Das Saarland hat für die IAA 2019 eine neues Konzept entwickelt

Kostenpflichtiger Inhalt: Internationale Automobil-Ausstellung : Das neue Gewand des Saarlandes auf der IAA

Am 10. September beginnt die Internationale Automobil-Ausstellung. Die Saar-Firmen wollen mit einer veränderten Strategie ins Rennen gehen.

Die Internationale Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt ist für das Saarland traditionell ein wichtiger Termin. Das zeigen allein die Kennzahlen der Branche: Rund 44 000 Menschen arbeiten laut der Standortfördergesellschaft Saaris hierzulande in der Automobilindustrie. Die 260 ansässigen Betriebe erwirtschafteten einen jährlichen Umsatz von 17 Milliarden Euro. „Gemessen an der Bevölkerung sind wir das Bundesland mit dem höchsten Anteil von Menschen, die in der Autoindustrie arbeiten“, sagt Stephan Schweitzer, einer der beiden Geschäftsführer von Saaris. „Daher müssen wir auf der IAA Flagge zeigen.“

In diesem Jahr will das Saarland mit einer neuen Strategie an den Start gehen. Gab es in den vergangenen Jahren einen großen Gemeinschaftsstand, an dem Autohersteller und Zulieferer über die gesamte zwölftägige Messezeit präsent waren, setzen die Verantwortlichen jetzt auf eine kleinere Ausstellungsfläche, bei der die meisten Unternehmen nur zeitweise direkt vor Ort sind. „Unsere Präsenz muss sich ändern“, erklärt der zweite Saaris-Geschäftsführer Christoph Lang. Ein permanenter Auftritt auf der IAA sei speziell für kleinere Betriebe wirtschaftlich kaum rentabel. „Für die Unternehmen bedeutet das ja nicht nur Standgebühren, sondern auch einen hohen Personalaufwand“, ergänzt Schweitzer.

Neben den geringeren Kosten für die Firmen bietet das neue Konzept laut Saaris weitere Vorteile. „So können wir die Vielfalt des Automobilstandorts Saarland viel besser zeigen“, sagt Schweitzer. Dadurch könne ein stärkerer Fokus auf kleine und mittelständische Betriebe, aber auch auf Forschungsprojekte der saarländischen Hochschulen gelegt werden. „Das ist ja gerade unser Alleinstellungsmerkmal: Wir haben im Saarland nicht nur einen Produktionsstandort, sondern auch einen starken Zulieferer-Mittelstand und eine große IT-Kompetenz“, erklärt Lang. Die digitalen Forschungsschwerpunkte an der Saar-Uni, der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW), aber auch von Instituten wie dem Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) oder dem Cispa Helmholtz-Zentrum für Informationssicherheit würden für die Autoindustrie zunehmend wichtiger. „Nicht nur die Produkte werden immer digitaler, sondern auch die Produktionsweise“, sagt Schweitzer.

Saaris will den über 20 teilnehmenden Unternehmen und Institutionen aus dem Saarland auf der IAA auch eine Plattform bieten, um mit anderen Herstellern ins Gespräch zu kommen. Dazu sollen auf dem Stand unter anderem verschiedene Möglichkeiten für Präsentationen, aber auch Räume für Vier-Augen-Gespräche zur Verfügung gestellt werden.

Neben den zeitlich begrenzten Auftritten der Hersteller werden auf dem saarländischen Messestand auch Produkte für die vollen zwölf Tage zu sehen sein. So wird unter anderem der neue Elektrosportwagen Commendatore GT des Saarwellinger Herstellers Isdera und ein Wagen des Merziger Mercedes-Benz-Tuners Carlsson ausgestellt. Ein an der HTW Saar gegründetes Start-Up-Unternehmen wird zudem einen kamerabasierten Spurwechselassistenten für Motorräder vorstellen.

Im Zentrum des Stands steht aber das virtuelle „Saarland-Auto“. Mithilfe einer Virtual-Reality-(VR-)Brille bekommen Besucher zunächst eine kurze Einführung in den saarländischen Automobilstandort durch den Ministerpräsidenten Tobias Hans (CDU) und Verkehrsministerin Anke Rehlinger (SPD). Danach können sie das fiktive „Saarland-Auto“ mit Teilen aus der hiesigen Autolandschaft, beispielsweise mit einem ZF-Hybridgetriebe, selbst zusammenbauen. Bis zum Start der IAA sollten rund zehn Teile saarländischer Hersteller integriert sein, erklärt Thorsten Hary, Geschäftsführer der Saarbrücker Zeit:raum Digital GmbH, die das Programm entwickelt hat. „Mit dem Saarland-Auto wollen wir die ganze Bandbreite der hiesigen Hersteller zeigen“, sagt Christoph Schweitzer.

Obwohl viele namhafte Autohersteller in diesem Jahr nicht auf der IAA vertreten sind (wir berichteten), für Saaris und das zugehörige Netzwerk Automotive.Saarland ist die Messe von zentraler Bedeutung. „Die IAA ist immer noch der Haupttreffpunkt der automobilen Welt“, sagt der Leiter von Automotive.Saarland, Pascal Strobel.

Die tatsächlichen Effekte seien zwar schwer messbar, ergänzt Christoph Lang. Er nennt aber ein Beispiel: „Vor einigen Jahren sind wir auf der IAA mit dem Ford-Chef Gunnar Herrmann bei einer Kaffeepause ins Gespräch gekommen. Wir haben ihm die Arbeiten von Forschergruppen aus dem Saarland vorgestellt“, sagt Lang. „Rund ein Dutzend dieser Projekte ist derzeit bei Ford in der Entwicklung“, so der Saaris-Geschäftsführer. „Allein schon für diese Geschichte hat sich unser Auftritt gelohnt.“