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Corona-Krise: Mehr Arbeitslose und weniger Azubi-Stellen im Saarland

Harte Zeiten für Azubis : Der saarländische Arbeitsmarkt im Corona-Tal

Vor allem die Zahl der Langzeitarbeitslosen hat im Vorjahresvergleich zugenommen. Der Ausbildungsmarkt hat ebenfalls Federn gelassen. Doch es gibt auch Lichtblicke.

Im zweiten Jahr der Corona-Krise bleibt die Situation auf dem saarländischen Arbeitsmarkt weiterhin angespannt. Zwar ging die Zahl der Arbeitslosen im März im Vergleich zum Vormonat um 800 oder zwei Prozent auf 38 700 zurück, wie die Regionaldirektion Rheinland-Pfalz-Saarland der Bundesagentur für Arbeit mitteilt. Gegenüber März 2020 entspricht das allerdings einem Zuwachs von 4300 Menschen (plus 12,6 Prozent). Die Arbeitslosenquote liegt damit aktuell bei 7,2 Prozent. Vor vier Wochen betrug sie 7,4 Prozent und vor einem Jahr 6,4 Prozent.

Insbesondere die die Zahl der Langzeitarbeitslosen, die ein Jahr oder länger ohne Arbeit sind, ist deutlich gestiegen. Laut Arbeitsagentur gehören momentan 15 006 Saarländerinnen und Saarländer zu dieser Gruppe – 294 oder zwei Prozent mehr als im Februar und ganze 4436 oder 42 Prozent mehr als im März 2020. In der ersten Corona-Welle im vergangenen Frühjahr hätten viele Firmen vor allem ältere Menschen und solche entlassen, die gerade aus einer längeren Arbeitslosigkeit heraus eingestellt worden waren, erklärt Walter Hüther, stellvertretender Vorsitzender der Regionaldirektions-Geschäftsführung. Im darauffolgenden Sommer hätten Arbeitgeber dann aus einem größeren Fundus schöpfen können – auch das zu Lasten der Langzeitarbeitslosen. „Vieles, was wir in den vergangenen Jahren aufgebaut haben, hat Corona auf einen Schlag zerstört“, sagt Hüther.

Zwar gebe es inzwischen wieder einige neue Stellen für Langzeitarbeitslose, „aber es fehlt noch ein gutes Stück an Bereitschaft wieder einzustellen“, so Hüther. „Gemeinsam mit unseren Arbeitsmarktpartnern arbeiten wir daran, diesen Frauen und Männern eine Chance auf dem Arbeitsmarkt zu geben.“ So sollen „gezielte Programme helfen, die Menschen wieder in Arbeit zu bringen“. Dazu könnten beispielsweise Qualifizierungsmaßnahmen oder Zuschüsse für Unternehmen, die neues Personal einstellen, beitragen.

Derzeit liegt die Nachfrage nach Arbeitskräften allerdings noch unter dem Vorjahresniveau. Insgesamt waren im März 8000 offene Stellen bei der Arbeitsagentur gemeldet, 700 oder 8,1 Prozent weniger als im März 2020. Die meisten Leute wurden in der Zeitarbeit (1440), im Gesundheits- und Sozialwesen (1150), im verarbeitenden Gewerbe (970), im Handel (940) und im Baugewerbe (750) gesucht. Die Arbeitsagentur erwartet hier in den kommenden Monaten aber einen Aufwärtstrend. Zur saisonüblichen Frühjahrsbelebung kämen die positiven Signale aus der Exportwirtschaft, sagt Hüther. „Außerdem gibt es viele Branchen – wie etwa die Gastronomie oder die Veranstaltungswirtschaft – in denen das Geschäft noch gar nicht wieder angelaufen ist.“ Somit sei auch hier mit einer deutlichen Entspannung zu rechnen.

Auf die deuten auch die Anmeldungen zur Kurzarbeit hin, die laut Arbeitsagentur in den vergangenen Monaten kontinuierlich zurückgingen. Insgesamt seien 200 Anzeigen für 1800 Beschäftigte eingegangen. Im Januar seien es noch 1100 und im Februar 500 Meldungen gewesen. Die Behörde betont, dass die Meldungen keinen direkten Rückschluss darauf zulassen, wie viele Menschen tatsächlich in Kurzarbeit sind. Dazu gibt es bisher nur Hochrechnungen vom Dezember 2020, als 4300 Saar-Betriebe für 29 000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Kurzarbeit umgesetzt hatten.

