Das Saarland kämpft erfolgreich gegen Personalmangel in Busbetrieben

Kostenpflichtiger Inhalt: Saarland löst Personalproblem in Busunternehmen : Begeisterte Busfahrer für das Saarland

22 Frauen und Männer nutzen eine neue Qualifizierung, um den Personalmangel in Verkehrsunternehmen zu beenden.

Monika Kölsch (55) aus Riesgelsberg ist eine mutige Frau. Sie will ihr Leben noch einmal in die Hand nehmen, wagt etwas Neues, will sich beruflich verändern. Und ist felsenfest davon überzeugt, dass sie das schaffen wird. „Ich will es angehen und Busfahrerin werden“, sagt die gelernte Lkw-Fahrerin, die von ihrem bisherigen Beruf her schon gewohnt ist, anzupacken und schwierige Situationen erfolgreich zu meistern. Umgang mit Stress sowie verschiedensten menschlichen Charakteren gehören für sie längst zum Alltag. Deshalb ist sie auch sicher, mit völlig unterschiedlichen Situationen im Linienverkehr  umgehen zu können.

Monika Kölsch ist eine von zwei Frauen und insgesamt 22 Teilnehmern an einer Premiere im Saarland.  Denn nach dem chaotischen letzten Herbst mit massenweisen Busausfällen und einem vorübergehenden Notfahrplan in der Landeshauptstadt sollen sich solche Zustände nicht mehr wiederholen. Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger (SPD) hat damals sofort reagiert und eine „Task Force Busfahrer“ ins Leben gerufen, unterstützt  durch zahlreiche Verkehrs- und Busunternehmen im Saarland. Das Ziel: den Personalmangel so schnell wie möglich zu beseitigen. Eines der Ergebnisse ist das jetzt gestartete Qualifizierungsprojekt zum Busfahrer, an dem Personen mit völlig unterschiedlichen Lebensläufen teilnehmen. Neun Wochen dauert das Programm, in dem praktische Inhalte aus dem Alltag eines Busfahrers vermittelt werden.

Finanziert wird das Projekt aus Mitteln der Arbeitsagentur sowie der saarländischen Jobcenter. Von ihnen wurden auch die Teilnehmer ausgesucht. Hinzu kam noch der ein oder andere private Tipp von Freunden, der so manchem Teilnehmer die entscheidende Motivation gab, diesen Weg einzuschlagen.   Wer sich bewährt, hat die Chance, sich nach weiteren Ausbildungsschritten bei einem der Verkehrsunternehmen zu bewerben und den Zuschlag zu bekommen. Auch Michael Schämer aus Marpingen (54), ebenfalls ehemaliger Lkw-Fahrer, will Busfahrer werden. Er hat überhaupt keine Bedenken, sich in Stress-Situationen zu begeben oder möglicherweise auch mal mit unfreundlichen Fahrgästen konfrontiert zu werden. „Ich habe gerne Kontakt mit Menschen. Und vieles lässt sich auch mit der nötigen Gelassenheit klären“, sagt er.

Monika Kölsch ist eine von zwei Frauen, die Busfahrer werden wollen. Foto: Oliver Dietze

Das geht Mustafa Alhaj Akeel (45) ähnlich, der aus Syrien kommt und schon vier Jahre in Deutschland ist. Er war schon in seiner Heimat als Busfahrer tätig. Doch das lässt sich aus sprachlichen und rechtlichen Gründen nicht einfach eins zu eins auf deutsche Verhältnisse übertragen. Dennoch will auch er die Qualifikations-Maßnahme nutzen, um später hinter den Steuer eines Busses sitzen zu können.  Und zweifelsfrei bringt der Syrer noch eine weitere Eigenschaft mit, die ihm diesen Weg erleichtern könnte. Er hat in seiner alten Heimat auch als Mechaniker gearbeitet, kann also notfalls auch selber nachsehen, sollte ein Bus mal eine Panne haben. 15 der 22 Teilnehmer an der Qalifizierung, die ´von der Dekra Akademie in Saarbrücken umgesetzt wird, haben einen Migrationshintergrund. Um Busse steuern zu können, müssen sie noch zusätzliche Module belegen.

Anke Rehlinger sieht in dem Qualifizierungs-Angebot eine Chance für alle Beteiligten. Denn unter den Teilnehmern sind auch Personen, die schon längere Zeit ohne einen geregelten Job auskommen müssen. Gerade ihnen und älteren Menschen am Arbeitsmarkt könne man mit dem neuen Angebot  „gute Chancen auf eine neue und dauerhafte berufliche Tätigkeit bieten“. Die Ministerin ist bereits jetzt von den Vorteilen des neuen Angebotes derart überzeugt, dass eine Wiederholung im kommenden Jahr geplant ist.

Auch Jürgen Haßdenteufel, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Saarland, sieht dauerhafte Vorteile, zumal Busfahrer einen wichtigen Anteil zur Daseinsvorsorge in den Städten und Kommunen leisteten. Insgesamt arbeiten nach Auskunft von Haßdenteufel derzeit landesweit 1500 Busfarer auf sozialversicherungspflichtiger Basis. Alleine 2018 hat die Arbeitsverwaltung an der Saar rund 400 Menschen für das Verkehrsgewerbe qualifiziert, davon 40 als Busfahrer und 400 für Tätigkeiten im Güterverkehr. Gabriele Wehler, Leiterin der Dekra Akademie Saarbücken, sieht in der Qualifizierung einen wertvollen Beitrag, um mehr Fachkräfte im Saarland zu gewinnen. Janine Stutz, Personalleiterin bei der Saarbahn, betont, man sei sehr daran interessiert, Absolventen der Qualifizierung im Unternehmen eine Chance zu geben. „Wenn die fertig sind mit ihrer Ausbildung, können  sie bei uns im Linienverkehr anfangen.“ Wer sich flexibel zeigt, kann sich noch weiter qualifizieren mit dem Ziel, sowohl Busse als auch Saarbahnen zu steuern.

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