassen einen Marktanteil von 37 Prozent. Viele Wirtschaftsunternehmen in der Region hätten trotz einer sich abschwächenden Konjunktur immer noch gut gefüllte Auftragsbücher. Das gelte besonders für das Handwerk. Zudem begleiteten die Sparkassen viele Gründer, um auch so die Wirtschaftskraft des Saarlandes zu stärken. „2018 haben wir rund 100 Gründungen und Übernahmen von Unternehmen begleitet. Dadurch sind 600 Arbeitsplätze entstanden“, so Sander. Noch 2019 soll ein spezielles Online-Banking-Angebot für Firmenkunden starten. Dieses Angebot soll es auch ermöglichen, einfache Investitionskredite abzuschließen.

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