Der saarländische Energiekonzern VSE investiert massiv in Infrastruktur.

Energiekonzern : VSE intensiviert den Netzausbau

Der saarländische Energiekonzern VSE investiert massiv in neue Infrastruktur. 33 Millionen Euro sind dafür eingeplant.

Netzausbau, das ist für VSE-Technik-Vorstand Gabriël Clemens nicht nur der Bau neuer Leitungen, es ist vor allem auch eine intelligente Steuerung der Netze. „Es kann nicht die Lösung sein, noch mehr Kupfer in die Erde zu legen. Wir müssen die Netze optimal nutzen“, sagt der VSE-Chef am Mittwoch bei der Bilanz-Pressekonferenz des saarländischen Energiekonzerns.

Deshalb hat der intelligente Netzausbau für das Unternehmen aktuell auch Priorität. 33 Millionen Euro nimmt das Unternehmen für die Modernisierung und den Ausbau der Netze in die Hand. Neben dem Ersatzneubau einer 110-Kilovolt-Hochspannungsleitung von Wadern nach Selbach umfasst die Investition auch den Ausbau der Netzautomatisierung, regelbarer Ortsnetztrafos sowie fernsteuerbarer Stationen. Außerdem soll speziell für die Netzsteuerung ein eigenes Funknetz auf Basis der alten C-Netz-Mobilfunkfrequenzen im Saarland errichtet werden.

Die VSE sieht sich mittlerweile als ein wichtiger Treiber der Energiewende im Saarland. Im vergangenen Jahr hat das Unternehmen mit Perl-Büschdorf und Wadern Felsenberg noch einmal zwei Windparks in Betrieb genommen, insgesamt hat die VSE damit 127,6 Megawatt Windenergie-Kapazität installiert. Weitere Windprojekte würden es im Saarland allerdings schwer haben, sagt Clemens. Als Grund nennt er auf der einen Seite die Ausschreibungspraxis, durch die sich viele Projekte nicht mehr lohnen oder zumindest riskanter werden, schwieriger sei allerdings noch das Akzeptanzproblem in der Bevölkerung. „Man wird sich am Ende aber schon für eine Lösung entscheiden müssen, wo der Strom herkommen soll“, sagt Clemens. Das Unternehmen plant nun einen Zubau im Bereich der Photowoltaik. Aktuell sind 22 Megawatt Leistung installiert. Weitere Projekte auf Freiflächenanlagen mit einer Leistung von 2,3 Megawatt sind projektiert.

Die Stromerzeugung aus Kohle ist bei der VSE dagegen Geschichte: Seit Ende 2017 stehen die Turbinen im Kraftwerk Ensdorf still, das Kraftwerk wird zurückgebaut. „Ich gehe davon aus, dass wir in diesem Jahr die Stilllegungs-Anzeige stellen können“, sagt Clemens. Offen bleibt, was auf dem Gelände künftig passieren wird. Die geplante Ansiedlung eines Biomasse-Kraftwerks durch den Entsorgungsverband Saar (EVS) ist wieder gestoppt worden. Jetzt gehe die Suche nach einem Unternehmen weiter, das die dort vorhandene Anbindung an Wasser, Straße und Hochspannungsleitungen nutzen kann.

Trotz des Wegfalls der Stromerzeugung in Ensdorf hat sich die VSE im vergangenen Jahr nach Aussagen des kaufmännischen Vorstands der VSE, Hanno Dornseifer, gut entwickelt. Der Umsatz ist zwar von 1,43 Milliarden Euro auf 1,24 Milliarden Euro gesunken. „Ohne Ensdorf ist das aber noch ein sehr zufriedenstellendes Ergebnis“, sagt Dornseifer. Die Stromabgabe ist nach Angaben des Unternehmens von 14,9 auf 16,2 Gigawattstunden deutlich gestiegen. „Hier hat sich die gute Konjunktur niedergeschlagen“, sagt Dornseifer. Der Gasabsatz ist von 16 auf 11,1 Gigawattstunden zwar deutlich zurückgegangen. Das allerdings sei einem Sondereffekt im vergangenen Jahr geschuldet, als das Unternehmen auch im Gashandel aktiv war.

Wachstumsfelder sieht die VSE einerseits in der Regelenergie, bei der die VSE mit unter ihrem Dach gebündelten Kraftwerken und Energiespeichern einspringt, wenn die Netze stabilisiert werden müssen, und bei neuen Energieeffizienzlösungen. Im letzteren Bereich ist die Tochter Famis aktiv, die wie Dornseifer es sagt, zunehmend Unternehmensanfragen für Einspar-Lösungen bekommt. „Das Geschäft von Famis wächst aktuell um zehn bis 15 Prozent pro Jahr, und diese Tendenz wird auch so weitergehen“, sagt Dornseifer

Beim Blick ins kommende Jahr erwartet VSE-Chef Dornseifer wenig Bewegung nach oben oder nach unten. Beim Stromabsatz werden wir weitgehend stabil bleiben. Der konjunkturelle Abschwung macht sich da aktuell noch nicht bemerkbar.

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