Der Frauenanteil bei Beschäftigten in Mint-Berufen beträgt 15,4 Prozent

Aktionstag „Changeing“ : Technik ist auch Frauensache

Aktionstag in Saarbrücken soll weiblichen Nachwuchs in technische Berufe locken.

Leah Sahner greift nach den Luftschläuchen, überlegt kurz, steckt sie dann aber wohlüberlegt in die Buchsen, die im Schaltplan vorgegeben sind. Die 15-jährige Schülerin aus Ottweiler interessiert sich für einen technischen Beruf und hat am Samstag den Aktionstag „Change!ing“ besucht, der bisher „Mädchen und Technik“ hieß und in diesem Jahr zum zehnten Mal stattfand. Ihre erste Station war an diesem Morgen der Industrie-Zulieferer Festo, der auf pneumatische Antriebe spezialisiert ist – also auf alles, was mit Luftdruck bewegt wird. Bei der Geräte-Anordnung von Leah Sahner geht es darum, dass sich später ein Kolben nach vorne und hinten bewegt und zwar in unterschiedlichen Geschwindigkeiten. Beobachtet und angeleitet wird sie von Melissa Erdei und Merle Ruffing, die beide eine Ausbildung als Zerspanungsmechanikerinnen bei Festo in Rohrbach absolvieren.

Veranstaltet wird der ­Tag vom Verband der Metall- und Elektroindustrie des Saarlandes (ME Saar), die Organisation liegt in den Händen des Vereins „Alwis“ (Arbeitsleben, Wirtschaft, Schule), der sich für eine bessere Vorbereitung von jungen Leuten in die Berufswelt einsetzt. Mehr als 40 junge Frauen zwischen 14 und 19 Jahren waren der Einladung gefolgt. Sie konnten an vier Workshops teilnehmen, wo sie erfuhren, wie vielseitig die Welt der technischen Berufe ist. Der ME-Bundesverband hatte einen seiner zehn Info-Trucks vorbei geschickt, wo anschaulich demonstriert wurde, welche Ausbildungschancen in der Metall- und Elektroindustrie stecken. Neben ­Festo zeigte auch Bosch alles rund um die Ausbildungsgänge, die in den Homburger Werken des Industriekonzerns angeboten werden.

„Wer sich für einen technischen Beruf entscheidet, hat in Zukunft alle Chancen“, wirbt Andreas Noss. Er ist kaufmännischer Geschäftsführer des Zentrums für Mechatronik und Automatisierungstechnik (Zema) in Saarbrücken, wo der Aktionstag stattfand. Hier forschen Lehrstühle und Institute der Saar-Universität und der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) an Fertigungsverfahren der Zukunft.

Auch wenn die Zahl der jungen Frauen, die sich für die sogenannten Mint-Berufe – die Abkürzung steht für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik – entscheiden, allmählich steigt, „sind es noch immer viel zu wenige“, sagt Noss. Der Bundesagentur für Arbeit zufolge liegt der Frauenanteil bei den Beschäftigten in Mint-Berufen bei 15,4 Prozent. 11,4 Prozent der Ausbildungsverträge in diesen Berufsgruppen werden mit jungen Frauen abgeschlossen, in den Studienfächern erreicht die Quote 29,3 Prozent.

„Dass junge Frauen in den Ingenieur-Studienfächern als Exotinnen betrachtet oder nicht ernst genommen werden, habe ich nie festgestellt“, erzählt Sophie Nalbach. Die wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für intelligente Material­systeme an der Saar-Universität, berichtet in einer Gesprächsrunde mit den Besucherinnen von ihren Erfahrungen in der technischen Arbeitswelt – einen Weg, „den ich immer wieder gehen würde“. Ein gutes Beispiel dafür, dass Frauen in Technik-Berufen auch Karriere machen können, ist Ulrike Stein. Sie ist Leiterin Montage im Saarbrücker Werk des Automatikgetriebe-Herstellers ZF und Chefin von mehr als 2000 Mitarbeitern – die meisten davon Männer. „Dass ich eine Frau bin, hat bei meiner Arbeit nie eine Rolle gespielt“, sagt sie.

Doch nicht nur die jungen Frauen waren zum Aktionstag eingeladen, auch einige Eltern informierten sich im Zema über die dort geleistete Arbeit. „Die Berufswahl wird immer noch stark vom Elternhaus beeinflusst“, beobachtet Stephanie Vogel, Referentin für Bildung und Qualifizierung bei ME Saar. So begleitete Markus Maurer aus Friedrichsthal seine 14-jährige Tochter Jana-Marie. „Sie interessiert sich für Mechatronik, und darin unterstütze ich sie“, sagt er. „Doch zunächst wird die ihre Schule beenden. Das ist eine wichtige Voraussetzung.“