Der Nahverkehr im Saarland ist unterfinanziert und wird deshalb teurer

Kostenpflichtiger Inhalt: Erneut Ärger um ÖPNV : Saarländern drohen höhere Bus-Fahrpreise

Die Gewerkschaft Verdi rechnet 2020 mit einer Preiserhöhung von 5,7 Prozent, wenn der ÖPNV nicht finanziell besser ausgestattet wird.

Wenn der Öffentliche Personennahverkehr mit Bussen und Saarbahn im kommenden Jahr finanziell nicht besser ausgestattet wird, müssen die Fahrkarten-Preise um 5,7 Prozent steigen. Davon ist Christian Umlauf, stellvertretender Geschäftsführer der Region Saar-Trier bei der Gewerkschaft Verdi, überzeugt. „Wenn es zu diesem enormen Ticket-Aufschlag kommt, ist der ÖPNV im Saarland tot“, sagte Umlauf am Freitag anlässlich des Branchentages Nahverkehr bei der Arbeitskammer (AK) des Saarlandes.

Um das zu verhindern, müsse der Zweckverband Personennahverkehr Saarland (ZPS) im Jahr 2020 insgesamt rund 30 Millionen Euro mehr zur Verfügung stellen. ZPS-Mitglieder sind die Landkreise, der Regionalverband und die Stadt Saarbrücken sowie die Städte Neunkirchen und Völklingen. Umlauf kritisierte in diesem Zusammenhang, dass nicht alle Landkreise den geforderten Anteil beisteuern wollten.

Hier hat er vor allem die Landrätin des Kreises Merzig-Wadern, Daniela Schlegel-Friedrich (CDU), auf dem Kieker. Diese hatte angemerkt, dass an anderer Stelle Geld eingespart werden müsse, wenn in den ÖPNV investiert würde. „Der Schwerpunkt unseres Landkreises liegt ganz klar im Bereich der Schulen“, hatte sie seinerzeit gesagt (wir berichteten). Einer höheren Bildungsrendite den Vorzug zu geben sei „eine nachvollziehbare Entscheidung“, wurde Schlegel-Friedrich in der SZ zitiert. „Wir müssen in den ÖPNV und in die Bildung investieren“, hielt Umlauf ihr entgegen.

Von diesen 30 Millionen Euro müsse ein Drittel für bessere Arbeitsbedingungen der rund 2000 Beschäftigten im Saar-ÖPNV ausgegeben werden, forderte der Verdi-Verkehrssekretär. Die übrigen 20 Millionen Euro müssten zu gleichen Teilen in den Aufbau einer neuen Tarifstruktur und in Ausweitung oder Verbesserung des Buslinien-Angebots fließen.

Wirtschafts-Staatssekretär Jürgen Barke (SPD) betonte, dass die Landesregierung mit Hochdruck daran arbeite, einen neuen Landesentwicklungsplan Verkehr (LEV) zu erstellen. In diesem werde der Mobilitätsbedarf skizziert, der nicht vom Pkw und anderen individuellen Verkehrsträgern abgedeckt wird. „Auf der Basis des LEV werden wir dann festlegen, wo mehr Busse fahren sollen, um das Angebot zu verbessern. „Wir müssen aber auch deutlich machen, dass wir nicht alle Wünsche erfüllen können“, betonte Barke. Er geht davon aus, dass die neue Tarifstruktur im 2020 soweit fertiggestellt werden kann, „dass wir ab 2021 damit ans Netz gehen können“.

Das Wabensystem, das – je nach Strecke – das Fahren mit Bussen und Bahnen im Saarland verhältnismäßig teuer macht, werde ab dann wohl der Vergangenheit angehören, kündigte der Staatssekretär an. Außerdem wiederholte er, dass es günstigere Schüler- und Seniorentickets geben werde und einen Sondertarif für Fahrten nach 9 Uhr morgens, wenn der Schüler- und Berufsverkehr zu Ende ist. „Wenn wir es schaffen, ein attraktives Angebot auf die Beine zu stellen, können wir mehr Menschen zum Umstieg auf den ÖPNV bewegen“, meinte Barke. Da fast 70 Prozent aller Saarländer Busse und Bahnen bisher nicht nutzten, sei das Potenzial sehr groß.

Der Landrat des Kreises Neunkirchen und ZPS-Verbandsvorsteher Sören Meng (SPD) verteidigte den Saar-ÖPNV, „der besser ist als sein Ruf“. So seien neue Angebote hinzugekommen wie Mobi Saar, wo Menschen mit Mobilitätseinschränkungen geholfen wird, wenn sie einen Bus nutzen oder ihn verlassen wollen. Zudem seien neue Linien eingerichtet worden wie zum Beispiel der Biosphärenbus 501 durch den Saarpfalz-Kreis, der stündlich verkehre. Im Landkreis Saarlouis und im Saargau „wurde zudem das Linienangebot zu Beginn des Jahr 2019 deutlich ausgeweitet“.

Diskutiert wurden auf dem AK-Mobilitätstag auch neue Konzepte – wie zum Beispiel Buseinsätze auf Abruf. „Das funktioniert bei uns schon sehr gut“, erläuterte der Geschäftsführer der PVGS Personenverkehrsgesellschaft Altmarkkreis Salzwedel, Ronald Lehnecke. Der Landkreis im nördlichen Sachsen-Anhalt, der flächenmäßig fast so groß wie das Saarland ist, aber weniger als zehn Prozent der Einwohner hat, konnte die Zahl seiner Rufbus-Fahrgäste von 40 000 im Jahr 2009 auf 82 500 im Jahr 2018 erhöhen.