Das MVZ in St. Ingbert ist das größte Speziallabor im Saarland

Kostenpflichtiger Inhalt: SZ-Serie Gesundheitswirtschaft im Saarland : Das größte Speziallabor des Saarlandes

Im MVZ in St. Ingbert kümmern sich täglich 180 Mitarbeiter um Proben von rund 8000 Patienten aus Rheinland-Pfalz und dem Saarland.

Der technische Fortschritt hat der Medizin Diagnosewerkzeuge an die Hand gegeben, von denen früher nur zu träumen war. Die Vielzahl genetischer, chemischer und mikrobiologischer Tests, die heutzutage möglich sind, können Ärzte und Krankenhäuser nicht mehr vor Ort durchführen – immer häufiger senden sie Proben daher an Speziallabore. Das größte im Saarland ist das zum australischen Konzern Sonic Healthcare gehörende Medizinische Versorgungszentrum Saarpfalz (MVZ) in St. Ingbert. „Wir bekommen täglich rund 13 000 Proben von 7000 bis 8000 Patienten aus dem Saarland und aus Rheinland-Pfalz“, sagt Ellen Quien, Vertriebs- und Marketingleiterin beim MVZ. „Die meisten analysieren wir noch am selben Tag vollständig.“ In besonders dringenden Fällen liege im Schnitt nach vier Stunden ein Ergebnis vor.

Die Proben werden täglich von 20 firmeneigenen Pkw aus der gesamten Region eingesammelt. Rund 800 niedergelassene Ärzte und vier Krankenhäuser gehörten zu den Kunden des Labors, sagt Quien. Aber auch Privatleute könnten sich direkt an das Labor wenden. Um diese logistische Mammutaufgabe stemmen zu können, beschäftigt das MVZ in St. Ingbert laut Quien 180 Mitarbeiter, davon arbeiten rund 100 direkt im Labor. „Außerdem bilden wir zwei medizinische Fachangestellte und einen Informatiker aus.“

Im MVZ können Proben auf vielfältige Weise untersucht werden. Einen großen Teil nimmt die chemische Analyse ein. Daneben gibt es Labore für Mikrobiologie und Physikalchemie. In letzterem wird unter anderem das sogenannte Therapeutische Drug Monitoring durchgeführt. Das bedeutet, dass beispielsweise Blutproben von Patienten, die ein bestimmtes Medikament bekommen, auf dessen Konzentration hin untersucht werden. „Zwei Menschen können die gleiche Tablette nehmen, aber im Blut trotzdem einen völlig unterschiedlichen Medikamentenspiegel haben, weil der Wirkstoff bei jedem anders verstoffwechselt wird“, erklärt Abteilungsleiter Marcus Lederer. Mit der genauen Bestimmung könnten therapierende Ärzte die nötige Dosis dann individuell auf den Patienten zuschneiden.

Im MVZ wird aber nicht nur untersucht, die Ergebnisse werden auch ausgewertet, um Ärzte und Patienten direkt beraten zu können. „Wir sind kein reines Einsendelabor“, sagt MVZ-Geschäftsführer Dr. Udo Geipel. Er nennt ein Beispiel: „Ein aktueller Patient hat ein tiefes Geschwür, von dem wir Wundmaterial analysiert haben“, berichtet Geipel. „Darin haben wir mehrere Mikroorganismen gefunden, die typischerweise in Gewässern vorkommen, gewebezerstörend und lebensbedrohlich sein können.“ In solchen Fällen sei eine sofortige Beratung wichtig. „Wir haben natürlich ein aktives Interesse daran, dass so ein Befund zeitnah bei Behandler und Patienten ankommt.“

Momentan müssen die Labormitarbeiter die Proben noch von Hand aus dem Schrank nehmen, um sie zu untersuchen. Das soll sich bald ändern. Aktuell wird an einem laborweiten Schienennetz gearbeitet, in dem kleine Fahrzeuge die Proben direkt zum Untersuchungsort und wieder zurück fahren können. Dabei wird jede Probe einzeln transportiert. „Nur zwei andere Labore in Deutschland haben derzeit ein solches System“, sagt Markus Reutler, IT-Chef im MVZ. Das System sei beispielsweise hilfreich, wenn Nachuntersuchungen nötig seien. „Wenn der Mitarbeiter auf den Knopf drückt, ist die Probe spätestens 20 Minuten später wieder an der Maschine“, erklärt Reutler. In dringenden Fällen dürften die Proben auch überholen, andere Fahrzeuge würden so lange auf einem Nebengleis geparkt. „Ein weiterer Vorteil ist, dass wir zu jedem Zeitpunkt genau wissen, wo sich eine Probe im Analysenlauf gerade befindet“, ergänzt Udo Geipel. „Davon erhoffen wir uns eine Verbesserung im Proben-Management, konkret eine Beschleunigung bis zur Befund­erstellung und eine substanzielle Vereinfachung im Labor bei Nachforderungen durch den Einsender.“ Läuft alles nach Plan, soll das „GLP-Track“ getaufte Schienennetz noch in diesem Monat in Betrieb gehen.

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