Im Bund ist die Zahl der Arbeitslosen im Vormonatsvergleich um 77 000 zurückgegangen. Insgesamt waren im März damit 2,827 Millionen Menschen ohne Job, 492 000 mehr als zur gleichen Zeit des Vorjahres, wie die Bundesagentur für Arbeit am Mittwoch in Nürnberg mitteilte. Die Arbeitslosenquote betrug 6,2 Prozent.

Auf dem saarländischen Ausbildungsmarkt sieht es derzeit ebenfalls eher mau aus. Seit Beginn des laufenden Beratungsjahres im Oktober 2020 seien der Agentur für Arbeit und den Jobcentern zusammen 4800 Ausbildungsstellen gemeldet worden – 600 oder 10,6 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Demgegenüber standen allerdings auch 3000 Jugendliche, die bei der Berufsberatung einen Ausbildungsplatz suchten. Das sind 600 oder 16,8 Prozent weniger als im März 2020.

Neben der demographischen Entwicklung macht Hüther noch andere Gründe für den Nachfragerückgang bei jungen Menschen aus. So gebe es auf der einen Seite viele Jugendliche, „die eine Ausbildung beginnen wollen, aber nicht wissen, ob sie sie abschließen können, weil der Betrieb dann vielleicht nicht mehr existiert“. Auf der anderen Seite stünden derzeit viele Firmen, „die sich fragen, ob sie sich einen Auszubildenden leisten können“. In beiden Fällen könnten nur politische Weichenstellungen für mehr Sicherheit sorgen.

Zudem entschieden sich gerade in der Corona-Krise mehr Jugendliche für einen weiteren Schulbesuch statt für eine Ausbildung. Diese seit Langem bestehende Entwicklung sei dadurch befeuert worden, dass der Unterricht im vergangenen Jahr vielerorts stark eingeschränkt gewesen sei, vermutet Hüther. „Da gibt es sicher den ein oder anderen, der das Gefühl hat, einiges versäumt zu haben, und der daher lieber noch ein Jahr Schule dranhängt.“

Hinzu komme, dass die Berufsberater der Arbeitsagentur in der Corona-Krise nicht vor Ort an den Schulen sein konnten. Zwar habe die Behörde ihre Angebote ins Internet verlagert und biete nun beispielsweise mehr Beratungen per Telefon oder Videokonferenz an, was auch rege angenommen werde – „ansonsten sähe es noch trüber aus“, wie Hüther sagt. „Aber gerade bei den Unentschlossenen reicht das oft nicht.“ Er geht davon aus, diese Jugendlichen in naher Zukunft wieder gezielter ansprechen zu können. „Daher sind wir auch sehr optimistisch, dass wir da noch aufholen können“, sagt er.

Trotz allem gebe es im Saarland noch immer deutlich mehr ausbildungswillige Betriebe als junge Menschen, die nach einer Stelle suchen, betont Hüther. „Es lohnt sich, dranzubleiben und die Chancen zu nutzen.“

Doch auch die Firmen müssten sich bewegen. „Ich ermutige die Betriebe freie Ausbildungsstellen zu melden“, lautet Hüthers Appell. „Mir ist bewusst, dass es derzeit viele Unwägbarkeiten gibt. Daher ist es mir umso wichtiger zu betonen, dass die Unternehmen jetzt die Fachkräfte für morgen ausbilden und sich somit den Fachkräftebedarf im eigenen Unternehmen sichern.“

Jugendliche, die noch eine Berufsausbildungsstelle suchen, können sich unter der kostenfreien Rufnummer (0800) 4 55 55 00 an die Agentur für Arbeit wenden. Arbeitgeber, die Ausbildungsstellen melden möchten, erreichen die Behörde ebenfalls kostenlos unter (0800) 4 55 55 20. Weitere Informationen zum Thema gibt es online unter:
www.arbeitsagentur.de/bildung