Deutsche Bahn will Zugverbindungen an der Saar weiter ausbauen.

Kostenpflichtiger Inhalt: Bahn will im Saarland mehr Reise-Komfort anbieten : Mehr Fernzüge ab Saarbrücken nicht vor 2029

Der Konzernbevollmächtigte will Nahverkehrs-Nutzern künftig ermöglichen, ihr Ticket auch im Fernverkehrszug nutzen zu können.

Klaus Vornhusen, der Konzernbevollmächtigte der Deutschen Bahn für das Saarland und Rheinland-Pfalz, will mit den Zweckverbänden an der Saar und in Rheinland-Pfalz attraktivere Fernverkehrsverbindungen nach Mannheim erreichen. Auch der grenzüberschreitende Nahverkehr nach Frankreich soll besser werden, sagte er im Interview mit der Saarbrücker Zeitung.

Herr Vornhusen, was kann das Saarland, was können die Bahnnutzer von Ihnen als neuem Konzernbevollmächtigten der Deutschen Bahn für das Saarland  und Rheinland-Pfalz erwarten?

VORNHUSEN Die Bahn hat nach meiner Überzeugung schon in der Vergangenheit eine anständige Leistung in der Region abgeliefert. Für die Zukunft möchte ich dazu beitragen, dass die vier Städte der Quattropole – Saarbrücken, Trier, Luxemburg und Metz – noch enger zusammenwachsen, denn es gibt immer mehr Berufspendler und Besucher, die hier unterwegs sind. In diesem Raum bewegen sich heute 3,2 Millionen Menschen. Das ist für eine Wirtschaftsregion schon sehr viel und kann sich durchaus mit anderen Großregionen in Deutschland vergleichen wie etwa dem Großraum München, dem Großraum Hamburg oder dem Raum Rhein-Neckar. Das Saarland, Luxemburg und auch Lothringen haben jeweils schon für sich genommen bestimmte, sich ergänzende Stärken. Wir müssen deshalb gemeinsam überlegen, wie ein integriertes Nahverkehrssystem aller Beteiligten mit besonders guten Verbindungen zwischen diesen Städten und Regionen aussehen kann und welche Infrastruktur dafür nötig ist.

Die Franzosen standen bisher allen Aktivitäten, den grenzüberschreitenden Nahverkehr zu verbessern, reserviert gegenüber. Warum sollte sich das jetzt ändern?

VORNHUSEN Ich glaube, dass der Aachener Vertrag zwischen Deutschland und Frankreich vom Januar 2019 die besten Voraussetzungen bietet, hier voranzukommen. Unsere beiden Länder haben sich mit diesem Vertrag vorgenommen, noch enger zusammenzuarbeiten und zusammenzuleben. Das ist speziell für die Grenzregionen eine Chance und auch ein Auftrag. Anlässlich der „Karfreitagsfahrt“ über die Niedtalbahn von Rehlingen-Siersburg nach Bouzonville hat zum Beispiel die Vize-Präsidentin des Parlamentes für die Region Grand Est gesprochen und sich sehr offen für einen Ausbau der grenzüberschreitenden Kooperation gezeigt. Die Zeit dafür ist reif.

Wie kann die Verbesserung der Verbindungen kurzfristig aussehen?

VORNHUSEN Das Verkehrskonzept ist in erster Linie die Aufgabe der Länder beziehungsweise ihrer regionalen Zweckverbände. Es gibt hier aus meiner Sicht sehr gute Ideen für die Intensivierung der grenzüberschreitenden Verbindungen etwa von Metz nach Trier und nach Saarbrücken, aus Saarbrücken nach Straßburg und von Straßburg aus nach Karlsruhe und nach Neustadt an der Weinstraße. Die Deutsche Bahn unterstützt hier gern, wenn es darum geht, diese Verkehre von der Infrastruktur her möglich zu machen oder auch diese zu fahren. Schon 2024 wollen die Länder hier regelmäßige Taktverkehre anbieten. Das ist auch für die Quattropole eine Basis, die man immer weiter ausbauen könnte.

Bis 2024 vergeht aber noch viel Zeit. Warum dauern Projekte mit Verbesserungen häufig so lange?

