Chef der Sparda-Bank Südwest denkt über Kontoführungs-Gebühren nach

Kontogebühren : Kontoführungs-Gebühr ist kein Tabu mehr

Chef der Sparda-Bank Südwest: Dienstleistung ist etwas wert. Institut sieht sich unter hohem Kostendruck.

Möglicherweise müssen die Kunden der Sparda-Bank Südwest bald Kontoführungs-Gebühren zahlen. „Wir denken darüber nach“, sagte Vorstandschef Hans-Jürgen Lüchtenborg zur Saarbrücker Zeitung. Beschlossen sei aber noch nichts. Der Schritt fällt der Bank, die Filialen im Saarland und in Rheinland-Pfalz unterhält, sicherlich schwer. Denn seit der Gründung der Bank vor 120 Jahren mussten die Kunden nach Angaben von Lüchtenborg keine Kontoführungs-Gebühren zahlen.

Wenn diese Gebühren kommen sollten, dann aber so, dass die Bank im Vergleich zur Konkurrenz „extrem gut“ dasteht, versichert Lüchtenborg. Die allermeisten Banken erheben inzwischen monatliche Gebühren für die Führung von Girokonten. Hintergrund der Überlegungen ist die schon seit Jahren anhaltende Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB), die es Kreditinstituten mittlerweile schwer macht, Geld zu verdienen.

Die Banken im Allgemeinen und auch die Sparda-Bank Südwest hätten in der Vergangenheit, was Girokonten betrifft, „nie erklärt, dass die Dienstleistung etwas wert ist“, sagt Lüchtenborg und bezeichnet dies als einen Fehler.

Er selbst wird an der Entscheidung über eine mögliche Einführung von Kontoführungs-Gebühren allerdings nicht mehr beteiligt sein. Hans-Jürgen Lüchtenborg geht nach mittlerweile 28 Jahren als Vorstandsmitglied Ende Dezember in den Ruhestand. Sein Vorstandskollege Manfred Stang übernimmt dann den Posten an der Spitze der Bank.

Eben weil das Bankgeschäft schwieriger geworden ist, spielt auch eine weitere Senkung von Kosten eine große Rolle in der Strategie. Dies ist auch ein Ziel beim gerade vollzogenen Wechsel des IT-Dienstleisters. Der frühere war nur für die elf Sparda-Banken in Deutschland zuständig, jetzt arbeitet die Sparda-Bank Südwest mit Fiducia & Gad IT AG zusammen, dem Dienstleister der genossenschaftlichen Finanzgruppe. Fiducia ist nach eigenen Angaben für mittlerweile fast 900 Banken tätig. Die Kosten verteilten sich damit auf mehr Schultern als bisher, sagt Lüchtenborg. Auch für die Kunden hat sich der Technikwechsel bei der Umstellung Mitte November ausgewirkt. Zum Beispiel gibt es eine neue App für das Online-Banking und neue Kreditkarten.

Der Ertrag für dieses Jahr werde aber trotz der belastenden Nullzinsen auf dem Niveau von 2018 liegen, also bei insgesamt rund 15 Millionen Euro, prognostiziert Lüchtenborg. Noch in diesem  Frühjahr hatte er auf der Bilanzpressekonferenz der Sparda-Bank in Mainz für die kommenden Jahre bereits auf tendenziell sinkende Gewinne eingestimmt. Zumindest für dieses Jahr kann die Bank einen Rückgang aber offenbar noch einmal verhindern. Die gesamten Kreditzusagen in diesem Jahr belaufen sich nach Angaben des Vorstandschefs wie schon 2018 voraussichtlich auf rund eine Milliarde Euro. Die Sparda-Bank arbeitet ausschließlich im Privatkundengeschäft. Die allermeisten Darlehen sind Baukredite.

Den Kreditzusagen stehen nach Angaben von Lüchtenborg in nicht unerheblichem Maße Tilgungen von Krediten gegenüber. Viele Kunden nutzen die Möglichkeiten zu Sondertilgungen von Darlehen, weil ihnen dies mehr bringt, als Geld auf ein Sparkonto zu legen, das keinen Zinsertrag abwirft.

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