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Corona-Krise trifft Metall- und Elektroindustrie im Saarland besonders stark

Fokus auf Autobranche hat fatale Folgen : Saar-Industrie übermäßig stark von Kurzarbeit und Produktions-Einbußen betroffen

Die Metall- und Elektroindustrie erwartet in Deutschland wegen der Corona-Krise bis Ende April rund 2,2 Millionen Beschäftigte in Kurzarbeit. Das Saarland sei von Kurzarbeit und Produktionseinschränkungen stärker betroffen als der Bund. Zwei Drittel der ME-Unternehmen hat Kurzarbeit angemeldet. Das zeige eine neue Blitzumfrage, teilt der Branchenverband ME Saar mit.

Über 90 Prozent der Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie im Saarland sind von Produktionseinschränkungen durch die Corona-Pandemie betroffen. Das ergab eine Umfrage unter 42 saarländischen Unternehmen mit 29 000 Beschäftigten, wie der Verband der Metall- und Elektroindustrie des Saarlandes (ME Saar) am Dienstag mitteilte. Die Hälfte ist von starken (19 Prozent) oder sehr starken (31 Prozent) Produktionseinschränkungen betroffen.

Damit sind die saarländischen Metall- und Elektrounternehmen stärker von der Corona-Krise betroffen als die Branche bundesweit. Hier meldeten 83 Prozent der Unternehmen Einschränkungen bei der Produktion – 30,9 Prozent bezeichneten die Einschränkungen als stark oder sehr stark. Neben der fehlenden Nachfrage nannten die Unternehmen fehlende Teile und fehlendes Material als Hauptgrund.

„Saarländische Unternehmen sind von der Corona-Krise besonders betroffen, weil die hiesige Industrie stark auf den Automobilbau fokussiert ist und gerade in diesem Bereich die Nachfrage immens zurückgegangen ist“, sagt ME-Saar-Geschäftsführer Jens Colling.

Im Automobilbau sind die Auftragszahlen laut einer Erhebung von Gesamtmetall im ersten Quartal um 26 Prozent zurückgegangen, im sonstigen Fahrzeugbau um 28 Prozent. In der gesamten Metall- und Elektroindustrie sanken die Auftragseingänge um 14 Prozent.

Im Vergleich zum Bund haben auch überdurchschnittlich viele Unternehmen im Saarland Kurzarbeit eingeführt. So haben 64,3 Prozent der Unternehmen inzwischen für Teile ihrer Belegschaft Kurzarbeit angemeldet. Bei drei von zehn Unternehmen sogar für mehr als 80 Prozent der Beschäftigten. Bundesweit setzen laut der Erhebung von Gesamtmetall 42,7 Prozent der Unternehmen auf Kurzarbeit.

Wie der ME Saar mitteilt, stehe der Höhepunkt der Kurzarbeit allerdings noch erst bevor. So plane knapp jedes sechste Unternehmen im Saarland (16,6 Prozent) innerhalb der kommenden vier Wochen weitere Kurzarbeit. Nach Berechnungen von Gesamtmetall waren Anfang April 2020 etwa 1,2 Millionen Beschäftigte der Branche in Kurzarbeit. Innerhalb der kommenden Wochen könne sich diese Zahl noch einmal um eine Million erhöhen, so der Verband weiter.

„Bei den Unternehmen geht es jetzt vor allem darum, die Liquidität zu sichern. Kurzarbeit ist dafür eine gute Möglichkeit, die auch Arbeitsplätze sichern kann“, sagt Colling. Wenig Verständnis hat er für die Forderung der IG Metall, dass Unternehmen das Kurzarbeitergeld aufstocken sollen. „Hier geht es nicht mehr um einen Verteilungskampf, sondern in vielen Fällen um die Existenz der Unternehmen.“