1. Saarland
  2. Saar-Wirtschaft

Die Fachkräfteagentur für Gesundheits- und Pflegeberufe in Saarbrücken

SZ-Serie Gesundheitswirtschaft im Saarland : Ein Leuchtturm für ausländische Pflegekräfte

Die Deutsche Fachkräfteagentur für Gesundheits- und Pflegeberufe in Saarbrücken soll gegen den Personalnotstand in der Branche kämpfen.

Die Gesundheitsberufe sollen den Anfang machen, wenn es darum geht, gesteuerte und geregelte Zuwanderung von ausländischen Fachkräften nach Deutschland hinzubekommen. „Wir sind das Labor für die politische Innovation“, um ein Einwanderungsland zu werden, sagt Christoph Lang. Dieses Labor nennt sich Deutsche Fachkräfteagentur für Gesundheits- und Pflegeberufe (Defa). Lang ist zusammen mit Thorsten Kiefer Geschäftsführer der neu gegründeten Agentur mit Sitz in Saarbrücken. Sie soll dafür sorgen, dass Pflegekräfte aus dem Ausland möglichst schnell und unbürokratisch in Deutschland eingesetzt werden können. „Wir kümmern uns um alle notwendigen Anträge – von der Einreise über die Anerkennung der im Heimatland erworbenen Qualifikation bis hin zur Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis“, sagt Kiefer.

Derzeit ist das noch Zukunftsmusik. Die Agentur befindet sich im Aufbau, denn die Defa gibt es erst seit Oktober 2019, nachdem sechs Wochen zuvor der Grundsatz-Beschluss im Bundesgesundheitsministerium gefällt worden war. Doch die Defa will schnell loslegen, „denn der Bedarf an Pflegefachkräften in Deutschland ist riesig“, sagt Kiefer. „Schon heute sind bei den Arbeitsagenturen 35 000 offene Stellen gemeldet“, erinnert Lang. Die Prognosen, wie viele Leute in den kommenden zehn bis 15 Jahren benötigt werden, um die Pflege in den Krankenhäusern, Reha-Einrichtungen und Seniorenheimen sicherzustellen, gehen weit auseinander. Sie reichen von 140 000, die das Institut der Deutschen Wirtschaft errechnet hat, bis hin zu 655 000, die das RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung prognostiziert.

Am Anfang will sich die Defa auf die Philippinen und Mexiko konzentrieren, um von dort Pflegeprofis anzuwerben. Das hat gute Gründe. „Zum einen sind die Frauen und Männer dort sehr gut ausgebildet und außerdem herrscht in diesen Ländern ein Überschuss an Leuten, die Pflege können“, erläutert Lang. Daher werde dort auch niemand abgeworben, der in der Gesundheitsversorgung vor Ort dringend gebraucht wird. „Mit beiden Ländern gibt es bilaterale Absprachen, die das sicherstellen.“

Das Alltagsgeschäft der Defa wird darin bestehen, „die Verwaltungsverfahren bei den deutschen Behörden im In- und Ausland zu bündeln, die dazu nötig sind, Fachkräfte nach Deutschland zu holen“, sagt Kiefer. „Die Antragsunterlagen werden gesammelt, aufbereitet, vorgeprüft und an die zuständigen Stellen übermittelt.“ Ziel soll sein, Doppelarbeit zu vermeiden und sowohl die Ausländer- als auch die Anerkennungsbehörden in die Lage zu versetzen, „schnell über die Anträge zu entscheiden“. Für Kliniken und Personalagenturen, die sich vor Ort selbst auf die Suche nach geeigneten Leuten machen, „ist die komplexe deutsche Behördenstruktur sehr schwer zu überblicken“, sagt Lang. Es gebe allein 22 Ämter, die für die Anerkennung von im Ausland erworbenen Qualifikationen zuständig seien – im Saarland ist es das Landesamt für Soziales (LAS). Die Zahl der Ausländerbehörden sei noch um ein Vielfaches höher.

Doch Eile ist geboten. Denn Deutschland buhlt nicht allein um Pflegefachkräfte. „Der internationale Wettbewerb ist hart, da in den meisten Industrieländern, aber auch in den arabischen Staaten ein Pflegenotstand droht“, erinnert Lang. Weil dort Englisch Muttersprache oder weit verbreitet ist, „sind auch die Sprachhürden niedriger als in Deutschland“.

Deshalb will die Defa erreichen, dass die jungen Frauen und Männer schon in ihren Heimatländern damit anfangen, Deutsch zu lernen, während parallel dazu die Verwaltungsverfahren abgearbeitet werden. Außerdem sollen sie dann schon auf ein Leben in Deutschland vorbereitet und mit den Gepflogenheiten des Landes vertraut gemacht werden. Um das alles leisten zu können, will die Defa mit den Personalagenturen, die schon seit langem vor Ort tätig sind, zusammenarbeiten. Sie wird auf den Philippinen und in Mexiko allerdings auch eigene Büros einrichten. Zudem ist eine Kooperation mit den jeweiligen Außenhandelskammern (AHK) geplant.

Christoph Lang, Defa-Geschäftsführer und Chef der Standortagentur Saaris. Foto: Lothar Warscheid
Thorsten Kiefer ist ebenfalls Geschäftsführer bei der Defa. Foto: Lothar Warscheid

Lang und Kiefer gehen davon aus, dass die Defa bis Juni voll arbeitsfähig ist. „Bis dahin arbeiten wir im Probelauf, aber mit Druckbetankung.“ Rund 20 Leute sollen bei der Agentur beschäftigt werden – davon etwa 15 in Saarbrücken, die übrigen in den Auslandsbüros. Zunächst liegt noch viel Telefonarbeit vor ihnen. „Die Behörden und Verwaltungsdirektoren der Kliniken müssen wissen, dass es uns gibt und was wir leisten können.“