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Die Arbeit von Healthcare Saarland und Gesundheitsregion Saarland

Kostenpflichtiger Inhalt: Serie Gesundheitswirtschaft im Saarland : Die Vernetzung des Saar-Gesundheitswesens

Mit Healthcare Saarland und Gesundheitsregion Saarland widmen sich zwei Organisationen der Kooperation in der hiesigen Gesundheitswirtschaft.

In der saarländischen Gesundheitswirtschaft ist das Thema Vernetzung und Kooperation schon seit längerem gelebter Alltag. Zwei Organisationen haben sich in diesem Bereich etabliert und sich einen Namen gemacht. Das eine ist das Netzwerk Healthcare Saarland, in dem sich Unternehmen, Kliniken und Forschungsinstitute zusammengetan haben. Geschäftsführend wird es von der Standortfördergesellschaft Saaris betreut. Eine zweite Kooperationsplattform ist der Verein Gesundheitsregion Saar.

Bei Saaris ist Thomas Siemer für das Healthcare-Netzwerk zuständig. Es hat sich unter anderem zur Aufgabe gemacht, den Technologietransfer von der Wissenschaft in die Wirtschaft zu fördern – aber auch umgekehrt. Das Netzwerk setzt dabei auf Veranstaltungen und Kontaktvermittlung, bietet aber auch Hilfe bei der Organisation von Messe-Auftritten an. Doch Siemer hat sich mehr vorgenommen. Er will innerhalb von Healthcare Saarland verstärkt Schwerpunkte setzen. Dazu hat er zwei Workshops einrichtet – quasi als Netzwerke im Netzwerk.

Der erste befasst sich mit personalisierter Trainingssteuerung. Ziel des Workshops ist es, Wege zu finden, wie Menschen ihren Körper effizient, aber angepasst an ihre sportlichen Ziele trainieren können, um möglichst schnell zu Fitness-Erfolgen zu kommen oder im Rahmen einer Reha-Maßnahme die alte Leistungskraft wiederzuerlangen. Zielgruppen sind neben Reha-Patienten Leistungs- und Breitensportler. Dieser Workshop, der zusammen mit Mitstreitern aus Rheinland-Pfalz auf die Beine gestellt wurde, besteht derzeit aus 15 Unternehmen, acht wissenschaftlichen Forschungseinrichtungen und drei Transfergesellschaften, die ähnliche Ziele verfolgen wie Saaris – so zum Beispiel die IMG Innovations-Management in Kaiserslautern. Die Partner kommen unter anderem aus den Bereichen Sportmedizin, Ergotherapie, Medizintechnik, Software- und App-Entwicklung oder sind Hersteller und Anbieter von Fitness- und Diagnose-Geräten. „Wir wollen erreichen, dass sich in der Region neue Partnerschaften bilden, die sonst womöglich nicht zustande kommen würden“, sagt Siemer. Ein positives Beispiel ist die Zusammenarbeit zwischen dem Neunkircher Sporttherapeuten Gunther Deubel und der Software-Firma Bluestone aus Wörrstadt. Deubel hat ein automatisiertes Messverfahren entwickelt, um die Kniestabilität besser als bisher bestimmen zu können. Bluestone hat die entsprechende Software geliefert.

Workshop Nummer zwei geht der Frage nach, wie sich Arbeitsprozesse, die in Laboren ablaufen, mit Hilfe der Digitalisierung verbessern lassen. „Ein Beispiel hierfür ist die Einführung automatisierter Mikroskopie-Technologie in die Labore“, sagt Siemer. Geräte der neuesten Generation könnten beispielsweise Proben, die es zu untersuchen gilt, automatisch erkennen, vermessen und einordnen. So spare der Forscher beim Präparieren der Proben wertvolle Zeit. Auch die Dokumentation der Ergebnisse werde mit Hilfe der IT wesentlich schneller. Außerdem könnten die Daten gründlicher erfasst, aufbereitet und systematisch zugeordnet werden, als das bisher der Fall war. Hier sieht Siemer eine Menge Wissen in der Region, das von den Laborbetreibern genutzt werden könnte.

Ein weiterer Schwerpunkt von Health­care Saarland soll die Internationalisierung werden. Im Auftrag des Wirtschaftsministeriums kümmert sich Heike Ziegler-Braun seit September bei Saaris um die Internationalisierungs-Offensive. „Wir wollen im Ausland gezielt nach Partnern für die Mitglieder des Netzwerks suchen“, sagt sie. So sei unter anderem geplant, mit den deutschen Außenhandelskammern (AHK) stärker in Kontakt zu treten, um Tätigkeitsfelder auszuloten. Außerdem soll das Enterprise Europe Network (ENN), das europaweit Unternehmen, Hochschulen und Forschungseinrichtungen verbindet, genutzt werden, um das saarländische Know-how besser bekannt zu machen. Auch Delegationsreisen, die mit wichtigen Auslandsmessen kombiniert werden könnten, seien möglich, sagt Ziegler-Braun. Einen ersten Aufschlag machte Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger (SPD) vor kurzem mit einer Reise in die Niederlande. Dort besuchte sie das Forschungszentrum des Elektronik-Konzern Philips, der inzwischen in Sachen Medizintechnik weltweit führend ist, und lotete Kooperationsmöglichkeiten aus.

Der Verein Gesundheitsregion Saarland gibt sich hingegen bodenständig. „Wir wollen der Resonanzboden für alle Akteure der Gesundheitswirtschaft im Saarland sein“, sagt sein Vorsitzender Werner Schreiber. Der frühere CDU-Politiker, der unter anderem für das Saarland im Bundestag saß und von 1990 bis 1993 als Sozialminister von Sachsen-Anhalt beim Aufbau der neuen Bundesländer mithalf, sieht das Gesundheitswesen „in einem rasanten Umbruch“. Die Menschen „werden älter und sind immer mehr auf eine funktionierende und bezahlbare Versorgung angewiesen“, sagt der 78-Jährige. Auf der anderen Seite bestehe die Gefahr, „dass die die ärztliche Infrastruktur vor allem auf dem Land erodiert. Dabei hilft es nicht, in den Schützengräben zu verharren. Wir müssen miteinander reden und nach Lösungen suchen.“ Dafür biete sich der Verein mit seinen mehr als 120 Mitgliedern aus allen Bereichen des Gesundheitswesens als Gesprächsforum an. Trotz des Christdemokraten Schreiber an der Spitze ist der Verein politisch neutral. Einer seiner Stellvertreter ist Axel Mittelbach. Der frühere Sprecher des Ersatzkassen-Verbands VDEK an der Saar ist eindeutig dem sozialdemokratischen Lager zuzuordnen.