Saarland-Versicherungen Cyber-Crime wird Versicherungsthema

Saarbrücken · Die Saarland-Versicherungen sehen Cyber-Schäden als die neue Bedrohung für Unternehmen. Hier entstehe ein neuer Markt.

 Hacker schlagen immer häufiger bei Firmen zu.

Hacker schlagen immer häufiger bei Firmen zu.

Foto: dpa/Silas Stein

Dirk Hermann, Chef der Saarland-Versicherungen, bringt das Zukunftsthema auf den Punkt: „Die Cyber-Versicherung ist die neue Feuer-Versicherung.“ Waren es früher mehrheitlich Feuer-Ereignisse, die die Produktion eines Unternehmens zum Stillstand gebracht hätten, hätten Cyber-Schäden diese an Häufigkeit überholt. In 42 Prozent der Versicherungsfälle würden Cyber-Angriffe mittlerweile als Versicherungsgrund genannt. Sei es die Bewerbungsmail, bei der im Lebenslauf ein Schadprogramm eingebettet ist, sei es die feindliche Übernahme der firmeneigenen Telefonanlage. Angriffspunkte gibt es unendliche. Und der Schaden ist immens: Neben dem reinen Schaden, der durch den Stillstand der Produktion entsteht, müssen auch noch sämtliche Kunden benachrichtigt werden, die Systeme müssen dekontaminiert und meist neu aufgesetzt und die Daten wieder neu eingespielt werden. „Unternehmen müssen genau prüfen, ob sie auf diese Risiken ausreichend vorbereitet sind.“

Dass Risiken im Umkehrschluss gut für Versicherungen sind, zeigten gestern die Bilanzzahlen, die der Versicherungskonzern von der Saar präsentierte. In der Saarland Feuerversicherung konnte das Unternehmen nach Hermanns Worten erfreulich zulegen. Die gebuchten Bruttobeiträge, sozusagen der Umsatz der Versicherung, stieg von 104,7 auf 107,2 Millionen Euro. Vor allem im Bereich der Elementarschadenversicherungen konnte das Unternehmen weiter zulegen. Während 2012 erst zwölf Prozent der saarländischen Haushalte gegen Unwetter versichert waren, waren es im vergangenen Jahr bereits 32 Prozent. „Eine gute Entwicklung“, sagt Hermann. Dazu beigetragen haben dürften auch die Starkregenereignisse im vergangenen Jahr.

Die wiederum haben allerdings bei der Feuerversicherung auch die Schäden deutlich nach oben getrieben. Zwar waren es mit rund 31 600 Schäden weniger als im Vorjahr (rund 36 800). Allerdings ist die Schadensumme deutlich gestiegen: 81 Millionen Euro mussten die Saarland-Versicherungen 2018 auszahlen. 2017 waren es noch 78,5 Millionen Euro. „Es ist eben ein Unterschied, ob ein Keller überflutet wird, oder ein Haus durch die Fluten komplett zerstört wird“, sagt Hermann dazu. Weil die höheren Schäden aber rückversichert sind, blieb letztlich noch ein Plus unterm Strich von 0,6 Millionen Euro.

Bei der Lebensversicherung AG, der zweiten Sparte der Saarland-Versicherungen, macht sich das neue Betriebsrentenstärkungsgesetz bereits deutlich in stark steigenden Bruttobeiträgen bemerkbar. Die machten einen Sprung von 128,7 auf 150,6 Millionen Euro. Trotzdem sieht Frank Werner, der gemeinsam mit Hermann die Saarland-Versicherungen als Vorstand führt, noch erheblichen Nachholbedarf bei der Altersvorsorge. 30 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten hätten weder eine betriebliche Altersvorsorge noch eine Riester-Rente, sagt Werner. In diesem Bereich, so sagt er, entstehe eine erhebliche Armutslücke. Er geht davon aus, dass vor allem bei Frauen im Saarland im Alter ein massives Armutsproblem entstehen wird. Eine ähnliche Lücke bestehe im Bereich der Berufsunfähigkeitsrente. „50 Prozent der Deutschen versichern zwar ihr Auto optimal, aber bei der Versicherung der Berufsunfähigkeit gibt es große Lücken“, sagt Werner.

Bei den Zahlen steht die Lebensversicherung trotz des Niedrigzinses weiter solide da. Es sei gelungen, immer noch eine Nettoverzinsung von 3,2 Prozent zu erwirtschaften. Das reiche auch noch aus, um die noch vorhandenen Altverträge mit vier Prozent Garantiezins zu bedienen. Unterm Strich ist der Gewinn zwar von zwei auf eine Million gesunken, „damit sind wir aber sehr zufrieden“, sagte Werner.

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