VORNHUSEN Nahverkehrsangebote mit Bussen kann man relativ schnell realisieren. Verkehrsprojekte der Bahn werden heute in der Regel über einen Zeitraum von 15 Jahren ausgeschrieben. Dafür sind gegebenenfalls noch neue Fahrzeugtypen zu entwickeln – gerade im grenzüberschreitenden Verkehr. Wenn zusätzlich die Infrastruktur angepasst werden muss, kostet auch die Planung inklusive Planfeststellungsverfahren noch Zeit.

Wie beurteilen Sie das derzeitige Angebot im Fern- und Nahverkehr ab Saarbrücken? Kritiker bemängeln, dass ein ICE nach Berlin nicht ausreiche, um das als Daseinsvorsorge für eine Region wie das Saarland verkaufen zu können.

VORNHUSEN Im Fernverkehr fahren wir ab Saarbrücken täglich direkt nach Berlin, ebenfalls direkt über München nach Graz und einen Zug nach Stuttgart. Hinzu kommen jeden Tag die vier Hochgeschwindigkeitszüge Paris - Saarbrücken - Frankfurt. In Mannheim gibt es dann mit nur einem Umstieg zahllose Züge in die ganze Republik und ins europäische Ausland. Ich finde außerdem, dass der Regionalexpress „SÜWEX“, den die Deutsche Bahn auf der Strecke Saarbrücken - Mannheim beziehungsweise Saarbrücken - Trier - Koblenz anbieten darf, mit seinem Taktverkehr und der Qualität der Fahrzeuge ein tolles Produkt für unsere Fahrgäste ist.

Dennoch gibt es häufig Wünsche nach mehr Fernverkehrszügen ab Saarbrücken statt Nahverkehr mit Umsteigen in Mannheim.

VORNHUSEN In der Praxis ist es schwierig, wenn zehn Minuten vor einem Fernverkehrszug ein Nahverkehrszug fährt, der deutlich kostengünstiger ist, fast so komfortabel und auch eine ähnliche Fahrzeit hat. Dann bleibt der Fernverkehrszug leer. Wir wollen mit den Zweckverbänden in der Pfalz und an der Saar eine Einigung erzielen, dass Nahverkehrsreisende auch im Fernverkehrszug mitfahren dürfen, der dann auch Chancen hat, gut gefüllt zu sein. Wir können das realistisch aber erst 2029 anfassen, wenn die neue Ausschreibung für den Nahverkehr im Saarland und in Rheinland-Pfalz greift. Dann würden wir gerne einen zusätzlichen Regelverkehr mit festen Takten und Fernverkehrszügen anbieten.

Könnten dann auf bestimmten Strecken, wie etwa Richtung Manheim,  Fahrgäste mit einem Nahverkehrsticket auch den Fernverkehrszug nutzen? In anderen Regionen Deutschlands ist das längst möglich. Dann wäre es im Prinzip egal, welcher Zugtyp gerade fährt.

VORNHUSEN Deshalb wäre aus unserer Sicht ein Gesamtkonzept für die Region Saarland-Rheinland-Pfalz wichtig. Für den Reisenden im Nahverkehr ist es dann von den Kosten her egal, ob er mit seinem Ticket den Fernverkehrs- oder Nahverkehrszug nutzt. Interessant wäre ein Stundentakt nach Mannheim im Wechsel: einmal fährt der Nahverkehrszug, einmal der Fernverkehrszug. Die Bahn würde einen finanziellen Ausgleich bekommen, denn der Nahverkehr finanziert sich nicht nur über die Fahrkarte. Er bekommt öffentliche Zuschüsse über Regionalisierungsmittel des Bundes an die Länder. Das ist im Fernverkehr anders. Hier wird alles über die Fahrkarte finanziert: Zug, Lok, Personal, Service. Deshalb ist die Fernverkehrsfahrkarte teurer als die im Nahverkehr – es sei denn, gemeinsam gelingt ein  Gesamtkonzept.

Wäre es nicht auch als Folge der Klimadebatte logisch, schon kurzfristig mehr Fernzüge ab Saarbrücken fahren zu lassen?

VORNHUSEN Wir wollen neue Fahrgäste gewinnen, gut ausgelastete Züge fahren, eine „Starke Schiene“ in Deutschland – genau so heißt auch die neue Strategie der Deutschen Bahn als Perspektive für klimaschonende Mobilität. Ob zusätzliche Fernverkehrszüge ab Saarbrücken dann am besten an den Bodensee fahren, nach Berlin oder nach Köln, hängt davon ab, wie das Gesamtkonzept aussieht und wie viele Fahrgäste man damit neu für die Schiene gewinnen kann.

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