Die Preise für die Fernwärme in Saarbrücken sorgen für Diskussionen

Kostenpflichtiger Inhalt: Eine monopolartige Struktur? : Jahrzehntelange Diskussionen über Bepreisung der Fernwärme

Die Preise für Fernwärme sind immer wieder umstritten. Besonders dann, wenn sie steigen. Zurzeit ist zumindest in Saarbrücken bei Kunden der Energie Saar-Lor-Lux Ruhe an dieser Front.

Nach Unternehmensangaben ist der Preis in 2019 um mehr als zehn Prozent zurückgegangen, und zum 1. Januar 2020 ist er zum dritten Mal in Folge gesunken.

Die Auseinandersetzungen der Kunden mit Versorgern können aber auch erbittert geführt werden, wie zum Beispiel vor zehn Jahren, als sich in Saarbrücken eine Bürgerinitiative bildete, die gegen die Preispolitik von Energie Saar-Lor-Lux protestierte. Hinter dem in Deutschland in verschiedenen Städten immer wieder aufflammenden Unmut steckt ein grundsätzliches Problem: Wer sich für Fernwärme entscheidet, spart zwar die Anschaffung und Wartung einer eigenen Heizung. Damit gibt der Hausbesitzer aber auch Freiheiten auf. So kann jemand, der eine Ölheizung im Keller hat, die Preisentwicklung beobachten und seine Tanks – mit etwas Glück – günstig füllen. Und Gaskunden können inzwischen problemlos den Anbieter wechseln. Bei Fernwärme haben die Kunden keine Wahl, wenn der Preis ihnen zu hoch erscheint. Es sei denn, sie ringen sich zu einer Großinvestition in eine eigene Heizung durch.

In dieser monopolähnlichen Struktur liegt auch der Grund dafür, dass sich das Bundeskartellamt vor einigen Jahren den Fernwärmemarkt vorgeknöpft und die Preisgestaltung von sieben Anbietern, darunter Energie Saar-Lor-Lux, untersucht hat. Die Behörde sprach von „gefangenen Kunden“. Schließlich habe das Kartellamt aber die Formel, die das Unternehmen bei der Preisermittlung nutzt, abgesegnet. Die Wettbewerbshüter „haben gesagt, das führt zu einem fairen Preis“, versichert Martin Kraus, der im Vorstand des Saarbrücker Versorgers für das Geschäft mit der Fernwärme zuständig ist.

Nach dem Krach mit vielen Kunden im Jahr 2009 habe das Unternehmen eine Preisformel erarbeitet, die seitdem gelte, sagt Kraus. Sie führt alle drei Monate zu einem neuen Preis. Darüber informiert das Unternehmen die Kunden regelmäßig. Dadurch habe man Transparenz erreicht, sagt Kraus. „Wer den Preis nachrechnen will, kann ihn nachrechnen.“ Dafür braucht es aber einigen Sinn für Mathematik.

Das ist offenbar ein branchenweites Problem, wie die Marktwächter Energie des Verbraucherzentrale Bundesverbands beklagen. Bei einer bundesweiten Online-Befragung habe die überwiegende Mehrheit von Fernwärmekunden angegeben, die von den Lieferanten erhaltenen Informationen zu Preisanpassungen nur schlecht oder sehr schlecht verstanden zu haben. Nur etwa jeder Zehnte sei mit den erhaltenen Erklärungen einigermaßen zufrieden gewesen. Die Verbraucherschützer fordern daher eine Genehmigungspflicht für Fernwärmepreise.

Nach Beobachtung der Marktwächter ist die Transparenz, die Energie Saar-Lor-Lux bietet, nicht selbstverständlich. Viele Unternehmen haben keine Preisänderungsformel und veröffentlichen die Daten auch nicht im Internet.