Die Saar-Handwerkskammer zeichnet bei der Meisterfeier Jungmeister aus

Handwerkskammer : Kammer feiert ihre Meister

Bei der Ehrung der neuen Jungmeister forderte der Handwerkskammer-Präsident öffentliche Gelder für die Meisterausbildung.

Die „große Idee der Europäischen Union“ darf nicht wegen bürokratischer Hürden an Schwung verlieren. Das forderte der Präsident der Handwerkskammer (HWK) des Saarlandes, Bernd Wegner, anlässlich der diesjährigen HWK-Meisterfeier am Sonntag in Saarbrücken. Er kritisierte, dass Handwerksbetriebe, die beispielsweise in Frankreich Aufträge ausführen wollen, mit Meldepflichten, Mindestlohn sowie Regelungen zur Arbeitszeit und Arbeitssicherheit konfrontiert würden. Bauhandwerker müssten sich zudem noch versichern, um bei Gewährleistungsansprüchen abgesichert zu sein.

Wegner sprach sich ferner dafür aus, „dass europäische Bürokratie und Gesetzgebung erfolgreich funktionierende Einrichtungen und Regelungen in den Nationalstaaten nicht außer Kraft setzen dürfen“. Den Vertretern einer „falsch verstandenen EU-weiten-Deregulierung“ rief er zu: „Hände weg vom Meisterbrief.“ Die EU solle sich auf die großen Fragen wie Energieversorgung und Sicherheitspolitik konzentrieren und sich nicht „um eine zentrale, europaweite Regelung von Berufen bemühen“. Der HWK-Präsident begrüßte die Initiative der Bundesregierung, dass in Deutschland in einigen Berufen wieder die Meisterpflicht eingeführt werden soll.

Auch der Festredner der Veranstaltung, Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD), lobte den Meisterbrief, der „besser ist als zehn Verbraucherschutz-Verordnungen“. Er stehe auch für erfolgreiches Unternehmertum und gesunden Mittelstand. Dies seien neben der dualen Ausbildung Qualitätsmerkmale der deutschen Wirtschaftsordnung, „um die uns viele Länder beneiden“, rief der weitgereiste Politiker seinen Zuhörern zu. Auch bei der Integration der Flüchtlinge habe das Handwerk seinen Beitrag geleistet und viele junge Geflüchtete ausgebildet. Damit hätten die Betriebe auch dafür gesorgt, dass sich das Problem des Facharbeitermangels nicht noch vergrößert habe.

Maas und Wegner waren sich zudem einig, dass der Meisterbrief und der Bachelor-Abschluss einer deutschen Hochschule gleichwertig sein müssten. Dies müsse dazu führen, dass auch die Meisterausbildung kostenfrei werden müsse, wie dies bei einem Studium selbstverständlich sei. Mit dem vom Bund bezahlten Meister-Bafög und dem Meisterbonus des Saarlandes sei man diesem Ziel zwar näher gekommen, von einer vollständigen Kostenübernahme könne jedoch noch keine Rede sein. Wegner forderte zudem, die Saarländische Meister- und Technikerschule (SMTS), die seit 2006 von der Kammer „in eigener Verantwortung getragen wird“, mit Geld so auszustatten wie die Hochschulen. „Es ist an der Zeit, dass auch die betriebliche Ausbildung die finanzielle Wertschätzung erhält, die sie verdient“, sagte er.

In diesem Jahr konnten 208 junge Frauen und Männer ihre Meisterbriefe in Empfang nehmen, 30 mehr als vor einem Jahr. Sie kamen aus 17 Berufen. 160 von ihnen waren mit ihren Familien zu der zentralen Feier nach Saarbrücken gekommen, an der rund 1000 Gäste teilnahmen. Die meisten Meisterbriefe wurden mit 44 im Gewerk Kraftfahrzeugtechniker verliehen, gefolgt vom Installateur und Heizungsbauer (36) und Elektrotechniker (27). Jeweils nur einen Meister stellten die Fleischer und Schornsteinfeger.

Die jahrgangsbesten Meister waren Stephan Gindorf aus Dillingen (Elektrotechniker), der auch das Grußwort der Jungmeister an die Gäste richtete; des Weiteren Yannick Gebhardt aus St. Wendel (Installateur und Heizungsbauer), Kevin Quinten aus Saarbrücken (Karosserie- und Fahrzeugbauer), Tom Sander aus Ottweiler (Kraftfahrzeugtechniker), Sascha Pyka aus Nohfelden (Maler und Lackierer) und Sebastian Kaprolat (Tischler) aus St. Wendel.

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